Susanne Haun

Susanne Haun Zitat am Sonntag – Folge 140 – Alan Bennett

Posted in Zeichnung, Zitat am Sonntag by Susanne Haun on 24. April 2016

 

„Wer schreibt, führt Selbstgespräche.“  – Alan Bennett²

 

Gespräch (c) Zeichnung von Susanne Haun

Gespräch (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Was bedeutet das Motto von Bennet für die Bloggerwelt, die zum Teil das Tagebuchschreiben abgelöst hat und ist jede Zeichnung ein Selbstgespräch?

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²Bennett, Alan. zit. n. Peitz, Christiane, Immer schn bergab, in: Der Tagesspiegel, Nr. 22730, Berlin 2016, S. 26.
 

6 Antworten

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  1. ladyfromhamburg said, on 24. April 2016 at 14:23

    Im Bezug auf Blogger würde ich annehmen, dass es bei sehr vielen zunächst eine Art Tagebuchersatz und etwas zum Gedanken sortieren oder auch festhalten ist. Hat also ganz im Sinne von Bennett durchaus diesen Selbstgesprächcharakter.
    Der weitere Verlauf ist nur unterschiedlich. Tagebuch bleibt Selbstgespräch. Beim Bloggen hingegen wird nach dem Niederschreiben die Privatheit sehr schnell aufgegeben. Das Verschwiegene eines Tagebuchs ist nicht mehr vorhanden, und aus den Selbstgesprächen (sind es zu Beginn beim Formulieren immer noch) werden mit dem Moment der Veröffentlichung Dialoge oder ganze Diskussionsrunden.
    Die Reaktion kann durchaus gewünscht sein, doch das typische, grundehrliche Selbstgespräch, das schonunglose Niederschreiben zu wirklich jedem Thema und jedem Gedankengang, das geht leider irgendwann flöten. Zu sehr hemmen und beeinflussen die Überlegungen, was hinaus in die weite Welt des Web darf.

    Was Malen/Zeichen angeht, so würde ich intuitiv mit „ja“ antworten. Ob Bild oder Text – es ist eine starke und sehr persönliche Ausdrucksform, meist besteht diese ernsthafte Auseinandersetzung mit sich selbst. Irgendwo auch (teilweise sicher unbewusstes) Selbstgespräch. Allerdings nicht grundsätzlich!
    Ich denke, dass es sowohl beim Schreiben als auch beim Zeichnen immer wieder zwischendurch rein praktisches Erstellen gibt und damit Momente des Arbeitens, in denen keine oder nur sehr wenige wirklich persönliche Gedankengänge und Gefühle Einfluss nehmen.

    LG Michèle

    • Susanne Haun said, on 25. April 2016 at 07:08

      Liebe Michèle,

      danke für deine ausführliche Antwort.
      Die Intention für das Schreiben erscheint mir sehr wichtig. Vielleicht werden die Texte, egal ob man sich dem bewusst ist oder nicht, immer mit diesen Gedanken im Hinterkopf geschrieben oder gezeichnet. Dann wäre es trotz der Gedanken immer ein Selbstbespräch.
      Natürlich ist man sich im Hinterkopf der Öffentlichkeit bewusst.
      Ich führe das ehrliche Selbstgespräch eher in der Badewanne und finde dort auch immer Lösungen. In meinem BAdezimmer gibt es kein Fenster, Radio, Bild, es soll ein Ort der freien, losgelösten Gedanken sein.
      Der Ausdruck „praktisches Erstellen“ hat mir gefallen – ich hoffe immer, das mein Handwerk automatisch funtioniert und ich so meinen Gedanken freien Lauf lassen kann.
      Einen schönen Montag wünscht dir Susanne

  2. trina59 said, on 24. April 2016 at 19:04

    Bloggen ersetzt für mich nicht das Tagebuchschreiben. Was ich in die öffentlichkeit gebe, überlege ich mir sehr gut. Mein Tagebuch ist der Ort, an dem ich mich schonungslos mit mir selbst auseinandersetze, Einblicke gewinne, meine Gefühle hemmungslos äußere, um auf diesem Wege wieder Klarheit und Frieden mit mir zu finden, Pläne und Lösungen aufschreibe. Ich lese gern in meinen alten Tagebüchern, sie helfen mir, mich und mein Leben zu verstehen. Ja, beim Schreiben führe ich Selbstgespräche, wobei ich in diesem Prozess recht verkopft bin. Malen hingegen ist für mich Emotionalität. Da lasse ich mich in die Farbe fallen und mein Kopf wird ganz frei von jedem Gedanken.
    LG, Trina

    • Susanne Haun said, on 25. April 2016 at 07:12

      Guten Morgen, Trina,
      danke für deine ausführliche Antwort.
      Du hast Recht, es ist sehr wichtig, sich genau zu überlegen, was die Öffentlichkeit erfährt.
      Ein Selbstgespräch ist immer ein Prozeß mit vielen Zwischenständen. Früher habe ich meine Eltern an diesem Prozeß der Zwischenstände teilhaben lassen. Sie haben jedoch meine Zwischenstände für die Endstände gehalten und so hörte ich dann oft, „du hast aber das und das gesagt, …. “
      Heute weiß ich, dass die Gedanken nur einem selber gehören.
      Vielleicht ist das Bloggen eine wohlüberlegte Teilmenge eines Tagebuchs. Manchmal hilft es und ein Ding gewinnt an Klarheit, wenn man etwas ausformulieren muss!
      Liebe Grüße und einen schönen Tag von Susanne

  3. gkazakou said, on 24. April 2016 at 21:47

    interessante Zeichnung, die das Gespaltensein des Menschen in Ich und Du im Vorgang der Selbstreflexion wiedergibt. Der Blog ist was anderes. Der wendet sich ausdrücklich an eine Öffentlichkeit und sucht die Resonnanz von außen.

    • Susanne Haun said, on 25. April 2016 at 07:14

      Schwierig Gerda. Mein Blog hat mehrere Funktionen, die Öffentlichkeit – sicher! – , aber auch die Funktion des Werkverzeichnisses und die Funktion, Gedanken für mich selber festzuhalten, die ich durch die Suchbegriffe wieder finde. Mit meinem Blog kann ich schnell Ausstellungen zusammenstellen und Texte für Ausschreibungen zur Kunst verfassen. Einfach, weil ich viele Gedanken schon formuliert habe.


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