Als ich das erste Mal Gerdas Collagen (siehe hier) im Netz betrachtete, tat ich mich etwas schwer damit. Erst die konstante Beschäftigung mit ihrer Legekunst und die Gespräche mit ihr im Netz und in Athen brachten mich ihrer Arbeitsweise immer näher.
Es erfordert Mut, die eigenen Arbeiten zu zerschneiden und Neues daraus zu schaffen. Es ist dabei egal, wie alt die Arbeiten sind, das eigene Ich steckt in jedem der zerschnittenen Schnipsel. Gerda legt die Collagen (siehe hier ein Beispiel) aus ihren eigenen Schnipseln, fotografiert und blogt sie und nimmt die Schnipsel wieder zusammen. Das Werk ist nur flüchtig, es vervollständigt sich durch ihre Texte im Internet zur jeweiligen Collage.
Vor einigen Wochen wurde ihr Atelier überschwemmt, das Wasser zerstörte ihre sorgsam aufbewarten Arbeiten und Schnipsel (siehe hier). Ich bin froh, dass Gerda ihre Arbeit so gut im Blog dokumentiert hat.
Während unsere Gespräche fragte ich sie, ob ich ihr von mir Schnipsel senden könne. Sie schaute mich in ihrer eigenen lächelnden Art an und meinte, sie hätte noch nie mit fremden Schnipseln gearbeitet, könne es aber probieren.
So holte ich aus meinem Lager mehrere Arbeiten von 2006. Wie ich zu dieser Auswahl kam? Die Mappe 2006 war einfach die erste, die ich griff, also purer Zufall. Ich stellte fest, dass die Arbeiten, die ich als schlecht ansah auch nichts zum Zerschneiden für Schnipsel waren. Ich zerriss sie und warf sie weg. Fünf weitere Arbeiten empfand ich als gut, sie werden wieder in die Mappe 2006 wandern. Dann gab es eine Zeichnung, da störte mich die untere Hälfte, die Proportionen bereiteten mir ein unangenehmes Gefühl. Jedoch mag ich die Farben und Linien. „Perfekt!“, dachte ich, genau diese Arbeit ist richtig, um Schnipsel zu schneiden.
Das Schneiden war eine völlig neue Erfahrung für mich. Ich habe festgestellt, dass ich manche Linien nicht zerschneiden konnte, so musste ich mit der Schere mit den Linien gehen. Oft entschied ich auch, innerhalb bestimmter Farbschemen zu schneiden. Die Formen entstanden so aus meiner Zeichnung. Und plötzlich war Schluß. Den oberen Teil der Arbeit konnte und wollte ich nicht mehr zerschneiden. Ich werde ihn ebenso in die Mappe von 2006 zurücklegen. Außerdem habe ich entschieden, zu den fünf weiteren Arbeiten, die ich aus der Mappe geholt habe Zitate zu suchen. Im Gegensatz zu sonst werden erst Bilder und dann Worte folgen. Ich bin gespannt, wie das auf mich wirkt.
Als nächstes werde ich mit den Schnipseln eine Collage legen, sie dann verpacken und Gerda senden. Ich bin sehr neugierig, was Gerda aus den Schnipseln legen wird, zu welchen Texten sie sie inspirieren. Erst wenn auch Gerdas Collage fertig ist, werde ich meine Collage zeigen, damit sie frei von meinen Gedanken arbeiten kann.
