Susanne Haun

Dantes Barke des Vergessens – Leinwand von Susanne Haun

Posted in Leinwand, Zeichnung by Susanne Haun on 12. Mai 2016

Manchmal mischen sich Inspirationen, so auch Dantes Barke mit dem Vergessen.
Daraus entsteht „Dantes Barke des Vergessens“. Das Motiv arbeitet sich sehr langsam aus der Leinwand heraus.

Ausschnitt Dantes Barke des Vergessens (c) Zeichnung auf Leinwand 80 x 100 cm

Ausschnitt Dantes Barke des Vergessens (c) Zeichnung auf Leinwand 80 x 100 cm

 

Inge Jens neues Buch „Langsames Entschwinden“ beschreibt die Krankheitsgeschichte von Jens Mann Walter.  Walter Jens litt an einer besonderen Art der Alzheimer Krankheit und als enge Familienangehörige einer Betroffenen fand ich gute Hinweise und Bekanntes in dem in Briefen erzählten Bericht von Inge Jens. Auch für nicht Betroffene ist das Buch sehr empfehlenswert. Besonders bewegend fand ich die Überlegungen, wann der Zeitpunkt im Leben eines Alzheimer Kranken überschritten ist², sich selbst zu töten. Wie geht der Angehörige mit dem Wunsch des Kranken, den Tod zu wollen, um. Alzheimer ist nicht vergleichbar mit Krebs. Der Kranke kann ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Entscheidung mehr treffen, wir wissen nicht, was dann für Gedanken und Gefühle oder Schmerzen im Kopf des Kranken sind.

Für mich hat Frau Jens in Bezug auf dieses Problem eine sehr gute und auch sehr mutige Entscheidung getroffen:

„Es geschieht nichts, was dies Leben künstlich verlängern könnte, aber es zu verkürzen, steht uns dennoch nicht zu.“ Inge Jens³

Das bedeutet u.a., zu entscheiden, ob ein Mensch künstlich beatmen werden sollte oder nicht. Gut ist es, wenn die Angehörigen diese wichtigen Fakten im gesunden Zustand besprechen. Ich besitze eine Vorsorgevollmacht.

Ich wollte den Zustand der Isolation eines Alzheimerpatienten darstellen und Ihr/sein Weg in ein neues psyschiches Land. Ihr/sein Weg in ein Land, was wir nicht kennen, denn die Patienten sind in keinem Zustand, davon zu berichten. Gleich Dante auf seinem Weg durch die Höllenkreise wissen wir nicht wohin es geht!

Die Arbeit an der Leinwand läuft mir nicht leicht von der Hand, zäh fliesst die Tinte aus der Feder. Heute zeige ich einen Zwischenstand, den ich von meinem Arbeitsplatz aus betrachte und abwechselnd im Geist weiterentwickle um wieder zur Feder zu greifen und tatsächlich zu zeichnen.

 

__________________

²Jens, Inge. Langsames Entschwinden, Hamburg 2016. S. 60.
³ ebd., S. 110.

16 Antworten

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  1. petergreyphotography said, on 12. Mai 2016 at 18:10

    Toll Susanne! Sehr schön.

  2. gkazakou said, on 12. Mai 2016 at 18:13

    Ich warte.

  3. diespringerin said, on 12. Mai 2016 at 20:23

    Ohhhhh! wie schön!

  4. diespringerin said, on 12. Mai 2016 at 20:34

    Wunderschön dargestellt. Ergreifend. Nicht immer leicht, die Schönheit zu erkennen, das Ergreifende, das zutiefst Menschliche, auf Seiten dessen, dem das Gedächtnis entgleitet, ebenso wie auch auf Seiten dessen, dem die Person solcherart entschwindet. Es ist manchmal kaum zu ertragen. Für den, der zusehen muss. Und dennoch kann er unendlich viel lernen, vom Entschwindenden ebenso wie von und über sich selbst. Dabei sich selbst nicht zu beurteilen (der Gefühle wegen, die zwangläufig auftreten) wie auch die Art der Existenz, welche durch diesen Zustand des Verlustes geprägt wird, (ist das wirklich „kein Leben“ mehr? … Oder ist das im Grunde eine Lektion für die ganze Gemeinschaft -auch politisch gesehen – des Vertrauens, aufgehoben zu sein???)

    • Susanne Haun said, on 13. Mai 2016 at 07:15

      Ja, du hast recht, liebe Springerin, es ist kaum zu ertragen und trotzdem schafft man es.
      Weisheiten, die ich vor der Krankheit meiner Mutter für mich gefunden hatte, werden umgeworfen.
      Ich weiss nicht, ob ein Alzheimer Kranke in Deutschland gut aufgehoben ist. Die meisten Pfleger und Krankenschwestern sind in den Krankenhäusern nicht geschult, wie mit den Alzheimer Patienten umgegangen werde muß. Bestes Beispiel ist das Krankenhausessen. Auch Frau Jens weisst in ihrem Buch darauf hin. Der Alzheimer Patient hat den Bezug zum essen verloren, er kann keine Entscheidungen mehr treffen ob er Suppe oder Fleisch will, er weiss nicht mehr was das ist. So bleibt das Tablett einfach stehen und es wundert mich, dass noch kein Alzheimer Patient im Krankenhaus verhungert ist.

  5. ©lz said, on 12. Mai 2016 at 21:44

    Toller text und eine sehr interessante Arbeit die du da gerade angehst. Nicht unbedingt von Leichtigkeit getragen. Dennoch sehr wichtig.
    Dir gutes Susanne.

    • Susanne Haun said, on 13. Mai 2016 at 07:16

      Danke, Ludwig, ja sie ist schwer und trotzdem wichtig. Ich arbeite dieses Pfingstwochenende weiter daran!
      Herzlichen Dank für deine Karte, die meinen Briefkasten verschönt hat!
      LG Susanne

  6. Ruhrköpfe said, on 13. Mai 2016 at 09:15

    kein leichtes Thema… Schöne Pfingsten und liebe Grüße, Annette

    • Susanne Haun said, on 14. Mai 2016 at 20:08

      Ja, Annette, das Thema ist schwer. Ich stelle jedoch fest, dass ich nun offensichtlich in einem Alter bin, wo ich mich damit auseinander setzen muß. Was mir an der Auseinandersetzung gefällt, dass ich es noch selber unbetroffen beurteilen kann und so für mich persönlich Lösungen finden kann. Als Betroffene hast du diese Chance nicht mehr!

      • Ruhrköpfe said, on 15. Mai 2016 at 08:37

        so habe ich es noch gar nicht betrachtet, in meiner Umgebung war es bisher kein Thema. Ich hoffe, du lässt uns weiter daran teilhaben, liebe Grüsse und einen schönen Pfingstsonntag, Annette

        • Susanne Haun said, on 17. Mai 2016 at 06:40

          Liebe Annette,
          geniesse die Zeit, in der deine Familie noch gesund und selbständig ist.
          Bei meinen Eltern ging es ab 75 mit den Krankheiten los. Davor gab es auch schon die eine oder andere schwere Krankheit, jedoch schränkten diese nicht die Selbständigkeit ein.
          Einen schönen Dienstag von Susanne

          • Ruhrköpfe said, on 17. Mai 2016 at 07:34

            Liebe Susanne,
            das mache ich, danke 🙂
            Ein Elternteil lebt seit einigen Jahren nicht mehr
            Viele Grüße und einen guten Start in die Woche, Annette

            • Susanne Haun said, on 18. Mai 2016 at 09:01

              Liebe Annette,
              meine Eltern leben noch beide und ich habe die Entgültigkeit des Todes noch vor mir.
              Mich graut es davor, auch wenn sie krank sind, sie sind aber noch da.
              Liebe Grüße sendet dir Susanne

  7. […] meinen Nullräumen hat sich Dantes Barke des Vergessens (siehe die Leinwand von gestern hier) eingeschlichen. Ich habe erst überlegt, ob ich meine letzte Arbeit von heute weglasse, denn […]


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