Berlin · Betrachtungen zur Kunst · Foto · Polaroid

Spieltrieb – Polaroids von Susanne Haun

Erinnert ihr euch noch an die Zeit der Polaroid Kameras?

David Hockney und Jürgen Küstner haben mich auf die Idee gebracht, die Kamerafunktion meines tablets zu nutzen. Ich habe mir dazu die App FxCamera heruntergeladen.

Eigentlich wollte ich in der S-Bahn lesen aber die Funktion Polaroid hat mich einfach zu sehr angelächelt und so bin ich fotografierend durch die Gegend gefahren.

In der S-Bahn (c) Polaroid von Susanne Haun
In der S-Bahn (c) Polaroid von Susanne Haun

Das ursprüngliche Polaroid Verfahren ist von Edwin Land entwickelt worden; die erste Sofortbildkamera kam Weihnachten 1948 auf den Markt. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Verfahren schon so alt ist. Heute im Zeitalter der digitalen Kameras besitzen nur noch Liebhaber derartige Kameras.

Um so mehr habe ich mich über die Polaraid Funktion in meinem Tablet gefreut. Hier kann ich nicht mit Hilfe der Schneidefunktion den perfekten Bildausschnitt wählen. Was ich im „Sucher“ (auf dem Bildschirm) sehe, ist nicht genau das, was ich fotografiere. Ich musste lernen, abzuschätzen, welcher Bildausschnitt abgebildet wird.

Selbst  (c) Polaroid von Susanne Haun
Selbst (c) Polaroid von Susanne Haun

Zu Weihnachten bekam ich „The polaroid book“ von Barbara Hitchcock geschenkt. Dort habe ich gelesen, das Land von der Wissenschaft und Technik fasziniert war, er studierte ohne Abschluss in Harvard Chemie, entschloss aber abzubrechen und sich ganz der Fotografie zu widmen. Später bekam er den Ehrendoktor Titel. Barabara Hitchcock, Direktorin der Polaroid Sammlung, schreibt im Buch, dass Land im Grunde seines Herzens Künstler war. Ich denke, Wissenschaftler sind auch Künstler, sie müssen kreativ sein, um ihre Forschungen voran zu treiben.

Polaroids haben für mich etwas Spontanes, Nostalgisches und Überraschendes. Das Buch ist voller Beispiele davon und ich zeige euch jetzt meine ersten Ergebnisse meiner S-Bahn Fahrt vorgestern.

In den Außenbezirken  (c) Polaroid von Susanne Haun
In den Außenbezirken (c) Polaroid von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
Do you remember the days of the Polaroid cameras?
David Hockney and Jürgen Küstner have given me the idea to use the camera function of my tablet. I downloaded the app FxCamera.
Actually I wanted to read in the train but the function Polaroid has just smiled at me too much, so I drove through the area photographing.
The original Polaroid process has been developed by Edwin Land, the first instant camera came on Christmas 1948 on the market. I did not think that this method is so old. Today, in the age of digital cameras only have lovers such cameras.

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Hitchcock, Barbara. The polaroid book. 2001 Köln.

27 Kommentare zu „Spieltrieb – Polaroids von Susanne Haun

  1. Oh, was für eine schöne Idee und was für eine tolle Umsetzung, liebe Susanne! 🙂 Über David Hockney habe ich mal ein Referat gehalten, er hat unheimlich viele spannende Fotoideen gehabt. Leider kenne ich mich im Kunstbereich, genauso wie bei der Fotografie nicht wirklich aus. Irgendwann habe ich mal Nan Goldin entdeckt, die ich sehr gerne mag.
    Für Polaroids bin ich leider zu jung, ich habe das Gefühl, bereits mit der Digitalkamera aufgewachsen zu sein. Schade eigentlich. Ich möchte übrigens nächstes Semester an einem Unikurs teilnehmen, in dem man seine Fotos selber entwickelt – das finde ich auch sehr spannend.
    Ich wünsche dir noch einen schönen Restsamstag! 🙂
    Mara

    1. Guten Morgen, Mara,
      die Fotos von Nan Goldin finde ich bewegend, besonders „Amanda in the mirror, Berlin 1992“ und „Self-Portait in my Blue Bathroom, Berlin 1991“, beides Fotos aus einer Ausstellung von ihr in der Berlinischen Galerie. Das blaue Badezimmer finde ich besonders beeindruckend, weil ich genau diese schrecklichen blauen dunklen Fliesen in meiner Wohnung im Badezimmer habe. Ich weiss gar nicht genau, in welchen Jahren die Wohnungsgesellschaft diese Fliesen gewählt haben.
      Ich finde interesssant, dass du schon das Gefühl hast, mit der digitalen Kamera aufgewachsen zu sein. Ich habe mal geschaut, ich habe die erste digitale Kamera 2001 besessen. Am besten fand ich, dass ich ab diesem Zeitpunkt meine Kunst viel besser fotografieren konnte.
      Selbst entwickeln finde ich auch toll, mein einer Malschüler, der an meinem Wochenendkurs teilnimmt, macht das gelegentlich auch noch. Er kommt eigentlich aus dem Fotosgrafiebereich und interessiert sich fürs Zeichnen. Ich wünsche dir viel Freude bei dem Kurs!
      Liebe Grüße sendet dir Susanne

  2. Als jemand, der noch selbst Polaroids gemacht hat und weiß, dass das nur ein Notbehelf war, ein teurer übrigens, weil es sonst keine Möglichkeit gab, sich seine Bilder sofort anzusehen – kann ich nicht so recht verstehen, wieso man heute, da zum Glück niemand mehr Polaroids braucht, die technisch besseren Aufnahmen von heute mit Hilfe einer App so schlecht macht, damit sie aussehen wie die Polaroids, die man damals halt nicht besser hingekriegt hat. Nostalgie? Sehnsucht nach dem Unperfekten?

    1. Hallo Martin,

      ich erinnere mich auch noch gut an die Polaroid Kamera meiner Mutter. Lange ist es her. Die Spannung, wenn die Familie um das Fotopapier gesessen hat und schaute, was da wohl zum Vorschein kam. Ich habe meine Eltern gefragt, ob sie diese Fotos noch besitzen und mein Vater möchte sie heraus suchen.

      Ich mag daran den Zufall, den Augenblick des Schauens und das Unperfekte. Es wirkt mit unter lebendiger als das Perfekte. Zum Unperfekte schaut der Betrachter und bei den Ausschnitten überlegt er, was wohl rund um den Ausschnitt alles passiert ist. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch perfekte Bilder mag und zu schätzen weiss. Ich finde diese beiden Arten der Fotografie nicht vergleichbar. Sie haben für mich völlig andere Funktionen.

      Ich wünsche dir einen schönen Sonntag, lg aus Berlin

    1. Das stimmt, Martina, es dauerd nicht mehr lange, dann ist das Jahrhundert nötig. Danke für das Kompliment, ich mag meinen langen Mantel mit dem künstlischen Pelz und den Rosenhäkelschal… Liebe Grüße nach Frankfurt sendet dir Susanne

  3. Die fotografische Aufnahme ensteht notwendigerweise in einem Augenblick, das gemalte Bild dagegen im langsamen Abtasten der einzelnen Komponenten eines Gesichts und des Körpers. [Dieter Masuhr: „Über Unterschiede zwischen Fotografie und Malerei.“]

    1. Ja, Jolomy, dieses Zitat mach ich sehr gerne, ich sage es auch immer meinen Schülern! In eine Zeichnung laufen alle Augenblicke, die der Zeichner zum zeichnen braucht in das Bild ein!
      Danke für deinen Besuch auf meinem Blog!
      Ich wünsche dir einen schönen Sonntag, Susanne

  4. guten Morgen, liebe Susanne, ich bin gerade verblüfft, dass sogar der „Charme“ der Polaroids bei dieser App erhalten blieb … irgendwie finde ich es fast erholsam bei all diesen überbunten Digifotos

    hab einen feinen Sonntag
    herzliche Grüße Ulli

    1. Ich bin auch ganz begeistert von der App. Gestern hatte mein Malschüler seine beiden Polaroids mit, die machen wirklich schlechte Bilder, ich hatte verdrängt wie schlecht die Polaroid Bilder sind.
      Ich wünsche dir einen schönen Wochenbeginn, ich werde mich nach dem Beantworten der Kommentare auch gleich wieder an mein Manuskript setzen.
      LG Susanne

  5. Oh, dieses dokumentierende „HERUM“ fotografieren liebe ich sehr. Ich mach auch mit meiner neuen Kamerea ständig Schnappschüsse aus den unmöglichsten Perspektiven, bin aber noch nicht auf die Idee gekommen, sie zu veröffenltichen. Ist mehr ein Privatspaß 🙂
    Gefällt mir was du da zeigst.
    Einen schönen Sonntag
    Anna

  6. Thanks for becoming a subscriber. I’ve written a number of posts about my devotion to the Polaroid camera, which I recently (six months ago) excavated from storage. If you want to read the posts, I’ll send you the individual links. These posts show images that I’ve taken this year and in the past. The most exciting change for those of us who adore the SX-70 camera is The Impossible Project, which makes film for the cameras.

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