Druck der ersten Farbe – Holzschnitt von Susanne Haun

Nur noch die beiden obigen, entgegengesetzten Gesichter habe ich gestern für den ersten Farbdruck korrigiert. Sie waren mir auf der ersten Vorzeichnung zu weit entfernt von dem unteren Gesicht. Nicht räumlich – aber zeichnerisch!

Diesen Holzschnitt arbeite ich nach dem Prinzip der verlorenen Form. Ich schneide zuerst alle Linien aus dem Holz, die weiß bleiben sollen. Das Schneiden einer so großen Platte ist sowohl körperlich als auch geistig anstrengend.

Ausschnitt unten (c) Holzschnitt von Susanne Haun
Ausschnitt unten (c) Holzschnitt von Susanne Haun

Ich gehe ganz anders vor, als Jürgen Küster. Auch er arbeitet nach dem Prinzip der verlorenen Form. Ich bin auch in meinen Holzschnitten ganz die Zeichnerin und arbeite die Linien so, wie ich auch mit meiner Feder zeichnen würde. Natürlich schneidet sich das Holz nicht so geschmeidig wie die Feder zeichnet. Jürgen schlägt mit Hammer und Hohleisen Flächen aus dem Holz.

Es reizt mich, meinen nächsten Holzschnitt flächig zu arbeiten und ich möchte gerne Kraft einsetzen, dass Holz weg zu schlagen. Jürgen wiederum möchte gerne in meiner linearen Technik arbeiten.

Aber genau das ist es ja, was das Projekt Buchalovs Freunde ausmacht: der Austausch!Es ist Jürgens drittes Jahr, wo er die Zusammenarbeit organisiert. Auf dem Projektblog (siehe hier) könnt ihr alle wesentlichen Erkenntnisse und Ergebnisse von diesem Jahr aber auch von den vergangenen Jahren nachlesen und anschauen.

Jürgen beäugt kritisch sein Werk (c) Foto von Susanne Haun
Jürgen beäugt kritisch sein Werk (c) Foto von Susanne Haun

Ich schneide sehr gerne Buchstaben und Zahlen in meine Holzschnitte. Dabei ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Zeichen spiegelverkehrt geschnitten werden, denn „der Druck dreht alles um“.

Das Datum (c) Holzschnitt von Susanne Haun
Das Datum (c) Holzschnitt von Susanne Haun

Gestern habe ich als erste Farbe Gelb verwendet. Ich arbeite von hell nach dunkel. Die Linoldruckfarbe, die wir hier verwenden ist deckend. Ich müsste theoretisch nicht klassisch drucken. Fünf Blätter habe ich mit dem ersten Zustand der Platte gedruckt.

Heute beginne ich die Arbeit, in dem ich nochmals einen Zustand auf einem dickeren Papier und in einer anderen Farbe drucke. Danach schlage ich die Linien für den nächsten Druck raus und „zerstöre“ dabei die Platte. Sie kann dann nicht mehr in dem Zustand gedruckt werden, wie ich heute die Zustandsdrucke zeige.

Meine Erfahrungen zum Holzschnitt habe ich auch in einem Buch festgehalten. Das Buch erscheint im Oktober im Edition Michael Fischer Verlag. Es kann direkt beim Verlag (siehe hier) oder bei Amazon (siehe hier) vorbestellt werden.
Wer ein signiertes Exemplar für 16,90€ + 2,20€ Porto direkt von mir erhalten möchte, kann mir unter info@susannehaun.de eine Nachricht senden.

3 comments

  1. In den 30-er Jahren des 19.Jahrhunderts entwickelte sich aus der Holzstichtechnik von Thomas Bewick (1753-1828) die Xilografie, die als Hochdruckverfahren mit dem Buchdruck in einem Arbeitsgang gemeinsam angewendet wurde. Der Druckstock aus Buchsbaum-Hirnholz konnte mit der Roulette und dem Stichel mit tonigen Wirkungen versehen werden. Die Holzstichplatte wurde entweder direkt gedruckt oder „klischiert“, d.h. in Letternmaterial (Blei) abgegossen und als Hochdruck gedruckt.

  2. Liebe Susanne,
    habe diesen Blog jetzt zum zweiten Mal entdeckt – aber nun erst richtig wahrgenommen. Es ist wirklich toll, sozusagen bei der Arbeit zusehen zu können und auch noch erklärt zu bekommen, was da wie gemacht wird. Sehr bereichernd!
    Danke dafür und schöne Grüße
    Kai

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