Susanne Haun

Rückseiten haben etwas von Vergänglichkeit – Radierung von Susanne Haun

Posted in Radierung, Tiere, Vergänglichkeit, Zeichnung by Susanne Haun on 16. November 2013

In meinem Grafikschrank liegen neue Radierplatten der Größe 30 x 40 cm.

Aber es juckte mir in den Fingern, die Rückseite einer Radierung vom Januar 2012 als Grundlage für meine heutige Radierung zu benutzen. Hier seht ihr die Vorderseite der Radierung.

Die Rückseite hatte geätze Stellen, denn ich hatte sie nicht korrekt abgeklebt und die Säure konnte unter der Folie den Zink angreifen. Ich war gespannt, wie diese zufälligen Flächen zusammen mit den sehr durchdachten und kontrollierten Linien wirken würden.

Hic locus est ubi mors docet vivos - 30 x 40 cm (c) Radierung von Susanne Haun

Hic locus est ubi mors docet vivos – 30 x 40 cm (c) Radierung von Susanne Haun

Ich bleibe den Themen Vergänglichkeit und Insekten treu. Die auf den Rücken liegende tote Fliege und verwelkte Blumen sind kein neues Thema. Es ist ein Thema aus einer längst vergangenen Zeit. Aber es ist auch heute noch spannend, die Linien dieser Teilnehmer der Natur zu ziehen.

Inzwischen habe ich mir auch ein Lehrbuch über Insekten angeschafft, ein Kinderbuch aus dem Jahr 1963 mit dem Titel „Das Reich der Insekten“ aus dem Delphin Verlag, Stuttgart und Zürich. Nun weiss ich also, dass die Insekten die artenreichste Klasse des Tierreiches ist. Es ist ein Buch ohne Fotos aber mit vielen detailierten Zeichnungen von der Metamorphose der Bienen. Sehr interessant, habe ich alles noch nicht gewusst!

Passend erschien mir dabei die CD „The Devil, You + Me“ von The Notwist zu hören.

Die Ätzung sieht gut aus (c) Radierung von Susanne Haun

Die Ätzung sieht gut aus (c) Radierung von Susanne Haun

Die Strichätzung, die ich ätzte ist auf den schon geätzen Flächen sehr schwach. Hier werde ich mit der Kaltnadel nachhelfen müssen. Aber im großen und ganzen bin ich sehr zufrieden mit der Strichätzung. Ich werde die Nacht darüber schlafen, wie ich die Flächen mittels Aquatinta setzen werde.

Oben rechts vom Betrachter das ausgedachte Insekt wird stehen bleiben, die Fliege unten im Vordergrund braucht noch Kontraste.

Ausschnitt -  Hic locus est ubi mors docet vivos - 30 x 40 cm (c) Radierung von Susanne Haun

Ausschnitt – Hic locus est ubi mors docet vivos – 30 x 40 cm (c) Radierung von Susanne Haun

Es ist traurig, dass ich kein Latein kann aber ich fand bei dict.cc einen wundervollen lateinischen Satz, als ich nach dem Tod der Fliege fragte:
Hic locus est ubi mors docet vivos = Hier ist der Ort, wo der Tod die Lebenden unterrichtet.
Ich fand diesen Titel sofort passend für die heutige Radierung.

16 Antworten

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  1. Faktoid said, on 16. November 2013 at 20:14

    Das ist mir eine große Freude, dass der kreative Prozess und die Motivation so schön erklärt wird.
    Danke dafür.
    Ein willkommener Einblick in eine, mir ansonsten fremd bleibende Kunst.

    • Susanne Haun said, on 17. November 2013 at 08:42

      Das freut mich, Oliver, es ist eine sehr alte Kunst und als es noch keine Fotos und auch keine Museen gab und große Arbeiten nur bei privaten Sammlern mit privatem Publikum zu sehen waren, konnte sich das Bürgertum Radierungen in die Wohnstube hängen. Diese waren preiswerter als große Gemälde aber doch relativ teuer, für eine Radierung von Dürer musste man schon soviel bezahlen wie für ein Pferd.
      Einen schönen Sonntag dir von Susanne

      • Faktoid said, on 17. November 2013 at 08:49

        Irre was? Ich hatte mal ein Pferd, ein großes starkes.
        Dafür einen Dürer? Aus heutiger Sicht undenkbar.

        Wie vollkommen grotesk, Bacon hin oder her, aber 100 Millionen und mehr für ein Bild?
        Ein Pferd, eine kleine Holzhütte als Lohn, freie Kost für ein Jahr, wieso nicht, aber Millionen?
        Wie grotesk.

        Schönen Sonntag!
        Oliver

        • Susanne Haun said, on 18. November 2013 at 07:08

          Guten Morgen, Oliver,
          es ist unglaublich, was Sammler für ein Werk ausgeben, um etwas zu besitzen, was kein anderer Mensch auf der Welt besitzt.
          Ich bin auch immer wieder erstaunt. Oft ist es ja so, dass der Künstler, selbst, wenn er noch lebt, von diesem Geld wenig sieht.
          Natürlich beruhigt ein Künstler das Geld für seine Arbeit, denn er/sie muß seine Miete zahlen und sich auch die Materialien für seine Kunst leisten können.
          Einen schönen Morgen sendet dir Susanne

  2. valentino said, on 16. November 2013 at 21:14

    Eine spannende Arbeitsweise und inspirierende Ergebnisse.

  3. atelierlz said, on 16. November 2013 at 21:26

    Ein toller Blick in deine Arbeitsweise. Sehr einnehmend. Spannend. Habe dank.

  4. saetzeundschaetze1 said, on 17. November 2013 at 07:30

    Hier ist der Ort, wo der Tot die Lebenden unterrichtet…was für ein tolles ZItat! Steht das über einer Pathologie? Darüber hinaus möchte ich mich den Vorrednern (Vorschreibern eigentlich, um genau zu sein) anschließen: Ich freue mich immer wieder, diese Beiträge zu lesen, in denen du von deiner Arbeit erzählst.

    • Susanne Haun said, on 17. November 2013 at 08:47

      Leider stand kein Zitathinweis dabei, Birgit, ich finde es schade, wieviele Worte in der Welt kursieren, ohne dass der Leser darüber aufgeklärt wird, wer sie gesprochen hat. Auch werden ja umgekehrt ohne Quelle viele Zitate genannt! Ich werde heute in meinem Zitat am Sonntag auf das Problem hinweisen. Ich habe ein ganzes Zitatebuch zur Kunst ohne eine einzige Quellenangabe. Kann der Leser so ein Buch überhaupt ernst nehmen?
      Einen schönen Sonntag wünscht dir Susanne

      • saetzeundschaetze1 said, on 17. November 2013 at 08:50

        Wenn es ein Buch ist, mit dem jemand Geld verdient hat (also der Verleger) finde ich das nicht in Ordnung – das ist dann einfach Plünderei. Andererseits: Die Worte sprechen auch für sich. Gerade jedoch, wenn es so starke Worte sind, wie die von dir zitierten, ist man einfach neugierig, wer dahinter steht. Freue mich auf Deinen Post zum Thema! Viele Grüße Birgit

        • Susanne Haun said, on 18. November 2013 at 07:09

          Ich bin auch immer neugierig, wo die Worte herkommen. Aus dem Kontext gerissen, erhalten sie sonst mitunter eine völlig andere Aussage.
          Ich wünsche dir einen schönen neuen Wochenbeginn…. Susanne

  5. Frau Blau said, on 17. November 2013 at 09:10

    ich finde dies eine wunderbare Verbindung, die zum Thema passt, einerseits der etwas unruhige Hintergrund und dann die strengen Linien selbst, so bekommt das Ganze Leben-

    ich lese Zurzeit: die Schopenhauer-Kur, von dem amerikanischen Psychoanalytiker Irvin D.Yalom, das Thema Vergänglichkeit ist das Hauptthema, ich habe schon oft beim lesen an dich und dein Projekt gedacht- der Satz, den du gefunden hast, ist sehr passend … ich berichte bald mehr, bin fast am Ende angekommen …

    herzliche Sonntagsgrüße
    Ulli

    • Susanne Haun said, on 18. November 2013 at 07:11

      Guten Morgen, liebe Ulli, da bin ich schon gespannt, was du uns berichten wirst, es hört sich sehr interessant an.
      Ich werde mich gleich weiter auf meine Radierung stürzen und das Abdecken der Flächen vorbereiten. Sie ist noch nicht fertig!
      Ich wünsche dir einen schönen Montagmorgen von Susanne

  6. Armin said, on 18. November 2013 at 07:29

    Anbei ein Link zu einer Arbeit aus meinem Blog; ich male & zeichne gelegentlich mit Ölfarben auf ungrundiertes Papier, was zur Folge hat, dass die Rückseite sich wie von Geisterhand gemalt, Geisterbilder zeigt.

    http://arminrohr.blogspot.de/2009/06/ruckseite.html

    Vergänglichkeit inbegriffen.

    • Susanne Haun said, on 19. November 2013 at 08:08

      Es ist genauso, wie du sagst, Armin, mir sprang das Geistige sofort ins Gesicht……..


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