Die Autobiographie „Ich weiß, ich war’s“ von Christoph Schlingensief habe ich als Hörbuch gekauft.
Es ist das beeindruckteste Buch, was ich dieses Jahr gelesen bzw. gehört habe.
Einen kleinen Eindruck erhaltet ihr in der zdf Mediathek in einem Beitrag der Sendung Aspekte vom 5. Oktober 2012.
Mir gefällt auch die Ressezion von Mara Giese, die ihr hier in ihrem Blog „buzzaldrins Bücher“ lesen könnt.
Schlingensiefs Kritik an die Regierung, dem Gesundheitswesen, dem Kunstbetrieb und vielem mehr, trifft immer genau dort, wo des Übels Kern ist! Und Schlingensief ist dabei sehr humorvoll, sich selbst nicht ernst nehmend und immer mit vollem Einsatz dabei.
Der Kummer und die Fassungslosigkeit zur Diagnose, dass sein Leben bald zu Ende sein wird, seine unsagbare Wut springen mich durch die Zeilen an.
„100% schwerbeschädigt“, sagte er im Schauspielhaus Bochum am 24.11.2009, er dürfe sogar umsonst BVG fahren.
Das hört sich doch klasse an, oder? Ist es auch und sehr sozial, da kann niemand meckern.
Aber welch ein Schmerz und welch eine Erkenntnis in diesen Worten liegen, kann nur ein ebenso Schwerbeschädigter ermessen, der nach neuem Gesetz nicht nur BVG sondern in ganz Deutschland alle Regionalverkehrsmittel umsonst benutzen kann.
Könnt ihr ermessen, wie erledigt und wie müde ein 70 – 100% Schwerbeschädigter ist? Wie schwer es da ist, nur die Treppe zu den Gleisen hoch oder runter zu laufen? Es sind sicher auch diese kleinen Dinge, die die Ohnmacht, die er nach der Diagnose hatte, symbolisieren.
„Wenn dein Leben sich in eine Tragödie verwandelt, versuche, sie als Zuschauer zu betrachten.“ diese Worte von Schlingensief stammen aus dem SZ Magazin Heft 38/2008
Ich selber habe mich hier in meinem Blog im Sommer kurz mit ihm beschäftigt. Aber nach der Lektüre der Autobiografie, die ich sicher in Ausschnitten nochmals hören werde, kommen mir viel mehr Gedanken.
Während des ganzen Buchs war ich so unsagbar traurig, dass er tatsächlich tot ist, das er keine Aktionen und keine Kunst mehr gestalten kann.
Den Hasen auf dem Titelbild des Buches habe ich als Zitat auf Beuys „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ verstanden.
Viele seiner Aktionen erscheinen mir persönlich als Soziale Plastik, dokumentiert durch seine Filme.
Obwohl es mir ein leichtes als Berlinerin gewesen wäre, ihn life bei einer Veranstaltung zu sehen, habe ich ihn nie gesehen. Wie kann ich ihn also zeichnen?
Es ist ein Sinnbild entstanden. Ich habe eine Jesusfigur neben ihm gesetzt. Es hat mich beeindruckt, dass er sich als Trost einen kleinen „Plastik-Jesus“ gekauft hat.
For my English-speaking readers:
I bought the audio book „I know I did,“ by Christoph Schlingensief.
It is the most impressive book I’ve read or heard this year.
Schlingensief’s criticism of the government, health care, the art world, and much more makes, exactly where the rotting core! Schlingensief is very humorous, taking themselves not seriously and are fully committed to it.
The grief and bewilderment for the diagnosis that his life will soon be over, his unspeakable rage jump at me through the lines.
Although it would have been easy as Berliner life to see him at an event, I have never seen him. So how can I draw?
I was created a symbol. I have put a Jesus figure beside him. I was impressed that he bought as a small consolation „Plastic Jesus“.
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Ich weiß, ich war`s von Aino Laberenz, Christoph Schlingensief und Martin Wuttke (4. Oktober 2012) – Audiobook
