Susanne Haun

Das Hansaviertel in Berlin – Susanne Haun

Posted in Architektur, Foto by Susanne Haun on 5. Juli 2014

Als Urberlinerin kenne ich das Hansaviertel – es liegt im Tiergarten und ich bin keine 5 km entfernt aufgewachsen.
Es liegt so nahe an meinem zuhause, dass ich es schlichtweg übersehen habe. So war ich bei der dieswöchigen Architektur Exkursion überrascht, was das Hansaviertel bietet!

Hansaviertel Niemeyer - Haus - Ost - Nord (vorne) Ausrichtung(c) Foto von Susanne Haun

Hansaviertel Niemeyer – Haus – Ost – Nord (vorne) Ausrichtung(c) Foto von Susanne Haun

Das südliche Hansaviertel wurde 1953 geplant und, im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Interbau von 1957, in den Jahren von 1955 bis 1960 realisiert.

Das Gebiet besteht aus Punkt- und Scheibenhochhäusern, Zeilenbauten und Bungalows, die durchgrünt in lockerer Verteilung willkürlich in offener Bauweise gesetzt scheinen. Der Architekt Hans Scharoun erhielt 1946 vom Alliierten Kontrollrat den Auftrag, ein Konzept zur Neugestaltung Berlins zu entwickeln.

Scharoun entwickelte einen Kollektivplan, die Häuser sollten eine Stadtlandschaft dem Berliner Urstromtal folgend bilden. Die Architektur geht fliessend in den Tiergarten über. Scharoun grenzte seinen Entwurf klar vom Historismus des 19. Jahrhunderts ab. Das Hansaviertel gilt als Demonstrationsobjekt moderner Stadtplanung und Architektur jener Zeit, der klassischen Moderne oder Nachkriegsmoderne.
Es wurde ein Wettbewerb für die Bebauung ausgeschrieben und 1/3 West-Berliner, 1/3 West-Deutsche und 1/3 internationale Architekten ausgewählt.

Hansaviertel Niemeyer - Haus - Ausrichtung Süden (c) Foto von Susanne Haun

Hansaviertel Niemeyer – Haus – Ausrichtung Süden (c) Foto von Susanne Haun

Wir schauten uns gezielt das vom Brasilianer Oscar Niemeyer entworfene Scheibenhochhaus an. Niemeyer war auch der Architekt der öffentlichen Gebäude von Brasilia.

Niemeyer lernte bei Le Corbusier. Interessant finde ich, dass Le Corbusier, Mies van der Rohe und Gropius alle bei Behrens in der Lehre waren. Ist Behrens der Urvater der modernen Architektur?

Wenn der Betrachter nicht genau hinschaut, kann das Gebäude schnell den Eindruck eines Plattenbaus hinterlassen. Aber wenn man genau hinschaut, dann sieht man, dass die Fassade als Bild zu verstehen ist. Die Funktion des Gebäudes wird nach außen getragen. 5 Stockwerke sind in Loggien unterteilt.

V-förmige Piloti halten jeweils eine Schotte des Gebäudes. Durch die Piloti wird der Boden unter dem Gebäude nicht versiegelt.

Hansaviertel Niemeyer - Haus - Ausrichtung Westen (c) Foto von Susanne Haun

Hansaviertel Niemeyer – Haus – Ausrichtung Westen (c) Foto von Susanne Haun

Der Beton wurde Vorort gegossen und durch die dabei verwendeten Holzverschalungen, erhielt der Beton eine Maserung. Das letzte Stockwerk ist der Deckel des Gebäudes, der die Stabilität gibt und außerdem Dachfläche zur Nutzung bietet. Das Gebäude zeigt noch 60 Jahre nach dem Bau seine Konstruktion.

Das Licht scheint Morgens in die Schlafräume (Westen) und Nachmittags in die Küche. Die Nord- und Südseite besitzt keine Fenster – so kann das Gebäude im Sommer nicht aufgeheizt werden und im Winter nicht auskühlen.

Moderne Architektur kann mit Gesamtform (Volumina), Höhen- und Tiefenstaffelung, Material, Farbe und Tragen- und Lastenelemente
beschrieben werden.

Nach dem Niemeyer Haus schauten wir uns die Bungalows und die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche an. Es lohnt sich, einmal mit offenen Augen durch das Hansaviertel zu laufen.

11 Responses

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  1. AugenZeugeKunst said, on 5. Juli 2014 at 17:19

    Liebe Susanne, besten Dank für diesen informativen Beitrag. Was Berlin doch alles zu bieten hat! Aber bei aller Liebe zur modernen Architektur, ich liebe meinen Altbau 😉
    Liebe Grüße von Anna

    • Susanne Haun said, on 6. Juli 2014 at 07:10

      Liebe Anna, ja das geht mir auch so … ich möchte meine Wohnung gegen keine Wohnung im Hansaviertel tauschen. Aber sie sind wohl sehr beliebt die Wohnungen der großen Architekten.
      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag von Susanne

  2. Stefan said, on 5. Juli 2014 at 20:45

    Liebe Susanne,
    Peter Behrens, gebürtiger Hamburger, war eigentlich Maler und gilt meiner Erinnerung nach als Begründer des Corporate Design. Als Industriedesigner hat er für die AEG vor 100 Jahren vom Briefpapier bis zu den Produkten alles einheitlich gestaltet. Ich finde solche Architekturexkursionen immer wieder spannend und interessant. Man lernt, wie Du richtig schreibst, neue Seiten seiner Stadt kennen und macht manche Entdeckung.
    Liebe Grüße
    Stefan

  3. Susanne Haun said, on 6. Juli 2014 at 07:14

    Guten Morgen, lieber Stefan,
    ja, das war Behrens auch, der Begründer des Corporate Design. Er entward das AEG Turbinenwerg in der Huttenstr., Berlin. Ein wahrer Industrietempel! Das Stahlsklett des Werks ist außen sichtbar und die Gelenkpunkte stehen auf einem kleinen Podest fast wie Säulen eines klassischen Tempels. Vorne im Giebel ist das Logo (damas gab es diesen Begriffe noch nicht) der AEG angebracht. Im Tempel hätten wir im Tympanon eine Inschrift oder den Gott des Tempels.
    Ich mag diese Exkursion von meinem Architekturgrundkurs sehr. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Architekturseminar mir soviel Freude bereitet.
    Liebe Grüße von Susanne

  4. kunstblock said, on 6. Juli 2014 at 08:00

    Niemeyer ist wirklich einer der besten Architekten der Neuzeit…

    • Susanne Haun said, on 8. Juli 2014 at 07:07

      Ich mag seine Architektur auch, Kunstblock. Aus der Bücherei habe ich ein Hörbuch mit verschiedenen Interviews von ihm geliehen. Es ist sehr interessant, 105 Jahre ist er alt geworden.

  5. chschlesinger said, on 6. Juli 2014 at 11:48

    …aber wer ist auf die Idee gekommen, da Bäume vor die Fenster wachsen zu lassen? Ein Stadtplaner sollte den Menschen vor allem eines schenken: Aussicht!

    • Susanne Haun said, on 8. Juli 2014 at 07:10

      Das haben wir uns auch gefragt. Ich glaube, bei der Hufeisensiedlung von Taut in Berlin Neukölln hat der Bezirk die großen Bäume gefällt und kleinere gepflanzt oder sie sehr arg beschnitten, damit der Originalzustand hergestellt ist und die Siedlung Weltkulturerbe werden kann.

  6. anette said, on 6. Juli 2014 at 12:24

    Interessanter Einblick, Susanne. Zugegeben, für die moderne Architektur kann ich mich nicht wirklich begeistern, speziell wenn es dabei um „Hausblöcke“ geht, aber diese aus verschiedenen Blickwinkeln und den geschichtlichen Aspekt zu betrachten, ist sicher interessant. Ich wünsche dir weiterhin viel Freude bei den Exkursionen.

    LG, Anette

    • Susanne Haun said, on 8. Juli 2014 at 07:12

      Liebe Anett,
      ich hatte immer einen negativen Eindruck, wenn ich am Hansaviertel war. Das hat sich jetzt geändert – wohnen möchte ich dort trotzdem nicht. Vor allem hätte ich nicht gedacht, dass Architekturgeschichte mir soviel Spaß machen könnte.
      LG von Susanne

  7. […] Über die architektonischen Besonderheiten des Hansaviertel berichtete ich bereits hier. […]


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