Der Balanceakt zwischen fertig und nicht fertig und groß und klein erzählt viele Geschichten.
Für die Ausstellung „Dämone“ in der Irischen Botschaft Berlin habe ich 40 Arbeiten in der Größe 17 x 22 cm zur Poesie von Diarmud Johnson gezeichnet. Dieses Blatt maß erfordert ein detailliertes, sorgfältiges Arbeiten. Ein kleiner Fehler bedeutet, ein neues Blatt zu nehmen und von vorne zu beginnen.
Ganz anders ist es bei den Leinwänden zwischen 80 x 60 cm und 100 x 70 cm. Dort muss ich schnell, gezielt und mit viel Bewegung arbeiten, damit die Leinwände so expressiv wie ich es möchte in Erscheinung treten.
Ich habe gehört, dass Gerhard Richter zu seinen Schülern sagte, dass sie groß malen sollen, damit er ihre Fehler sieht. Leider habe ich kein entsprechenden Literaturhinweis dazu gefunden.
Eine Leinwand braucht Substanz und trotzdem darf ich sie nicht „totmalen“. Nach der ersten Anlage schaue ich oft Tage auf das Bild, um zu entscheiden, ob es fertig ist oder nicht. Manchmal grundiere ich eine Leinwand neu, manchmal ist sie fertig und manchmal bedarf es nur weniger Linien bis sie fertig ist.
In den letzen 5 Jahren habe ich mich ganz auf Papierarbeiten konzentriert. Erst im letzten Vierteljahr 2012 habe ich begonnen, meine Leinwände aus dem Lager zu holen und zu übermalen. Bevor ich neue Gemälde auf die Alten setze, grundiere ich das Gewebe mit Gesso. Linien und Farben verschwinden fast vollständig unter dem Weiß. Es ist trotzdem ein Unterschied zwischen neuen, fertig grundierten und den übermalt grundierten. Die übermalten haben schon ein eigenes verborgenes Charisma.
Gesso ist italienisch und bedeutet Kreide. Ich mag es am liebsten, wenn ich meine Leinwände selbst bespanne, mit Hasenleim schließe und dann mit Gesso grundiere. Schon die Vorbereitung bis die Leinwand für die Arbeit fertig ist, stimmt mich mental auf mein Bild ein und ich mag die traditionelle Art der Grundierung, sie hat nichts mit den glatten Industrieleinwänden gemein.
Natürlich übermale ich nicht alle Arbeiten der vergangenen Jahre. Wer selber auf Leinwänden malt, kennt allerdings das Problem der Lagerung. Viele Arbeiten habe ich abgespannt und bewahre sie gerollt auf. Besonders meine großen Arbeiten der Größen 200 x 150 cm bis 400 x 280 cm. Die ersten Leinwandarbeiten von mir sind von 1999. Davor habe ich wie heute nur auf Papier gearbeitet. Die ältesten Arbeiten von mir sind Kohlezeichnungen, die ich im Alter von 12 Jahren fertigte und die bei meinen Eltern im Haus hängen.
Den Dämon vom Silvestertag habe ich nicht mehr verändert (siehe hier).
Den von Dämonen geplagten Schlafenden schaue ich noch an und überlege, in welcher der oben genannten Kategorien ich ihn stecke.
Was ich mit dem Herz von vorgestern mache, das weiß ich noch nicht. Ich habe mich noch nicht entschieden und deshalb auch die letzen zwei Tage an dem Schlafenden gearbeitet.
For my English-speaking readers:
The balancing act between finished and unfinished, and large and small tells many stories.
For the exhibition „demons“ in the Irish Embassy in Berlin I have 40 works drawn in the size 17 x 22 cm for the poetry of Diarmud Johnson. This size of paper requires a detailed and careful work. A small mistake means taking over a new leaf and start over.
It is very different from the screens between 80 x 60 and 100 x 70 cm. There I must quickly work efficiently and with a lot of movement, so that the canvases expressive as I would like to appear.
I’ve heard that Gerhard Richter had told his disciples that they should paint big, so he can see their mistakes. Unfortunately I found no reference to relevant literature.
