Susanne Haun

Der neue Künstlertyp – was zeichnet heute den Künstler aus? – Susanne Haun

Posted in Portraitmalerei, Selbstbildnisse, Was es sonst so gibt!, Zeichnung by Susanne Haun on 3. September 2016

 

Weihnachten bekam ich ein Jahresabo des art magazines (siehe hier) geschenkt.

 

Selbst - Streifend - Zeichnung von Susanne Haun - 25 x 25 cm - Tusche auf Bütten

Selbst – Streifend – Zeichnung von Susanne Haun – 25 x 25 cm – Tusche auf Bütten

 

Ich schaffe es nicht immer, das Heft sofort zu lesen. So habe ich erst heute die Folie vom neuen September Heft aufgerissen. Grundsätzlich lese ich immer zuerst das Editorial. Es ist für mich wie die Einleitung einer Hausarbeit, die mich auf den kommenden Text, in dem Fall die vorliegende Ausgabe des art magazine, vorbereitet.

Dieses mal habe ich nach dem Editorial  gleich zum Artikel Fitte Künstler Saufen und Rauchen war gestern  von Kolja Reichert vorgeblättert.

Was zeichnet heute den Künstler aus? ist eine der Fragen, die Reichert im Artikel stellt. Unter anderem schreibt Reichert, dass das Modell für den Künstler heute „der Start-up-Gründer, der originelle Nerd, der mit disruptiven Innovationen seinen Investoren das rare, wertvolle Angebot macht (…).“².

Ganz ernst meint das Reichert sicher nicht, aber es liegt trotzdem viel Wahrheit in den Worten.

Ersteinmal habe ich das  Wort disruptive betrachtet. Im Duden ist unter  disruptive (englisch) „störend, zerstörerisch, zu: to disrupt = stören, unterbrechen < lateinisch disruptum, 2. Partizip von: di(s)rumpere= zerreißen“  zu finden.

Ich bin das alles, was Reichert schreibt, ich vermarkte mich selber, kontakte, organisiere Ausstellungen, spreche Sammler an, versuche Sponsoren zu finden usw. Ich mache faktisch zwei Dinge gleichzeitig: ich bin Künstlerin und meine eigene Galeristin.

Habe ich mir das so vorgestellt, als ich mich für das Künstlerinnendasein entschied?

Ich kann mit einem entschiedenen „JEIN“ antworten.  Ich möchte eigentlich nur zeichnen, gerne in Ruhe und Ausgeglichenheit ein Thema erforschen und festhalten. Ich habe das Gefühl, da kommen im Moment immer wieder dringende Vermarktungsarbeiten dazwischen. Das gefällt mir nicht. Ich wünsche mir also wieder einmal eine gute Galerievertretung. Dafür muss ich jedoch ersteinmal bewerbungstechnisch tätig werden und das macht viel Arbeit, die mir dann wiederum beim Zeichnen fehlt. Nein – keine Ausrede, ich bin dran und war gestern gerade erst bei einem Gespräch in einer Galerie…..

Vorerst werde ich die Prioritäten ein bißchen von hier nach dort verschieben und wie durch Zaubershand wird am Ende mehr Zeit zum Zeichnen übrig bleiben.

 

Selbst im Kosmos (c) Zeichnung von Susanne Haun

Selbst im Kosmos (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

________________________

² Reichert, Kolja. Fitte Künstler Saufen und Rauchen war gestern, in: art magazine, Hamburg September 2016, S. 38 – 41.

17 Antworten

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  1. Ulli said, on 3. September 2016 at 20:43

    Liebe Susanne, genau daran scheitere ich, ich kann bislang nicht mich um meine Vermarktung kümmern, einen Wandel erspreche ich mir vom Umzug, zumindest arbeite ich daran.
    Ich staune oft wie und was du alles wuppst, ja, ich wünsche dir noch viel mehr Zeit zum Zeichnen, eine Galerie, die dich vertritt …
    herzliche Abendgrüsse
    Ulli

    • Ulli said, on 3. September 2016 at 20:44

      sorry, es muss heissen: bislang kann ich mich immer noch nicht um meine Vermarktung kümmern …

    • Susanne Haun said, on 5. September 2016 at 06:19

      Danke, liebe Ulli. Es ist viel aber es macht mir auch Spaß. Ich verschiebe gerade Zeit in die Zeichnung und werde zum Beispiel Twitter und Facebook noch weniger Zeit als bisher zugestehen. Es ist mir zu wage und zu polemisch. Dafür werde ich auch meine Homepage updaten. http://www.susannehaun.de Sie kann es vertragen. 🙂
      Auch dir herzliche Abendgrüße – du ziehst um? Weit entfernt? Das habe ich bestimmt in deinem Blog überlesen?
      Liebe Grüße Susanne

      • Ulli said, on 5. September 2016 at 08:46

        Ich möchte meinen Traum wahr machen und ins Wendland ziehen, in einer Woche fahre ich hin, um weitere Weichen zu stellen, aber es wird wohl noch eine Weile Pendelei heißen, da ja mein Liebster und meine Familie hier bleiben … es ist und bleibt spannend!
        liebe Grüße
        Ulli

        • Susanne Haun said, on 7. September 2016 at 07:14

          Wird deine Familie nachkommen? Zumindestens dein Liebster? Ich wünsche dir einen schönen guten Morgen, liebe Ulli, Grüße von Susanne

          • Ulli said, on 7. September 2016 at 07:32

            Liebe Susanne, das gilt es alles abzuwarten, der Liebste weiß Zurzeit gar nicht was er will und meint er muss sich ganz neu sortieren, sodass wir erst einmal (wieder) eine Fernbeziehung haben werden- meine Tochter würde ja gerne, aber ihr Mann nicht so- deswegen meine ich ja, dass ich noch lange hin und her pendeln werde … das ist der Wermutstropfen …
            herzliche Morgengrüße an dich
            Ulli

            • Susanne Haun said, on 7. September 2016 at 07:35

              Liebe Ulli, auch beim Pendeln wirst du völlig neue Erfahrungen machen, die dich sicher inspirieren und es ist immer gut Träume rechtzeitig zu erfüllen – ehe es zu spät ist!
              Liebe Grüße von Susanne

              • Ulli said, on 7. September 2016 at 07:38

                ja genau darum geht es, zumal ich mir schlichtweg nicht vorstellen kann auf dem einsamen Berg alt zu werden, da habe ich, wenn ich hinspüre, nur dunkle Bilder, aber ich will ja die Freude und das Helle nähren, das Dunkle kommt eh, wenn es muss …
                herzlichst

                Ulli

                • Susanne Haun said, on 7. September 2016 at 08:06

                  Ja, da hast du recht, ich geniesse die Zeit, wo ich mir das Dunkle für mich noch nicht vorstellen kann. Ich sehe es jedoch bei meiner Mutter und denke immer „nein – nein – nein“ und versuche noch gesünder zu essen und nicht die tägliche Gymnastik zu verdrängen.

  2. Sabine Oetjen said, on 4. September 2016 at 06:48

    Guten Morgen liebe Susanne,
    ich kann mich ein bischen in Dich hinein fühlen. Vermarktung ist ein schweres Geschäft und wenn man es selbst betreiben muß sehr zeitaufwändig. Eine gute Galerie zu finden, auch in einer so großen Stadt wie Berlin, stelle ich mir nicht leicht vor.
    Ich bin mir aber sehr sicher das Du auch diese Klippe erfolgreich umschiffen wirst und dann wieder mehr Zeit für Deine Leidenschaft hast.
    Was mich persönlich aber sehr interessieren würde wäre Dein Vorgehen bezüglich dem finden einer Galerie.
    Du schreibst Bewerbungen konnte ich Deinem Text entnehmen und dann? Abschicken und warten was passiert oder selbst vorbei bringen?
    LG Bine

    • Susanne Haun said, on 5. September 2016 at 06:22

      Liebe Bine,
      Beharrlichkeit ist das wichtigste. Auf 100 Bewerbungen bekommst du vielleicht 1 Gespräch. Eigentlich wollen die Galeristinnen dich entdecken. Nach dem Absenden der Bewerbung rufe ich grundsätzlich in der Galerie an, ob sie meine Bewerbung erhalten haben. Auf keinen Fall selber vorbeigehen, immer einen Termin vereinbaren. Stell dir vor, du bist als Galeristin am Arbeiten und vor deiner Tür stehen 10 Künstlerinnen mit Mappen – du kommst ja zu gar nichts mehr. Und Galeristinnen müssen viel Arbeiten …
      LG Susanne

  3. gkazakou said, on 4. September 2016 at 11:16

    Dieses Thema ist leider immer virulent. Es lässt sich noch erweitern: arbeite ich für den Markt, für eine Galerie, für den Geschmack der potentiellen Käufer? Mache ich Kompromisse, und wenn nein, wie erhalte ich mich am Leben? Es gibt natürlich patente Lösungen: Grad gestern traf ich einen jungen griechischen Künstler (er wurde in Berlin geboren u lebt auch dort). Der Vater und der Großvater sind angesehene erfolgreiche Künstler. Sie haben Frauen, die sich vom Kochen über die Kindererziehung bis zum Vermarkten um alles kümmern. Ob der Junge wohl eine vergleichbare Lösung sucht u findet? – Das beste ist natürlich, ein reiches Elternhaus zu haben oder reich zu heiraten. Dann stehen deine Chancen, als Künstler deinen Weg zu machen, recht gut.
    Verzeih die ein wenig sarkastisch eingefärbten Sonntagsgrüsse! Gerda

    • Susanne Haun said, on 5. September 2016 at 06:27

      Liebe Gerda, nein – auf keinen Fall für den Markt arbeiten, denn kennst du den Geschmack der potentiellen Käuferinnen? Die Bilder, die dir selber am meisten am Herzen liegen, die werden auch am ehesten verkauft. So ist jedenfalls meine Erfahrung. Die Kundin spürt dein Herzblut.
      Es ist nicht schlimm, dass du sarkastisch bist, Gerda. Es gibt immer noch viele Frauen, die sich für ihre Männer aufopfern. Es wird weniger und ich hoffe, in den kommenden Generationen wird es noch weniger. Dein junger griechischer Künstlerfreund wird größere Probleme haben eine entsprechende Frau zu finden als noch sein Vater und Großvater. Und ist es dann die große Liebe oder nur eine Zweckheirat, die in viele Affären endet…..
      Ich wünsche dir eine schönen Wochenbeginn, lg Susanne

  4. Sabine Oetjen said, on 5. September 2016 at 07:44

    Guten Morgen liebe Susanne,
    ganz herzlichen Dank für Deine Rückmeldung. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg.
    Liebe Grüße Bine

  5. entdeckeengland said, on 6. September 2016 at 13:46

    Ach ja, die Zauberhand! Kannst Du sie mir bitte ausleihen, wenn Du mit ihr fertig bist ;-)? Ganz im Ernst, liebe Susanne, ich finde es enorm wichtig, ob als Künstlerin oder auch anderweitig Freischaffende, die eigenen Prioritäten ständig zu hinterfragen und neue Wege auszuprobieren. Und dafür benötigt man in der Tat Zeit. Ich versuche mich auch gerade darin, mir jede Woche einige Stunden freizuhalten, um nicht nur im Hamsterrad vor mir herzuwursteln, sondern auch mal in andere Richtungen zu schauen. Ich bin davon überzeugt, dass das sogar eine wichtige Quelle für die Kreativität ist. Liebe Grüße, Peggy

    • Susanne Haun said, on 7. September 2016 at 07:27

      Klar, Peggy, ich sende dir die Zauberhand durch das Netz. Ich denke auch, dass freie Stunden außerhalb des Hamsterrads die Kreativität fördern. Wir haben uns für unseren Balkon einen kleinen Tisch, zwei Stühle und einen Sonnenschirm angeschafft. Wir geniessen Nachmittags bei einem großen Milchkaffee die Herbstsonne und ich kann den Kirchturm der neuen Nazarethkirche sehen. Neu, weil sie nach der ursprünglichen Schinkel-Nazarethkirche gebaut wurde, die als Vorstadtkirche rasch zu klein wurde. Der Balkon ist offen, nur mit einem Gitter, durch das unser Blick frei ist, können wir auch aus dem 4. Stock die Straße beobachten und Teil des Lebens auf der Straße sein.
      Liebe Grüße sendet dir Susanne

  6. Roland Wegerer said, on 22. September 2016 at 07:55

    Hat dies auf ART and REsearch rebloggt.


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