Schon im April hat das neue Semester begonnen und ich besuche seither das Seminar „Kunst und Skandal“. Es ist ein Seminar, was an der udk stattfindet und zur Hälfte aus Studierende der Kunst und zur anderen Hälfte aus Studierende der Kunsthistorik belegt wurde. Ich sehr interessante Mischung.
Die vierte Sitzung hat die Die Skandalförmigkeit der Kunst als Thema und wir bereiten uns mit dem Text „Die Erfindung der Kreativität“ von Andreas Reckwitz auf die Stunde vor. Ein nicht einfach zu lesender aber dafür sehr interessanter Text.
Ich verstehe Reckwitz so, dass das Publikum bestimmt, welche Werke originell und relevant sind. Dabei tritt das Werk immer mehr hinter dem Künstler zurück. Wenn bedacht wird, dass nur der Produzent (der Künstler) zur Einschätzung des Werks kompetent ist, ist es Paradox, dass das Publikum, das der Beurteilung nicht gewachsen ist, weil es die Werke dem guten Geschmack unterwirft, den Wert desselben bestimmt. Dem Künstler wird die Kompetenz abgesprochen, selbst zu urteilen. Durch Kunstkritiker und Bildungsinstitutionen erfolgt die soziale Regulierung des Geschmacks. Das Genie wird durch den Enthusiasmus des Publikums zum Genie. Irrt das Publikum ist ein verkanntes Genie geboren. Infolge der Genieästhetik erfolgt eine inflationäre Selbstdefinition als Künstler, die vom Publikum als illegitim bestritten werden kann. Künstler nutzen diesen Tatbestand, um eine geniale Leistung durch Ablehnung des Publikums zu verifizieren. Diese Ablehnung erfolgt in der Regel durch einen Skandal.
In der Genieästhetik wird der Künstler als individueller, nicht austauschbarer Schöpfer verstanden, dessen Psyche außeralltägliche Eigenschaften besitzt, aus denen Erfindungen nicht nur in der Kunst sondern auch in der Wissenschaft hervorgehen können. Die auf Inventionen beruhenden Berufe stehen nicht jedem offen.
Was haltet ihr davon? Und was provoziert heute noch in der Kunst? Was bedeutet das für den Künstler?
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Reckwitz, Andreas. Die Erfindung der Kreativität, Berlin 2012, S.60 – 74.
