Unter Hochdruck eine Königin – Holzschnitt von Susanne Haun

Letzte Woche war ich mit meinem Vater in der Tischlerei, um mir „schöne“ Holzbretter für Holzschnitte auszusuchen.

Es war das wahre Eldorado für jeden Holzschnitzer und ich kam mit großer Ausbeute zurück ins Atelier. Es fiel mir schwer, mich für das erste Stück zu entscheiden und ich nahm die Erle. Da mich von der Wand gerade meine Säulenträgerin anschaute, zeichnete ich von ihr inspiriert meine Vorzeichnung in das Holz.

Mein Material vom Tischler (c) Foto von Susanne Haun
Mein Material vom Tischler (c) Foto von Susanne Haun

Von den erhabenen Flächen, die gedruckt werden, hat der Hochdruck seinen Namen. Eine Voraussetzung für das Entstehen der Druckverfahren ist das preisgünstige als Massenware hergestellte Papier. 1390 geht in Bayern die erste Papiermühle in Produktion und ebnet damit den Weg für Bildreproduktionen.

Im 15. Jahrhundert entstanden die ersten Holzschnitte. Dürer ist im 16. Jahrhundert einer der ersten europäischen Maler die den Holzschnitt zur Vollendung bringen. Der Holzschnitt entspricht mit der bloßen schwarzen Farbe der humanistischen Idee dieses Jahrhunderts.

Es ist spannend - jedesmal (c) Foto von Susanne Haun
Es ist spannend – jedesmal (c) Foto von Susanne Haun

In Europa hat Gutenberg mit seinen einzelnen Buchstaben und der Presse den entscheidenden Schritt für die Erstellung von Büchern getan; heute weiß jeder von der Gutenberg Bibel.

1860 erfindet der Engländer Walton das Linoleum, eine Mischung aus Leinöl, Harz und Kork. Als erster ist es der Engländer Claude Flight, der das Material für die Kunst entdeckt. Salonfähig habe es Größen wie Matisse und Picasso gemacht. Das Linoleum ist ein weicherer Druckstock und somit einfacher als Holz zu verarbeiten.

Ein erfolgreicher Vertreter des Holzschnitts im erst kürzlich vergangenen 20.Jahrhunderts ist HAP Grieshaber, der sich intensiv mit den Möglichkeiten des Materials auseinandergesetzt hat.

Die Säulenträgerin 2. Probeabzug (c) Foto von Susanne Haun
Die Säulenträgerin 2. Probeabzug (c) Foto von Susanne Haun

For my english reader:
Last week I was with my father in a joinery to pick up „beautiful“ wooden boards for my woodcuts. It was the true paradise for every woodworker and I came back into my studio with my yield. It was hard for me to decide for the first piece and I took the alder. I just looked at the wall in my studio and I drew my inspiration from my own drawings in the wood.


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Bibliographie:
Ernst Rebel, Druckgrafik, Reclam 2003
Beth Grabowski und Bill Fick, Drucktechniken, Dumont 2009

34 comments

  1. hallo susanne, 🙂 ui, das ist dir wirklich wunderbar gelungen – ganz tolle arbeit!! schnitzereien begeistern mich ohnehin sehr!!

  2. Ich bewundere immer deine Kreativität und deinen FLEISS !!!
    Leider lässt mich das System bei einigen Bloggern, so bei dir und auch bei Mathilda kein „Gefällt mir“ anklicken. Das nur zur Info. Denn immer will man ja keinen Kommentar senden….

    1. Danke, flowery, mit den Blogs und den Likes geht es mir bei manchen WordPress Präsenzen auch wie dir.
      Es ist so ärgerlich, gerade die „Lieblingsblogs“ nicht mit einem LIKE ausstatten zu dürfen.

  3. Hallo Susanne!
    Sehr gut, dass mal wieder Eine oder Einer das Thema Holzschnitt aufgreift.
    Ich verwende als Holz in der Regel Multiplexplatten und Holzabfallstücke jeglicher Art. Auch Holzrückwände von Schränken nehme ich wegen der Größe sehr gerne.
    Welche Farben verwendest Du?
    LG Juergen

    1. Hallo Jürgen,
      biegen sich die Holzrückwände nicht?
      Druckst du mit der Presse oder auch wie ich „per Hand und Bürste“?
      Ich verwende von Schmincke die Linolfarbe für die Drucke auf dem dünnen Papier.
      Bei der Presse würde ich Kupferdruckfarben verwenden. Schon wegen der Brillianz.
      Was verwendest du?
      Grüße von Susanne

      1. Hallo Susanne!
        Die Multiplexplatten verbiegen sich nicht. Ich bearbeite sie anschließend sogar weiter und verwende sie als Wandobjekte.
        Ich drucke mit der Hand, Rolle und Bürste.
        Bei den Farben verwende ich wasserlösliche Linoldruckfarbe, bin aber zunehmend unzufrieden mit der Matttheit der Farbe. Ich habe mir vorgenommen, da, wenn ich Zeit habe, mal etwas zu experimentieren.
        Gruss Juergen

        1. Hallo Jürgen,
          wie reinigst du deine Holzdruckstöcke nach dem Drucken? Hast du sie vorher mit Schellack gesichert?
          Ich benutze die Farbe von Schmincke, Tuga oder Marabu. Die Tuga ist sehr dickflüssig und ergibt als Schwarzdruck eine schöne Schicht.
          Aber ich mag sie nicht für Mehrfarbendrucke da ist sie mir zu deckend und läßt keine Mischungen zu.
          Grüße von Susanne

          1. Ich reinige meine Druckstöcke, indem ich sie ausdrucke und anschließend abreibe. Schellack verwende ich nicht. Wenn sie als Wandobjekte Verwendung finden sollen, werden sie eingefärbt und anschließend mit hochglänzendem Lack überzogen.
            Auch ich verwende Tuba, in den Grundfarben, und mische, wenn notwendig. Ich arbeite gern deckend, flächig und lieb den Siebdruckcharakter der Bilder.
            Gruss Juergen

            1. Ich halte sie manchmal sogar unter Wasser und reibe oder föhne sie dann trocken, damit kein Schaden entsteht.
              Ja, da hast du recht, die Farbe hat Siebdruckcharakter, ich mag die Druckstöcke auch sehr gerne, sie sind wirkliche Wandobjekte!
              Grüße von Susanne

  4. Danke, für den historischen Abriss und den Weg vom Entwurf zum Endprodukt.
    Mir fällt da ein: Kunstunterricht. Im letzten Jahrhundert, das :Linoleum und die Messer. Wäre es nicht Schule gewesen, hätte es Riesenspaß gemacht.

  5. Eine tolle Arbeit und es ist einfach wunderbar, deine einzelnen Schritte bis zum endgültigen Werk mitverfolgen zu können. Danke dafür. Ich habe mich bisher nur in Linoldruck und Radierung ausprobiert und nicht selten landete das Werkzeug in meinem Finger – glücklicherweise nur kleine Schnitte … vielleicht war ich damals einfach zu eifrig bei der Sache, aber Spaß hat es allemal gemacht … 😉

    1. Ich finde auch Anne, dass die Drucktechniken sehr interessant sind.
      Ich finde es spannend auf deinem Blog die unterschiedlichen Arten der Fotografie zu betrachten. Ich wußte gar nicht, dass es soviele Möglichkeiten gibt.

  6. Ich staune immer wieder wie vielseitig du bist. Tolle Arbeit und spannend die einzelnen Schritte mit verfolgen zu können. Das könnte ich mir für mich auch sehr gut vorstellen.
    Liebe grüße Bine

    1. Guten Abend, Bine,
      Holzschnitte sind sehr spannend und machen viel Spaß! Das schöne ist, dass man gut einmal unterbrechen kann, ohne aus dem Fluß zu geraten.
      Liebe Grüße sendet dir Susanne

  7. Hallöchen,

    toll geworden.. Du bist auch immer wieder gut für was Neues.
    Mich erinnert das auch an die Schule, ich habe heute noch die Narbe 🙂
    Und ich kann euch sagen, das blutet wie Sau!!!
    Liebe Grüße Tanja

  8. Hallo Susanne,

    dieser Holzschnitt sieht toll aus, ist dir gut gelungen!
    Besonders gut gefallen mir die einzelnen Linien aus denen du den Hintergrund geformt hast, statt alles wegzuschnitzen, das bringt Bewegung ins Bild und wirkt sehr harmonisch.

    Nachdem ich in der Schule wie wohl fast jeder mit Linolschnitt gequält wurde (ich gehörte zu denen wo das Messer in die Finger schnitt statt ins Linoleum) habe ich dieses Thema lange von mir weggeschoben, das schien mir zu brutal.
    Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mich dann doch mit Holzschnitt befasst, mit Sperrholz und das scheint mir einfacher zu bearbeiten als dein Holz, man musste nur die Linien mit einem Messer nachschneiden und konnte die Stellen die im Druck weiß bleiben sollen quasi „raussprengen“ also in der Mitte die Holzfasern hochheben dass sie sich ablösen und hochfliegen, da Sperrholz ja nur aus dünnen Schichten jeweils gegen die Fasern verleimten Holzes besteht. Mir hat das sehr viel Spaß gemacht und ich werde auch in dieser Art noch weitere Druckplatten herstellen, das fetzt! 😀

    Deinen Schnitt allerdings bewundere ich sehr, allein das Handwerk und die Geduld, nicht zu sprechen von der Geschicklichkeit (ich sehe auch kein Blut), und ich glaube so zarte Linien wird man mit sprödem Sperrholz niemals hinbekommen!
    Ich finde das ganzganz klasse!

    LG Verena.

    1. Danke, liebe Verena.

      Deine Technik mit dem Sperrholz hört sich auch interessant an.
      Es ist so wie du sagst, zarte Linien können nur aus gutem Holz geschnitten werden, dass nicht platz oder aufspringt.

      Blut gab es bei meinem Schnitt nicht, Verena. Ich achte darauf, dass ich immer von mir weg und nicht in Richtung Hand scheide.
      Meine Hände sind mein Kapital zum Zeichnen …. naja, der Kopf gehört natürlich auch hinzu.
      Aber die Anweisungen aus dem Kopf müssen ja auch einen mechanischen Ausführer haben! 🙂

      Einen schönen Samstag wünscht dir Susanne

  9. Gefällt mir gut, deine Königin. Der Holzschnitt drückt für mich Kraft aus, die angemessene Technik für die Darstellung einer Königin. Ähnlich wie ich auch die Holzschnitte im „Moby Dick“ genau die „richtige“ Technik finde, die die Macht der Natur und des Wahnsinns ausdrückt.
    Auch ich bewundere dein handwerkliches Können.

    Liebe Grüße aus Dublin
    Klausbernd

    1. Ja, das finde ich auch, Holzschnitte drücken Kraft aus!
      Ich komme aus einer traditionellen Handwerkerfamilie, mein Bruder ist Glasermeister und hat auch den Familienbetrieb übernommen.
      So habe ich den Umgang von meinem Vater und meinem Bruder mit Werkzeugen seit frühster Kindheit gelernt.
      Danke für dein Lob, Grüße nach Dublin sendet Susanne

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