Susanne Haun

Susanne Haun Zitat am Sonntag – Folge 123 – Friedrich Schiller

Posted in Zeichnung, Zitat am Sonntag by Susanne Haun on 20. Dezember 2015

Die Betrachtung (Reflexion) ist das erste liberale Verhältnis des Menschen zu dem Weltall, das ihn umgibt.²
Friedrich Schiller (hier ein interessanter Link zum Friedrich Schiller Projekt)

 

Gulliver oder Glück durchdringt die Welt (c) Zeichnung von Susanne Haun

Gulliver oder Glück durchdringt die Welt (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

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² Schiller, Friedrich, zitiert nach Hornemann v. Laer, David, Galileo Galilei, in: Kunst & Material, Sept./Okt.2015.

8 Antworten

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  1. gkazakou said, on 20. Dezember 2015 at 14:28

    ich verstehe nicht recht: Benutzt Schiller beide Ausdrücke – Betrachtung und Reflexion? Oder ist Reflexion ein Wort, das der Zitierende als Erklärung hinzugesetzt hat? Betrachtung, die mithilfe von Auge und geistigen Bildern stattfindet, ist ja doch etwas ganz anderes als Reflexion. Wie siehst du das? Schönen Sonntag noch! Gerda

    • emhaeu said, on 21. Dezember 2015 at 18:04

      Betrachtung steht hier im Gegensatz zur bloßen Empfindung; bei der Betrachtung wird laut Schiller sozusagen eine Distanz zwischen der Umgebung und dem Menschen gelegt, die ihm die Möglichkeit eröffnet, sich frei (=liberal) zum Gegenstand zu verhalten. Der nächste Satz nach dem zitierten Satz heißt entsprechend: „Wenn die Begierde ihren Gegenstand unmittelbar ergreift, so rückt die Betrachtung den ihrigen in die Ferne und macht ihn eben dadurch zu ihrem wahren und unverlierbaren Eigentum, daß sie ihn vor der Leidenschaft flüchtet. Die Notwendigkeit der Natur, die ihn im Zustand der bloßen Empfindung mit ungeteilter Gewalt beherrschte, läßt bei der Reflexion von ihm ab, in den Sinnen erfolgt ein augenblicklicher Friede, die Zeit selbst, das ewig wandelnde, steht still, indem des Bewußtseins zerstreute Strahlen sich sammeln ….“

      • Susanne Haun said, on 23. Dezember 2015 at 10:34

        Danke, Martin, ich glaube, dass diese Distanz sehr wichtig ist. Mein Dozent an der Uni im Grundkurs Kunstgeschichte meinte, dass ich selber als Künstlerin diese Distanz nie zu meinen Werk erhalten werde. Und auch meine Zeitgenossen könnten diese Distanz zu meinem Werk nicht aufbauen. Er ist der Meinung, dass mindestens hundert Jahre vergehen müssen, um diese Distanz zu erhalten.
        Der nächste Satz des Zitats von Schiller ist sehr schwierig zu verstehen. Ich verstehe nicht so recht, was Schiller unter Reflexion versteht. Leidenschaft? Empfindung? Wie ist dieser Satz zu verstehen Martin? Sehe ich das richtig, dass die bloße Empfindung den Menschen aufwühlt, während er bei der Betrachtung Frieden in seinen Gedanken erfährt? Wird das Subjekt mit der Betrachtung von verschiedenen Wahrheiten friedlich?
        Vorweihnachtliche Grüße von Susanne

        • emhaeu said, on 28. Dezember 2015 at 19:01

          Hallo Susanne, der Schiller, dass muss man mal sagen, schreibt einen fürchterlichen Stil. –

          Er meint ja, dass, wie du schreibst, Distanz sehr wichtig ist. Diese Distanz wird durch (bewusste!) Betrachtung oder eben Reflexion hergestellt. Leidenschaft ist immer unmittelbarer, stört also den Aufbau einer Distanz. So weit, so gut.
          Was jetzt kommt, scheint mir ein sehr gewagter Gedanke zu sein.

          Schiller geht es darum, dass der Mensch nicht mehr bloß der Natur und seiner eigenen Natur ausgeliefert ist. Er soll auf ein höheres Niveau, das er den „ästhetischen Zustand“ nennt. Es gibt dann noch ein höheres Niveau, den „moralischen Zustand“. Beim „ästhetischen Zustand“ (der mit Kunst erst mal trotz des Wortes nicht viel zu tun hat) wird der Mensch frei davon, der Natur und ihren Zwängen unterworfen zu sein. Das erfährt er als Befreiung, als Friede, als einen Glücksmoment.
          Das ist natürlich, wie gesagt, recht gewagt, ob sich durch die Reflexion, die Distanz, auch notwendigerweise solch ein glücklicher Zustand einfindet.
          Im weiteren kommt Schiller dann doch zur eigentlichen Ästhetik, der Lehre vom Schönen zurück. Denn die Betrachtung der Schönheit öffnet für ihn sozusagen den Raum der Ideen, einen Raum für das freie Spiel der Ideen – – –
          Wird dann, so scheint mir, immer schwieriger, weil er sich ganz eigene Begriffe aufbaut – und dazu dieser verquere Stil. — Du siehst, ich mag Schiller nicht …

          Wünsche Dir schon einmal einen guten Rutsch!

          Martin

          • Susanne Haun said, on 29. Dezember 2015 at 20:03

            Hallo Martin, danke für diese ausführliche Antwort. Ein wenig kommt es mir vor, als ob Schiller Platons Höhlengleichnis vergewaltigt und für seine Gedanken verbogen hat. Auch bei Platon erreicht der Mensch verschiedene Zustände (Stufen) bis er den „Weg des Lichts“ gefunden hat.
            Deshalb mag ich Descartes als Philosophen: er schreibt, dass er sich in seiner Philosophie so ausdrücken möchte, dass die Gedanken leicht zu verstehen und wie ein Lesebuch gelesen werden können. Ob er das immer einhält, ist hier noch die Frage, ich denke an seine Wirbeltheorie, an der ich mir fast die Zähne ausgebissen habe.
            Ich wünsche dir auch einen guten Rutsch,
            Susanne

    • Susanne Haun said, on 23. Dezember 2015 at 10:22

      Liebe Gerda,
      Martin hat hier ja schon viele Gedanken dazu geäußert. Ich denke, dass die Redaktion von „Kunst und Material“ die Reflexionen hinzugefügt hat, ich weiss es aber nicht. Betrachtung ist also eher wissenschaftlich, vielleicht distanziert? Währen die Reflexion auch die Deutung beinhaltet. Wenn ich reflektiere, vergleiche ich und suche einen Zusammenhang zu anderen wissenschaftlichen Errungenschaften. Was aber ist das Wort für emotionale, sinnliche Aufnahme der Dinge?
      Dir einen schönen Mittwoch von Susanne

  2. Arno von Rosen said, on 20. Dezember 2015 at 14:36

    Ein wundervolles Bild, gefällt mir sehr – vielen Dank.


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