Susanne Haun

Ein einfacher Schnitt – Gordon Matta-Clark und die Präsentation von Kunst – Bericht von Susanne Haun

Posted in Berühmt, Betrachtungen zur Kunst, Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 15. Oktober 2012

„Ein einfacher Schnitt oder eine Serie von Schnitten fungieren als kraftvolle Zeichnung und redefinieren räumliche Situationen und strukturelle Einheiten.“ Gordon Matta-Clark

Das erste Mal hörte ich von Matta-Clark im Seminar …. an der FU. Der Dozent zeigte uns einen Film zur Entstehung des Werkes Splitting von Matta-Clark. Seine Arbeit beruht zum größten Teil einzig auf das bleibende Filmmaterial. Bei Splitting verblieben auch noch abgesägte Hauskanten, die Matta-Clark in der Galerie zeigen konnte.

Entstehung meines Sinnbildes von Matta-Clark (c) Zeichnung von Susanne Haun

Entstehung meines Sinnbildes von Matta-Clark (c) Zeichnung von Susanne Haun

Matta-Clark schloss sein Architekturstudium erfolgreich ab und trat damit in den Fußstapfen seines chilenischen Vaters Roberto S. A. Matta Enchaurren, der durch seine surrealistischen Gemälde bekannt wurde.

Er arbeitete als Assistent von Robert Smithson (siehe hier meinen Beitrag zu Smithson), Dennis Oppenheim und Jan Dibbets.

Nach seinem Umzug nach New York, SoHo nahm er den Mädchennamen seiner Mutter, Anna Clark, in seinen Namen auf.

In New York nahm er regelmäßig mit anderen Künstlern an Diskussionen und Gesprächen teil, die lose verbundenen Künstler stellten 1974 in einer Gruppenausstellung in einen der neuen Ausstellunglofts aus.

Solche Ausstellungslofts finde ich sehr interessant, sie haben den jungen Künstlern neue Möglichkeiten der Öffentlichkeit geschaffen. In Berlin gibt es sehr viele Galerien, meistens in alten Berliner Läden, die von meinem Verständnis dieselbe Funktion übernehmen.

Ein kreisrunder Einschnitt in der Decke des Einkaufszentrums (c) Foto von Susanne Haun

Ein kreisrunder Einschnitt in der Decke des Einkaufszentrums (c) Foto von Susanne Haun

Matta-Clark interessierten die Veränderungen von im Alltag vorgefundenen Dingen, die Veränderungen hielt er in Filmen und Fotos fest und legte dabei Projektbücher an. Er wurde auch in meiner Heimatstadt Berlin aktiv. 1976 bemalte er im Rahmen der Berliner Festwochen von der Akademie der Künste organisiert die westliche Berliner Mauer mit Graffiti Zeichen.

1976 war ich 11 Jahre alt und wußte noch nicht viel von der Welt der Kunst. Ich zeichnete Häuser, Bäume und Märchenschlösser mit Bleistift, die noch heute an den Wänden meines Elternhauses hängen. Schade, ich hätte so gerne Matta-Clark kennen gelernt!

Ich habe gerade die Seite mit den Filmen von Matta-Clark entdeckt und mich über den Berliner Mauer Film amüsiert, er bemalte die Mauer am Checkpoint Charly und dieser Film ist für mich auch historisch sehr interessant, ich hatte mir aus dem Lexikon Eintrag die Aktion etwas anders vorgestellt, als ich dann Film zusehen bekommen habe. Aber als Urberlinerin, die in dieser Zeit gelebt hat, habe ich den Film sehr gerne gesehen. Meine Eltern hätten mir natürlich den Besuch dieser Aktion strikt verboten!

Kreisrunder Einschnitt in der Decke (c) Foto von Susanne Haun

Kreisrunder Einschnitt in der Decke (c) Foto von Susanne Haun

Matta-Clarks Arbeit „Conical Inersect“ (Hier ein Entstehungsfilm auf vimeo zum Werk) ist ein kreisrunder Schnitt in einem Haus in Paris. Hier ein Foto auf der Seite des Bunds Deutscher Architekten von Conical Inersect.

Die Architektur hat sich durch die neuen Baumittel, z.B. kann Glas heute ganz anders eingesetzt werden als früher, verändert. Sie ist nicht mehr so massiv und undurchsichtig wie sie zu Matta-Clarks Zeiten noch war.

In Hamburg habe ich mir den Alterstal-„Einkaufbunker“ im Bezirk Poppenbüttel, 5 Minuten von der Galerie Faszination Art entfernt, angeschaut. Was Matta-Clark mit seiner Kettensäge an Schnitten in den Gebäuden trieb wird heute oft mit Glas schon von den Architekten eingeplant und so vielen mir die vielen Glasschnitte im Alstertal Einkaufszentrum auch sofort auf.

Es war ein sonniger Tag und so habe ich im Zentrum auch gut fotografieren können. Besonders die durch die Sonne entstandenen Schatten gefallen mir. So ist es auch kein Wunder, dass ich blau, lila und schwarz für mein Sinnbild von Matta wählte.

For my english reader:
„A simple cut, or a series of cuts are so powerful as drawings and redefine room situations and structural units.“ said Gordon Matta-Clark.
In hamburg I was in a the Alster shoppingmall. It was a sunny day and through the windows shined the sun and so I have photograph well by best light in the mall. Particularly the shadows by the sun I liked. So it is no surprise that I chose blue, purple and black for my symbol drawing of Matta-clark.

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Quelle
Künstler, Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Weltbild Verlag GmbH München, 1999

Eine Antwort

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  1. […] Die LandArt ist eine vergängliche Kunst, die durch Wind, Wetter oder den Gegebenheiten wieder zerstört wird. Einzig die Planungsskizzen, Fotos, Filme und Berichte bleiben erhalten. Die bekanntesten Kunstwerke in dem Genre sind die verhüllten Objekte von Christo und Jean-Claude.  Ich habe euch außerdem als Beispiel in meinem Blog die Spiral Jetty von Smithson oder Conical Inersect von Matta-Clark gezeigt. […]


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