Ein Fußballspieler und eine Wäschemangel – Radierung von Susanne Haun

Manche Dinge, die mir persönlich selbstverständlich von der Hand gehen, bedürfen der Erklärung.

Sicher kennt ihr das auch, wenn ihr eine Sache schon lange betreibt und sie einmal gelernt habt, entwickelt ihr ein Gefühl für die Dinge. So habe ich die Ätzzeiten für Radierungen im Gefühl. Es wird immer gesagt, die Ätzzeiten sind das Geheimnis des Radierers, aber die Ätzzeiten sind auch von vielen äußeren Faktoren abhängig und können natürlich auch gelernt werden. Die Abhängigkeit besteht natürlich von der verwendeten Säure und dem verwendeten Metall, von der Außentemperatur, von der Größe der Laborschale, in der geätzt wird, sowie vom Alter der Säure.

Radierung Fußballer von Susanne Haun - Rolle weiter vom Schlitten entfernt
Radierung Fußballer von Susanne Haun - Rolle weiter vom Schlitten entfernt

Ich habe also ein Zink – Salpetersäure Gefühl.

Es gibt ein einfaches Mittel, die Zeiten zu lernen, indem man auf einem Stück Metall die Dauer ausprobiert. Da es mir zu langweilig war, einen solchen Probestreifen, Ätzstreifen zu erstellen, habe ich für mein Buch „Die Kunst der Radierung“ einen Fußballspieler geätzt, den ich mir vorher in einfachen Linien skizziert habe. Auch habe ich mit dieser Platte die zur Radierpresse umfunktionierte Wäschemangel getestet. Ich habe mit dieser Wäschemangel – Presse noch kein Gefühl für den Druck, den die Walze auf den Schlitten braucht. Bei der eigenen Presse hat man das in den Fingerspitzen.

Die fertig geätze Platte von Susanne Haun
Die fertig geätze Platte von Susanne Haun

Als ich heute eine meiner Malschülerin von der Wäschemangel erzählte, hatte ich das große Glück, dass meine Schülerin genau so eine Wäschemangel gegen ein Bild von mir  tauschen möchte. Ich habe sie mir schon angeschaut, die Holzrolle ist gesprungen aber ich denke, sie wird sich durch eine Metallrolle austauschen lassen und für kleine Arbeiten ist so eine Wäschemangel nicht schlecht! Morgen wird sie mir ins Atelier gelierfert.

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