Collage · Zeichnung

Das zerschnittene Zauberbuch und Hermann Hesse zum Glück – Collage von Susanne Haun

„Um einen Kindertag wieder herzustellen, bräuchte es 1.000 Bilder.“
Hermann Hesse

Vor einiger Zeit las und hörte ich im sätzeundschätze- Blog das Pausenzeichen: Hermann Hesse liest “Über das Glück” (1949).

 

Blatt 48 - Daszerschnittene Zauberbuch - 25 x 25 cm (c) Collage von Susanne Haun
Blatt 48 – Das zerschnittene Zauberbuch – 25 x 25 cm (c) Collage von Susanne Haun

 

Während ich an dieser Collage arbeitete, hörte ich Hesses Ausführungen vom Glück.

 

Das neu Zusammensetzen des zerschnittenen Zauberbuches (c) Foto von Susanne Haun
Das neu Zusammensetzen des zerschnittenen Zauberbuches (c) Foto von Susanne Haun

 

 

Ich fand dazu sehr passend das Foto von zwei jungen Männern, fast noch Knaben am Beginn ihres Lebens. Dazu ordnete ich die Seite aus einem Märchenbuch in altdeutscher Schrift. Ich suchte mir die Geschichte „Das Zauberbuch“ aus. Die Puppe ohne Beine, schon sehr ramponiert legte sich dann fast wie von selber neben dem Bild. Diese Puppe ist auch der Ausgangspunkt für ein Objekt zum Thema „double bind“, was noch in meinem Kopf schwirrt. Es soll der Gegenpart zu Jürgens sachlichem Objekt (siehe hier) zum Projekt werden.

 

Zum Kind sein gehört eine Puppe (c) Foto von Susanne Haun
Zum Kind sein gehört eine Puppe (c) Foto von Susanne Haun

In meiner Collage wird der Puppenkörper zum lebendigen Kind, dass auf die halberwachsenen Männer schaut. Das Alter hat in dieser Collage nichts zu suchen. Obwohl ich persönlich in jedem Alter Glück finde!

 

11 Kommentare zu „Das zerschnittene Zauberbuch und Hermann Hesse zum Glück – Collage von Susanne Haun

  1. Liebe Susanne, das sind immer die schönsten Momente – wenn ein Beitrag einen anderen Blogger anregt, zudem noch bei der Arbeit Impulse gibt. Danke dafür. Und auch einmal mehr für die Art und Weise, wie du uns an den Entstehungsgeschichten teilhaben lässt – toll…
    Für heute alters- und wunschlos glücklich,Birgit

    1. Danke, liebe Birgit. Es hat mich sehr inspiriert. Ich lese deinen Blog gerne. Immer wieder erhalte ich neue Anregungen. Zur Zeit höre ich Wilhelm Genazinos Mittelmäßiges Heimweh. So melancholich, ehrlich und traurig ist es sehr passend zu meinen Fotocollagen.
      Dazu lese ich die Philosophie im Zeitalter der Extreme, da komme ich nur langsam voran. Ich will immer zuviel auf einmal aber es ist nicht schlimm, ich kenne mich und kann damit umgehen.
      Liebe Grüße von einer ebenso alters- und wunschlos glücklichen Susanne

      1. Guten Morgen!
        Das alles auf einmal wollen (also gerade beim lesen und lernen) kenne ich gut – aber wie Du schreibst, wenn man damit umgehen kann, ist das ja auch was positives: Immer neugierig bleiben. Ich freue mich auf die Genazino-inspirierten Arbeiten! Birgit

        1. Guten Morgen, Birgit, Genanzino hat meine letzten drei Collagen beeinflusst. Das eine ist die Auflösung des Jedermanns in meiner selbst, die Neuordnung des Jedermanns und ein Selbstportrait mit Nebelkrähen der Größe 50 x 40 cm. Ich gleite beim Hören während der Arbeit oft in meine Gedanken ab und bin ganz bei meiner Arbeit, dann muss ich immer wieder und wieder bei den Kapiteln aufsetzen.
          Susanne
          P.S. Ich beginne gleich, über meine Texte zu den Arbeiten von Genanzino nachzudenken. Bei mir läuft die zeichnerische Arbeit und der Blog oft parallel ab und ich habe zuerst Entwürfe mit Fragmenten meiner Gedanken.

  2. „Über das Glück“ gibt es auch auf Platte bzw. CD. Hesse liest darauf auch noch einige bekannte Gedichte wie: „Im Nebel“. Das wurde seinerzeit in einem Tonstudio in Offenbach (meine Geburtsstadt und mein Wohnort) aufgenommen. Es ist schön Hesses warme und weiche Stimme zu hören mit diesem schwäbischen Akzent. Hesse hat mir einmal sehr geholfen, als ich von meiner ersten Liebe verlassen wurde. Er schrieb sinngemäß, dass man den Schmerz nicht bekämpfen, sondern zulassen soll, damit er irgendwann seinen tiefsten Punkt erreichen kann und wenn er den erreicht hat, kann er nur nachlassen. Man könnte auch sagen: Den Schmerz ausleben, damit er verarbeitet werden kann. Hesse hat mein ganzes Leben verändert bzw. die Lektüre seiner Werke.

    LG Sven 🙂

    1. Danke für den Hinweis, Sven, ich werde mir die CD sicher in der nächsten Zeit kaufen.
      Ich habe zwei Gedichte von Hesse illustriert. Einmal Piktors Verwandlungen: http://susannehaun.com/category/illustration/hermann-hesse-piktors-verwandlungen/
      und Der Wolf: http://susannehaun.com/category/illustration/hesse-der-wolf/
      Was du über den Schmerz schreibst, kann ich nur bestätigen. Wenn er verarbeitet ist, bleibt er trotzdem tief im Inneren und hilft, das Glück korrekt zu erkennen!
      Einen schönen Sonntag wünscht dir Susanne

      1. Volker Michels ist der Nachlassverwalter von Hesse und ein fleißiges Kerlchen :). Ich kenn ihn nicht persönlich, habe aber schon einmal zum Geburtstag ein Hesse-Taschenbuch mit einer tollen Widmung von ihm bekommen oder zu Weihnachten ein Hesse-Buch von Heiner Hesse signiert. Zu der Zeit fuhr er öfters in die Schweiz, um dort hinterlassene Papiere des Dichtes zu sichten. Ja ich bekam das aber nur, weil eine gute Freundin ihn kennt und ihm erzählt hat, dass ich der absolute Fan bin. Michels bringt ja ständig neues über den Insel-Verlag heraus, hat sich aber auch viel um Rilke bemüht in der letzten Zeit. Die Verbindung zwischen dieser meiner guten Bekannten und ihm ist aber nicht mehr so gut, sonst hätte ich ihr mal den Link für dein Blog mitgegeben.

        Er wohnt in Offenbach am Main, Friedrichstr. 16

        Ich selbst hab mal ne Zeit lang alles verschlungen, was Hesse geschrieben hat und hatte Angst, dass es mal nichts mehr Neues zu entdecken gibt. Aber das war ein Trugschluss, denn wenn man den Steppenwolf etwa ein paar Jahre später noch einmal liest, liest man ein neues Buch, weil man ja aus einem geweiteten Horizont liest und mit anderen Augen liest. Ich kenne keinen Autoren, aus dessen Büchern dermaßen Wärme und Verständnis strahlt. Und es gibt ja auch die gesammelten Briefe und Rezensionen und Gemälde (kennst du die Hesse-Kalender mit seinen Bildern?).

        Ich hab dank Hesse mein Abitur auf der Abendschule nachgeholt und Germanistik (Nebenfächer: Philosophie und Psychoanalyse) studiert. Wie gesagt: Hesse hat etwas in mir bewirkt.

        Schönen Sonntag, Sven

        1. Danke für deine vielen Hinweise, Sven.
          Den Hesse Kalender kenne ich – ich habe ihn einmal zu Weihnachten von meinem Sohn geschenkt bekommen.
          Ich studiere zur Zeit auch Philosophie, jedoch nur als Nebenfach. Mein Hauptfach ist die Kunstgeschichte.
          Zur Zeit lese ich von Gerhard Gramm ein Buch zur Philosophie im Zeitalter der Extreme. Es bringt mich auch weiter – auf eine andere Art als die Hesse Bücher.
          Ich finde es toll, dass du später studiert hast.
          Ich studiere ja zur Zeit noch. Es gibt einige an der FU, die in meinem Alter sind das gro ist allerdings im Alter von meinem Sohn.
          Ich denke auch, je öfter ich ein Buch lese, desto mehr entdecke ich. Ich bin ein Ecken- und Markier – Leser, so dass ich auch beim zweiten Mal Lesen noch die wichtigen Stellen und Kommentare von den vergangenen Lesedurchgängen sehe. Oft merke ich dann, welche Schritte ich in Richtung Wissen und Weisheit gemacht habe.
          Das finde ich interessant.
          Ich wünsche dir einen schönen Montag, Grüße von Susanne

          1. Ja, ich streiche auch an mit eine Bleistift zur Zeit 6B 🙂 und erfreu mich beim Wiederlesen an meinen Unterstreichungen, Randbemerkungen und Markierungen. So bekommt ein Buch ein ganz eigenes Leben.

            Hesse hat ja aus viele philosophischen Quellen geschöpft, besonders aus der ostindischen Weisheit. Jeder Philosoph bzw. jede Buch über Philosophie bietet einen anderen Ansatz, erweitert den Horizont auf seine Weise.

            Ich wünsch dir weiterhin viel Freude und Erfolg, Sven

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