Susanne Haun

Die Stämme der Hereros und Himbas

Posted in Namibia, Reiseberichte, Südliches Afrika by Susanne Haun on 9. Mai 2018

 

Den schwierigsten und nachdenklichsten Tag der Reise verbrachten wir bei den Himba und Herero Frauen.

Es ist erst gut 100 Jahre her, als die deutsche Kolonialmacht graumsamsten Mord an diese beiden Völkern beging (siehe hier einen aktuellen Spiegelartikel vom 5.4.2018 dazu).

Von einem Sohn des Stammes, der als Reiseleiter fungierte, sind wir zum Dorf des Stammes gebracht worden. Dort warteten sitzend im Kreis barbusig die Frauen der Himbas mit ihren Kindern. Ich kam mir noch nie so deplatziert vor, wie in diesem Augenblick des Ankommens. Schon alleine, dass wir den sitzenden Frauen stehend von oben schauend begegneten. Sie können ruhig fotografieren, sagte der Reiseleiter. Wir fotografierten nicht. Ganz im Gegenteil zu einer anderen Gruppe, die im klimatisierten Auto anreisten. Ich schämte mich fremd für die großen Objektive an den Fotoapparaten, die sich auf die Frauen richteten.

Der Reiseleiter war einer der Kinder des Dorfes, der zur Grundschule gehen durfte. Die Eltern entscheiden, welches ihrer Kinder, egal ob Mädchen oder Junge, zur kostenfreien Grundschule gehen darf und welche beim Stamm bleiben und dort traditionell unterrichtet werden. Für weitergehende Schulbildung fehlt den Eltern das Geld. Nun ist unser Reiseleiter für das Dorf zu gebildet aber für eine Arbeit außerhalb des Dorfes hat er zu wenig Schulbildung. Er könne nicht mehr im Dorf leben, erklärte er uns und so arbeitet er wie viele seiner Stammesgenossen im Tourismus Gewerbe.

Ich fand es nicht gut, dass er eine ältere und eine junge Frau rief, sie nebeneinander vor uns stellte und uns anhand ihrer Haare und Schmuck erklärte, welche der beiden verheiratet wäre und das jedes der Ketten am Fuß für ein geborenes Kind stände. Das junge Mädchen war noch Jungfrau und wir fanden, dass man ihr ansah, wie sehr sie sich genierte, im Kreis der Frauen zu stehen und von den Touristen angestarrt zu werden.

Ich verlies den Kreis und fand eine ältere Stammesdame, die einen Stein zerrieb, um Farbe daraus zu machen. Mit der Farbe von einem schönen Ockerton reibt sich der Stamm ein; die Farbe auf der Haut verhindert einen Sonnenbrand. Sie schmierte mir ein wenig der Farbe auf die Schulter. Grund genug für die dazukommende Maaike, ein Foto von mir zu machen :-).

Insgesamt habe ich dem Veranstalter einige Änderungsvorschläge gemailt: Als erstes finde ich, sollte man sich auf Augenhöhe begegnen. Wir haben gezeltet also wäre es für uns kein Problem gewesen, ein Handtuch oder eine Decke mitzunehmen und uns in den Kreis der Frauen zu setzen. Wir hätten vorher auf dem Markt halten können, Früchte, Brot und Wasser  kaufen und mit den Frauen und Kinder zusammen essen und trinken können. Sicher, wir haben keine gemeinsame Sprache, der Reiseleiter brachte uns Guten Tag und Auf Wiedersehen bei. Aber das hätten wir auch in trauter Runde erfahren können.

G.P. fühlte sich auch sehr unwohl, er formulierte treffend, wir schauen zuerst die Natur, dann die Tiere und und schließlich die Frauen. Emmy entschloss sich, nur die Architektur (so nannte sie die Hütten augenzwinkernd) zu fotografieren. Marian stellte die Frage in die Runde, wie eine Annäherung möglich sei?

Ich habe beim Stamm nicht gezeichnet und zeige hier die Architekturfotos und die Hände der Himba Frau beim mahlen des Steins zu Farbe. Wir hatten Schwierigkeiten überhaupt Fotos von diesem Besuch zu machen.

 

 

Mehr von unserer Afrikareise könnt ihr in der Kategorie Reiseberichte -> Südliches Afrika lesen (siehe hier). Die jüngsten Berichte sind immer zuerst, das heisst erst nach dem Scrollen könnt ihr die älteren Berichte lesen.
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Beate Gernhuber (siehe hier) von SafariScout.com stand uns bei der Buchung unserer Abenteuer Reise ins südliche Afrika mit Rat und Tat beiseite. Gerne empfehle ich sie an alle, die ähnliche Reisen planen, weiter. Sie hat sehr gute Kontakte zu Nomad und ist auch schon selber als Übersetzerin die Tour mitgefahren.

Ich werde zu jedem Beitrag die original Tourbeschreibung als Fußnote festhalten.

Day 09:
Visiting the Himba tribe can be a controversial topic that gets discussed at the camp fire, however not so much if the reason for visiting this particular tribe is understood beforehand. The income that the tribe generates from the visits goes towards the education of Himba children and assists the tribe in giving them a chance to learn about their own culture and heritage. This afternoon we have the opportunity to visit a Himba village and interact with the villagers.

12 Antworten

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  1. gkazakou said, on 9. Mai 2018 at 21:08

    Liebe Susanne, dass ist ein besonders schöner Beitrag von eurer Reise, und ich denke, die Änderungsvorschläge sind in der richtigen Richtung. Beim Zusammensitzen hättet ihr viel voneinander lernen können, wie die Farbreibung ja schon zeigt. Die schönen starken Hände mit den vielen Silverreifen auf dem Foto zeigen es auch. Nun arbeiten diese Bilder in dir. Sei herzlich gegrüßt von Gerda

  2. arnoldnuremberg said, on 10. Mai 2018 at 02:00

    Liebe Susanne,
    danke für Deine ebenso kritische wie diskrete Schilderung Eueres Besuchs bei den Himba und Herero. Dabei nimmst Du auch Bezug auf die historische Verantwortung.
    Dies berührte mich vor langer Zeit im Engagement und im Studium. Nach ersten Entschuldigungen für den deutschen Genozid an den Hereros und Namas wird es endlich Zeit für angemessene Entschädigung und Wiedergutmachung im Sinne von Versöhnung und Partnerschaft.
    Es liegt schon sehr lange zurück, dass ich in Südafrika war – ohne Namibia. Unter den vielen nachhaltigen Eindrücken kommt mir ein Besuch in einem Dorf in Kwa Zulu in den Sinn. Wasser schöpfen, holen und tragen aus der entfernten Quelle, das Quartier in der Lehmhütte, die Dorfversammlung unter dem schattigen Baum und der nächtliche Sternenhimmel.
    Gute Wünsche und viele Grüße, Bernd

    • Susanne Haun said, on 11. Mai 2018 at 08:14

      Lieber Bernd,
      ja, der Sternenhimmel, der ist einfach unglaublich. Deine Eindrücke hören sich auch sehr eindrücklich an, obwohl sie schon lange zurück liegen.
      Ich hoffe, dass es bald eine entsprechende Entschädigung für die Hereros und Namas gibt. Kann es überhaupt eine „entsprechende“ Entschädigung für soviel Leid geben? Ich kann mir das schwer vorstellen, aber ich bin der Meinung es muss in irgendeiner Art und Weise entschädigt werden.
      Viele Grüße von Susanne

  3. Xeniana said, on 10. Mai 2018 at 07:37

    Ein sehr spannender Beitrag und die Veränderungsvorschläge sind absolut verständlich. Klasse das du das rueckmeldest hast.

  4. WERKSTATT | 23 said, on 10. Mai 2018 at 09:02

    Was für ein interessanter und guter Bericht, vielen Dank, liebe Susanne! Ich wünschte, es würde einmal eine Gruppe aus dieser Region nach Europa kommen und dann Fotos z.B. in Bankentürmen von den dort arbeitenden, anzugtragenden „Eingeborenen“ machen. Vielleicht mit der Erklärung: Hier diese armen Bewohner des Abendlandes, sie haben es nur noch nicht begriffen 😉 Wird aber leider wahrscheinlich in den nächsten 100 Jahren nicht passieren…

    • Susanne Haun said, on 11. Mai 2018 at 08:18

      Wahrscheinlich nicht, Ann Christina, in Punkto Fotografieren ist hier in Berlin schon viel los, ich möchte nicht wissen, auf wievielen Touristenfotos ich schon bin. Jedoch ist das ja eher zufällig und nicht vorgeführt.

  5. Claudia said, on 10. Mai 2018 at 12:20

    Liebe Susanne,
    ich kann beim Lesen deines Beitrags deine Gefühle und deine Haltung sehr gut nach- und mitempfinden. Die Situation, so, wie du sie schilderst, erinnert an einen Museums- oder Zoobesuch, nur dass hier Menschen in ihrer normalen Umgebung „vorgeführt“ werden. So interessant es natürlich ist zu erleben, wie andere leben, so wichtig ist doch vor allem Dingen, dass ihre Würde gewahrt bleibt. Wir würden uns sicherlich auch wundern – und hätten mit ganz üblen Gefühlen zu kämpfen – wenn Reisebusse mit fremdprachigen Menschen durch unsere Wohnzimmer oder Gärten zögen und uns beim Sitzen dort oder beim Essen beobachten und fotografieren würden und dann noch zwei Personen aus unserer Gruppe herausgefischt würden, damit sie noch ganz besonders genau betrachtet werden können. Wie gut, dass ihr alle euch so zurückhaltend und vorsichtig verhalten habt.
    Liebe Grüße nach Berlin, Claudia

    • Susanne Haun said, on 11. Mai 2018 at 08:20

      Danke, liebe Claudia, ja genauso ist es. Schön, dass du den Bericht als zurückhaltend empfindest, genauso habe ich es mir vorgestellt.
      Liebe Grüße nach Wuppertal sendet dir Susanne

  6. ernstblumenstein said, on 11. Mai 2018 at 10:44

    Herzlichen Dank Susanne für diesen informativen und feinen Reisebericht, der die Menschen in den Vordergrund stellt und auch kritische, gute Anregungen enthält. Ernst

    • Susanne Haun said, on 17. Mai 2018 at 10:08

      Lieber Ernst,
      Die Reise war so eindrucksvoll, dass ich noch lange benötigen werde, um alle Erlebnisse zu verarbeiten.
      Heute habe ich den 10. und 11. Tag verarbeitet. Ich werde berichten.
      Einen schönen Tag von Susanne


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