„Es liegt nur an den anderen, sie sind nicht hier wo ich bin und andere sind da, denen ich jetzt näher stehe.“
Max Frisch Aus dem Berliner Journal²
Dieses Buch ist für mich ein Stück Geschichte. Es wird beim hören in mir die Stimmung des alten West-Berlins aufgebaut, das ich aus meiner Jugend kenne, 1973 war ich 8 Jahre alt. Wie es damals war, in West-Berlin zu leben, das kann ich nicht einmal mehr meinen Sohn begreiflich machen. „Das geht doch gar nicht. Eine Stadt, ein ganzes Land einzuzäunen.“. Und doch – es ging und wir lebten in West-Berlin in einer Oase gemessen an dem heutigen Berlin in der Provinz. Und es war nicht einfach, Freundschaften außerhalb Berlins aufzubauen. Eine Fahrt nach Westdeutschland war immer mit großem Aufwand und langem Warten an den Grenzen verbunden. Die Einreise in die DDR nach Ost-Berlin erzeugte aufgrund der politischen Situation großes Unbehagen.
Gestern machten wir einen Spaziergang am Mauermuseum – es ist für uns immer noch unbegreiflich das dort, wo wir in unserer Kindheit und Jugend selbstverständlich an der Grenze wandelten und zur Schule gingen nun ein Museum steht, das die Bewohner der gesamten Welt anzieht. Oft habe ich bei meiner Freundin, Bernauer Ecke Hussitenstraße geschlafen. Wir sind den Schulweg von dort abgelaufen. Die Veränderungen sind dort für mich am gewaltigsten.
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² Frisch, Max. Aus dem Berliner Journal, Berlin 2014, Hörbuch 1:20.
