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Ich zeichne, was ich NICHT sehe – disegno – Susanne Haun

Von meinem dritten belegten Seminar an der Uni habe ich noch nicht berichtet.
Es handelt von der Legende vom Künstler.

Ich zeichne, was ich nicht sehe (c) Foto von Susanne Haun

Es ist erstaunlich, wie sich die Viten der einzelnen Künstler durch die Jahrtausende ähneln und was heute noch davon in den Viten der aktuellen Künstler zu finden ist.

Auch in meiner Vita befindet sich ein Topos. Unter einem Topos ist ein Gemeinplatz, bzw. eine Redewendung zu verstehen.
Das Kuriose ist, dass dieser Topos in meiner Vita der Wahrheit entspricht, ich stamme aus einer traditionellen Kunstglaserfamilie. Mein Vater hat das Geschäft an seinen Sohn übergeben, eine klassische Situation, die heute immer seltener wird.

Ein beliebter Gemeinplatz ist auch, dass sich das Talent schon in der frühsten Jugend zeigt und der Künstler schon kaum, dass er einen Stift halten kann, die besten Zeichnungen fertigt. Diesen Topos finden wir in vielen, vielen aktuellen Viten … diese Zeilen beginnen so: „Schon als kleines Kind war die Kunst für mich bla bla bla bla bla ……“. Es wird auch „Kindheitswunder“ genannt, siehe hierzu auch von Ernst Kris und Otto Kurz „Die Legende vom Künstler“, Berlin 1995, Seite 58.
Ein weiterer Topos berichtet davon, dass Künstler die Natur täuschend echt darstellen können. Von Dürer wird berichtet, das er eine Spinne auf einem Bild von Michelangelo gemalt hätte, die für ein wirkliches Insekt gehalten wurde, ebenfalls bei Kris und Kurz nachzulesen (Seite 30).

Ich zeichne, was ich nicht sehe (c) Zeichnung von Susanne Haun

Und was der Künstler auch können sollte lt. der Legenden, das habe ich dann heute getan.

Ich habe gezeichnet, was ich nicht sehe. Das sieht immer etwas anders von meiner Handschrift aus als wenn ich zeichne, was ich sehe. Ihr kennt meine Zeichnungen aus einer Linie, die ich bei Beobachtungen in der bewegten Natur (Menschen und Tiere) und eben im unsichtbaren Bereich benutze.

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