Susanne Haun

Ich zeichne, was ich NICHT sehe – disegno – Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Stillleben, Zeichnung by Susanne Haun on 9. Januar 2014

Von meinem dritten belegten Seminar an der Uni habe ich noch nicht berichtet.
Es handelt von der Legende vom Künstler.

Ich zeichne, was ich nicht sehe (c) Foto von Susanne Haun

Ich zeichne, was ich nicht sehe (c) Foto von Susanne Haun

Es ist erstaunlich, wie sich die Viten der einzelnen Künstler durch die Jahrtausende ähneln und was heute noch davon in den Viten der aktuellen Künstler zu finden ist.

Auch in meiner Vita befindet sich ein Topos. Unter einem Topos ist ein Gemeinplatz, bzw. eine Redewendung zu verstehen.
Das Kuriose ist, dass dieser Topos in meiner Vita der Wahrheit entspricht, ich stamme aus einer traditionellen Kunstglaserfamilie. Mein Vater hat das Geschäft an seinen Sohn übergeben, eine klassische Situation, die heute immer seltener wird.

Ein beliebter Gemeinplatz ist auch, dass sich das Talent schon in der frühsten Jugend zeigt und der Künstler schon kaum, dass er einen Stift halten kann, die besten Zeichnungen fertigt. Diesen Topos finden wir in vielen, vielen aktuellen Viten … diese Zeilen beginnen so: „Schon als kleines Kind war die Kunst für mich bla bla bla bla bla ……“. Es wird auch „Kindheitswunder“ genannt, siehe hierzu auch von Ernst Kris und Otto Kurz „Die Legende vom Künstler“, Berlin 1995, Seite 58.
Ein weiterer Topos berichtet davon, dass Künstler die Natur täuschend echt darstellen können. Von Dürer wird berichtet, das er eine Spinne auf einem Bild von Michelangelo gemalt hätte, die für ein wirkliches Insekt gehalten wurde, ebenfalls bei Kris und Kurz nachzulesen (Seite 30).

Ich zeichne, was ich nicht sehe (c) Zeichnung von Susanne Haun

Ich zeichne, was ich nicht sehe (c) Zeichnung von Susanne Haun

Und was der Künstler auch können sollte lt. der Legenden, das habe ich dann heute getan.

Ich habe gezeichnet, was ich nicht sehe. Das sieht immer etwas anders von meiner Handschrift aus als wenn ich zeichne, was ich sehe. Ihr kennt meine Zeichnungen aus einer Linie, die ich bei Beobachtungen in der bewegten Natur (Menschen und Tiere) und eben im unsichtbaren Bereich benutze.

10 Antworten

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  1. Jens Scharpf said, on 9. Januar 2014 at 19:18

    Toll wie dir, die Verbindung gelungen ist Schraube, Kopf und Falter. LG. Jens

  2. entdeckeengland said, on 9. Januar 2014 at 21:36

    Der Unterschied ist erstaunlich, liebe Susanne, oder vielleicht auch nicht 🙂 Viele Grüße, Peggy

    • Susanne Haun said, on 10. Januar 2014 at 07:02

      Ich stelle im Kopf etwas um, wie eine Weiche, je nachdem, welches Ziel ich habe, beginne ich zu zeichnen. LG von Susanne

  3. Tracy Lee Karner said, on 10. Januar 2014 at 02:52

    Diese Zeichnungen sind fiktiv, voller Fantasie und Humor–wirklich super!

    • Susanne Haun said, on 10. Januar 2014 at 07:07

      Danke, Tracy, ich zeichne immer wieder zwischendurch diese Art von Zeichnungen. Sie lockern mich auf und helfen mir ein Thema freier zu bearbeiten.

  4. saetzeundschaetze1 said, on 10. Januar 2014 at 07:12

    Künstler sehen was, was Du nicht siehst (Du = ich). Oder: Ich zeichne, also sehe ich?

    • Susanne Haun said, on 10. Januar 2014 at 07:15

      Auf jeden Fall, Birgit, das Ingenium des Künstlers 🙂
      ….. ich sehe zeichnend!
      Danke für deine Worte, Birgit!

  5. Ulli said, on 10. Januar 2014 at 12:09

    was du zu Künstlerlegenden schreibst gefällt mir und ich denke sofort an Worthülsen … was wissen wir denn wirklich was ein Künstler/eine Künstlerin fühlt, denkt und wahrnimmt … über ihre Prozesse, es sei denn sie haben es selbst in Worte gefasst, alles andere ist nur Erahnung …

    ich fotografiere auch sehr gerne etwas, das andere nicht sehen und gerne stelle ich in meinen Collagen Zusammenhänge her, wo erst einmal keine sind, so sehe ich auch deine Bilder von der Schraube und dem Schmetterling, es ist am Betrachter, an der Betrachterin eigene Zusammenhänge zu finden … fein, dein neuer Zyklus!

    herzliche Grüße
    Ulli

    • Susanne Haun said, on 11. Januar 2014 at 07:17

      Mein Dozent in Bildkünste sagt sogar, dass die Worte, die der Künstler selber zu sich und seiner Arbeit sagt, einer Untersuchung bedarfen, weil gerade auch der heutige Künstler (aber auch die Künstler durch die Jahrtausende) nie objektiv über sich berichten können.
      Das Buch zur Künstlerlegende ist klasse, Ulli, so wie das ganze Seminar, was ich da besuche. Es dauert etwas, mich an die Texte zu gewöhnen, die im Original oft italienisch oder lateinisch sind….
      Ab April will ich Latein lernen. … ich dachte nie, dass ich das mal freiwillig machen würde, jetzt freue ich mich sogar darauf!
      Liebe Grüße für den Tag von Susanne


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