Susanne Haun

Eva und Adele im Lampenfieber

Posted in Ausstellungstip by Susanne Haun on 26. April 2018

Das Duo Eva & Adele hält seit 27 Jahren an ihrem künstlerischen Konzept fest.

Diese Konsequenz veranlasste den me Collectors Room Berlin (Stiftung Olbricht) das Paar in einer retrospektiven Gesamtinstallation unter dem Namen “L’AMOUR DU RISQUE“ zu präsentieren.

Vom 27. April bis zum 27. August 2018 kann das Werk des außergewöhnlichen Paars in der Auguststr. 26 in Berlin besichtigt werden.

Gestern fand das Presse-Preview der von Dr. Heike Fuhlbrügge kuratierten Werk-Show statt.

 

 

Sicher, ich wusste vor dem Besuch des Presse-Previews zu dem mich Doreen Trittel begleitete, wer Eva & Adele sind und ich bin schon lange beeindruckt von ihrer kontinuierlichen Arbeit und der Treue ihrem Konzept gegenüber. Jedoch habe ich nicht erwartet, zwei so sympathische herzliche Menschen kennenzulernen. Mit dem Gedanken an ihr Konzept, „Over the Boundaries of Gender“ denkend, betitele ich die beiden als Menschen, für die das Weibliche oder Männliche keine Rolle spielt, sie selber bezeichnen sich als drittes Geschlecht.

Die Direktorin des me Collector Rooms, Julia Rust, stellte gemeinsam mit der Kuratorin Dr. Heike Fuhlbrügge das Duo vor und ich fand es besonders charmant, dass Eva und Adel vor Beantwortung der Fragen um Verständnis für ihr Lampenfieber baten. 27 Jahre stehen die beiden in der Öffentlichkeit und trotzdem ist jede Präsentation neu und aufregend für sie. Berlin bezeichnen sie als Entstehungsort ihres Werkes, als ihre Heimat, ihren Lebensmittelpunkt und ihr persönliches Fort Knox, in dem sie sich regenerieren können.

 

Doreen Trittel in der Ausstellung Eva und Adele, me Collectors Room Berlin, Foto von Susanne Haun

Doreen Trittel in der Ausstellung Eva und Adele, me Collectors Room Berlin, Foto von Susanne Haun

 

Die Begriffe Kunst und Performance empfanden die beiden nicht als ausreichend, um ihr Werk zu definieren, weswegen sie ihr Konzept auch mit dem Namen Futuring belegten. Unter der Decke hängt da Wort FUTURING von 2013 als Neonschriftzug, der die gesamte Ausstellung einzuschließen scheint.

Betritt die/ der Besucher*in den Ausstellungsraum, fällt der Blick auf 6 rosa übereinander gestapelte Koffer in unterschiedlicher Größe. In diesen Koffern, berichten die beiden, haben sie gerade in den ersten Jahren ihre Präsentation wie Postkarten und Flyer mit sich getragen, um sie bei ihren Erkundungen in der Welt zu verteilen. Als Biografische Skulptur N°1 stellten die beiden 1997 ihre Koffer erstmals im Sprengelmuseum aus. New York und Paris folgten und nun können die zur Kunst geadelten Koffer auf einem rosa Holztisch in der Ausstellung besichtigt werden. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich subjektiver Weise diese Skulptur oder die 165 Kostümpläne von 1996 – 2018 als das für mich eindrucksvollste Element der Ausstellung betrachte.

 

 

Trotz großem Ansturm hatten Doreen und  ich das Glück, ein kleines persönliches 5-Minuten Interview mit den beiden zu erhalten. Ihre Strategie „Wherever we are is Museum“ zeigt, dass sich Eva und Adele in einem permanenten Zustand der Performance und Öffentlichkeit bewegen und so fragte ich, ob sie in den 27 Jahren nicht Augenblicke gab, wo ihnen die Anstrengung der Arbeit zu viel wurde. Doreen ergänzte, ob sie sich schon einmal überlegt hätten, einfach aufzuhören, Eva und Adele zu sein.

 

Susanne Haun, Eva und Adele, Doreen Trittel im me Collectors Room Berlin, Foto von Tina Volk

Susanne Haun, Eva und Adele, Doreen Trittel im me Collectors Room Berlin, Foto von Tina Volk

 

Die Antwort der beiden ist eindrucksvoll und einheitlich. Es hätte kritische Augenblicke am Anfang der Konzipierung ihres Werks gegeben, die sie sehr analytisch betrachtet hätten. Daraus hätte sich eine Basis für ihr Lebenskunstwerk ergeben. Wut und Verzweiflung gehören genau wie Frieden und Liebe dazu. Sie hätten sich auch in existenziellen Situationen am Abgrund befunden, aber all dies würde von der Freiheit, die sie beide innerhalb ihres Konstrukts besitzen kompensiert. Die Freude und der Schaffensdrang der beiden, sowie ihre analytische Herangehensweise an ihr Werk hat sie nicht an ein Ende denken lassen.

Es ist für mich spürbar, dass sie von ganzem Herzen Eva & Adele sind, ein Werk, das kein Ende kennt.

 

Doreen und ich konnten nicht widerstehen, einige Selfies von uns zu machen und eine Auswahl möchte ich heute und hier auch zeigen. Den schönen Puschel, den ich an meinem Halsband trage, kann die / der Besucher*in im Shop des me Collector Rooms kaufen. Neben Handtaschen, Strümpfen, Parfüm und mehr gibt es eine bunte Collection an Artikeln, die die Ausstellung begleiten und die als Erinnerung gekauft werden können.

Die Ausstellung hallt nach, Doreen und ich sprechen immer wieder über Momente, die wir dort gemeinsam erlebten.  Wie Doreen die Ausstellung und den Besuch wiedergibt, kannst Du hier nachlesen: Eva & Adele: Kunstwerk in Persona.

Die Ausstellung hat uns sehr inspiriert und wir können  jedem nur empfehlen, sich die Zeit für einen Besuch zu nehmen:

Informationen zur Ausstellung:

Eva & Adele “L’AMOUR DU RISQUE“

27. April bis zum 27. August 2018

me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht

Auguststraße 68, 10117 Berlin
Fon +49 30 86 00 85-10
Fax +49 30 86 00 85-120
info[at]me-berlin.com
http://www.me-berlin.com

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog und ein umfassendes Begleitprogramm.

Eintritt Wunderkammer und Ausstellungen

Regulär 8 Euro / Ermäßigt 4 Euro
Gruppenticket 4 Euro/Person (für Gruppen ab 10 Personen)

Mehr Informationen zu Gruppentarifen und Ermäßigungen erhalten Sie auf der Homepage des me Collector Rooms (siehe hier).

Veranstaltungen

06.05., 15 Uhr: Kuratorinnenführung mit Dr. Heike Fuhlbrügge
26.05., 16 Uhr: Vortrag von Dr. Marcus Steinweg
09.06., 16 Uhr: Talk mit EVA & ADELE und Dr. Heike Fuhlbrügge
27.06., 19 Uhr: Art & Dinner mit EVA & ADELE

7 Antworten

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  1. hehocra said, on 27. April 2018 at 09:41

    Die beiden und ihr Werk sind unglaublich faszinierend. Welch einen Weg sie über Jahrzehnte gegangen sind, mit welch einer Ausdauer… Ich bin immer noch sehr beeindruckt. Vielen Dank für Deine Sicht, liebe Susanne. Mein Beitrag ist heute online gegangen. Pink-bereicherte Grüße, Doreen

  2. Eichhoernchenverlag said, on 27. April 2018 at 19:10

    Ihr zwei, liebe Susanne und liebe Doreen – scheint mir – seid wirklich gerade ein sehr produktives, starkes und hochfideles Team, bzw. zwei sehr fruchtbar miteinander agierende Individuen und Künsterinnen! Es macht Spaß, euch dabei zuzusehen!
    Herzliche Grüße sendet euch
    Nina

    • Susanne Haun said, on 28. April 2018 at 05:53

      Liebe Nina,
      ja, wir haben auch das Gefühl, dass wir gut zusammen und natürlich auch gut einzeln wirken.
      Kommst du am Donnerstag Nachmittag oder Freitag Vormittag zu unserer letzten Öffnungszeit der Ausstellung? Am Freitag muss ich jedoch gleich um 13 Uhr los zur Uni, ich habe um 14 Uhr ein Seminar.
      Liebe Grüße sendet dir Susanne

  3. Armin said, on 3. Mai 2018 at 07:41

    Ich liebe die beiden!

    (Adele ist übrigens gebürtige Saarländerin!)

    • Susanne Haun said, on 8. Mai 2018 at 06:37

      Das wusste ich gar nicht, Armin. Danke für den Hinweis. Besonders Doreen, die lange im Saarland lebte, fand diese Info Interessant.

  4. Armin said, on 8. Mai 2018 at 07:42

    Adele wohnte unweit meiner jetzigen Adresse, in der gleichen Straße. Sie arbeitete ursprünglich als Keramikerin.

    • Susanne Haun said, on 11. Mai 2018 at 07:59

      Ich werde es auch Doreen erzählen :-), die Ursprünge von Künstlerinnen sind immer interessant.


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