Collage · Schnitt- / Legearbeiten · Zeichnung

Wandeln auf Gerda Kazakous Spuren – Collage von Susanne Haun

 

Als ich das erste Mal Gerdas Collagen (siehe hier) im Netz betrachtete, tat ich mich etwas schwer damit. Erst die konstante Beschäftigung mit ihrer Legekunst und die Gespräche mit ihr im Netz und in Athen brachten mich ihrer Arbeitsweise immer näher.

 

Schnipsel aus der unteren Hälfte von Versunken - Acryl und Tusche auf Aquarellkarton - Originalgröße 70 x 50 cm - 2006 - Foto von Susanne Haun
Schnipsel aus der unteren Hälfte von Versunken – Acryl und Tusche auf Aquarellkarton – Originalgröße 70 x 50 cm – 2006 – Foto von Susanne Haun

 

Es erfordert Mut, die eigenen Arbeiten zu zerschneiden und Neues daraus zu schaffen. Es ist dabei egal, wie alt die Arbeiten sind, das eigene Ich steckt in jedem der zerschnittenen Schnipsel. Gerda legt die Collagen (siehe hier ein Beispiel) aus ihren eigenen Schnipseln, fotografiert und blogt sie und nimmt die Schnipsel wieder zusammen. Das Werk ist nur flüchtig, es vervollständigt sich durch ihre Texte im Internet zur jeweiligen Collage.

Vor einigen Wochen wurde ihr Atelier überschwemmt, das Wasser zerstörte ihre sorgsam aufbewarten Arbeiten und Schnipsel (siehe hier). Ich bin froh, dass Gerda ihre Arbeit so gut im Blog dokumentiert hat.

Während unsere Gespräche fragte ich sie, ob ich ihr von mir Schnipsel senden könne. Sie schaute mich in ihrer eigenen lächelnden Art an und meinte, sie hätte noch nie mit fremden Schnipseln gearbeitet, könne es aber probieren.

So holte ich aus meinem Lager mehrere Arbeiten von 2006. Wie ich zu dieser Auswahl kam? Die Mappe 2006 war einfach die erste, die ich griff, also purer Zufall. Ich stellte fest, dass die Arbeiten, die ich als schlecht ansah auch nichts zum Zerschneiden für Schnipsel waren. Ich zerriss sie und warf sie weg. Fünf weitere Arbeiten empfand ich als gut, sie werden wieder in die Mappe 2006 wandern. Dann gab es eine Zeichnung, da störte mich die untere Hälfte, die Proportionen bereiteten mir ein unangenehmes Gefühl. Jedoch mag ich die Farben und Linien. „Perfekt!“, dachte ich, genau diese Arbeit ist richtig, um Schnipsel zu schneiden.

Das Schneiden war eine völlig neue Erfahrung für mich. Ich habe festgestellt, dass ich manche Linien nicht zerschneiden konnte, so musste ich mit der Schere mit den Linien gehen. Oft entschied ich auch, innerhalb bestimmter Farbschemen zu schneiden. Die Formen entstanden so aus meiner Zeichnung. Und plötzlich war Schluß. Den oberen Teil der Arbeit konnte und wollte ich nicht mehr zerschneiden. Ich werde ihn ebenso in die Mappe von 2006 zurücklegen. Außerdem habe ich entschieden, zu den fünf weiteren Arbeiten, die ich aus der Mappe geholt habe Zitate zu suchen. Im Gegensatz zu sonst werden erst Bilder und dann Worte folgen. Ich bin gespannt, wie das auf mich wirkt.

Als nächstes werde ich mit den Schnipseln eine Collage legen, sie dann verpacken und Gerda senden. Ich bin sehr neugierig, was Gerda aus den Schnipseln legen wird, zu welchen Texten sie sie inspirieren. Erst wenn auch Gerdas Collage fertig ist, werde ich meine Collage zeigen, damit sie frei von meinen Gedanken arbeiten kann.

 

 

22 Kommentare zu „Wandeln auf Gerda Kazakous Spuren – Collage von Susanne Haun

  1. Liebe Susanne, ich freu mich so auf deine Schnipsel! Sie wirken sonnig und heiter, grand recht für Weihnachten. Und die Formen sind so ganz anders als bei mir, strikt geometrisch, scheint mir, obgleich die Arbeit, aus der du sie genommen hast, weich und fließend wirkt. Ich bin gespannt, was sie mit mir machen, wenn ich sie in Händen halte. Mach dich drauf gefasst, dass nicht nur eine Legearbeit zustande kommt. Sei von Herzen gegrüßt, du tapferes Zerschneiderlein! Gerda

    1. Liebe Gerda, ich bin schon sehr gespannt, was du aus den Schnipseln legst. Micha hat meine Legearbeit fotografiert und ich werde sie erst ganz zum Schluss zeigen, wenn du schreibst, jetzt ist es genug mit den Schnipseln.
      Ja, die Arbeit ist sehr fliessend gewesen. Sie ist aus der selben Lebenssituation entstanden wie die große Leinwand, die ich vor einiger Zeit bloggte.
      Ganz viele liebe Grüße sendet dir Susanne 🙂

        1. Ich bin gespannt, wann die Schnipsel dich erreichen. Es ist ein A4 Kuvert mit Pappe hinten, damit sie nicht knicken, und damit die Schnipsel nicht nass werden, habe ich sie in eine Frischhaltetüte gesteckt.
          Ich freue mich schon auf deine Bilder.
          Heute wollen Micha und ich zum Weihnachtsmarkt im Lokschuppen Südgelände. Ich mag das Südgelände, es war mal das Ausbesserungswerk und Rangierwerk der Bahn. Heute wachsen Birken zwischen den Schienen, der Wasserturm glänz rostigrot in der Sonne und es macht Spaß auf dem Gelände zu laufen. Zur Zeit kostet der Spaß nur 1 Euro Eintritt aber es soll teurer werden.
          Schau mal, ich habe schon einmal 2014 darüber gebloggt, zum Jahresende.
          https://susannehaun.com/2014/12/31/alle-jahre-wieder-zeichnung-von-susanne-haun/
          Liebe Grüße an euch beiden von Susanne und Micha

  2. Herrlich! Ich bin auch sehr gespannt. Ein interessanter Weg! Ich bin auch wieder beeindruckt, wie Du es schaffst, uns an Deinem Weg hautnah teilhaben zu lassen. danke.

    1. Gerne, Doreen, ich bin mit Gedanken auch sehr bei unserem Projekt zum Salon. Ich denke, ich habe bald alle Fotos zusammen, gestern ist das bestellte 30 x 40 cm Papier gekommen.
      Lg von Susanne

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