
Die Antworten auf meiner Frage nach der Existenz der Kunst möchte ich gerne festhalten.
„Ich würde das nicht mal auf die Medien eingrenzen: Existiert Kunst nur, wenn sie einen Betrachter hat, also gezeigt wird? Ist das Schaffen Kunst oder aber das Interpretieren? Waren Gaugins Bilder schon Kunst, als sie noch auf dem Dachbboden eines Gemüsehändlers lagen oder erst, als sie ins Museum kamen? Wie ist das mit Bildern von Max/Klara Müller?“
Sandra von Siebenthal
Danke für dein Feedback, Sandra. Kunst braucht ihre Betrachter*innen. Ich würde sogar soweit gehen, dass sie auch eine gelungene Präsentation benötigt. Kunst die im Keller, unter dem Bett oder eben auf dem Dachboden eines Gemüsehändlers lagert ist zwar schon Kunst, ungesehne und zum Teil vergessene Kunst. Das diese Kunst jedoch die Generationen überdauert, das ist wohl eher ein Glücksfall.
„Eine gute Frage, Susanne! Natürlich existiert Deine Kunst auch ohne Veröffentlichung. Du könntest sie auch unterm Bett verstecken – sie wäre weiter in der Welt. Doch für den Betrachter ist sie dann unsichtbar. Solange bis Du sie doch zeigst oder wir unter Dein Bett kriechen.“
Dominique Hensel
Die Frage ist, liebe Dominique, ob Kunst, die unter dem Bett lagert die Generationen überdauert. Das ist jedoch wieder eine andere Frage. Wie ist „unsichtbare Kunst zu bewerten? Du merkst, das Thema gärt in mir.
„(…) Und nein, ich würde nicht sagen, dass die Kunst nur existiert, wenn sie im Blog oder auf Instagram gezeigt wird… ; )
Liebe Grüße, Hannah
PS So, wie deine Bilder entstanden sind (jenseits der Blog und Instagram-Welten) konnten sie liebevoll, sorgfältig und in aller Ruhe angefertigt werden und heranreifen, vielleicht sogar gerade, weil sie jenseits der digitalen Welten ins Leben gerufen wurden und eben nicht gleich abphotographiert und im Internet ausgestellt wurden, würde ich meinen…“
Hannah Buchholz
Ja, liebe Hannah, es ist sehr entspannend zu arbeiten, ohne auf „Instagrammability“ zu achten. Ich habe es sehr schätzen gelernt.
„Natürlich wünsche ich mir, dass sie persönlich gezeigt werden kann, aber ich freue mich auch, dass ich über Instagram Arbeiten von Menschen sehen kann, die keine Ausstellungsmöglichkeiten haben oder soweit weg sind, dass ich dort nicht hin kann. Ich würde hier also keine entweder oder Entscheidung treffen. Lg Andrea“
Andrea Krämer
Ja, Andrea, real ist immer besser hat aber weniger Reichweite, während das digitale die Authentizität und Haptik verliert. Gibt es in deinem Atelier Kunstwerke, die du weder real noch digital zeigst?
„Jede Menge, ich hätte übrigens derzeit keine Idee, was ich in einem Werkverzeichnis hinterlegen würde. Nicht jeder Druck ist ein Kunstwerk.😅“
Andrea Krämer
Das ist der Vorteil eines Werkverzeichnisses, dass du selbst als Künstlerin erstellst: du kannst auswählen, was in das Werkverzeichnis gehört.
„Die digitale Welt ist unheimlich, es gibt viel zu viele Fälschungen.Kunst sollte mehr gefördert werden, es gab vor Jahren die Juryfreie Kunstausstellung, sie gab auch unbekannten Künstlern die Möglichkeit ihre Arbeiten zu zeigen. Auf der FBK (so hieß die Ausstellung damals) gab es einen Basar 99, da haben Künstler graphische Arbeiten für weniger als 100 DM angeboten, das war für viele Besucher der Einstieg für eine Kunstsammlung. Ich wünsche Dir mit Deinen Arbeiten viel Erfolg.🌲🌞🌲“
Jörg P. Anders
Danke, Jörg. Ja, eine freie Kunstausstellung wäre eine feine Sache. Auf manchen Kunstmärkten kann man solche Perlen heute noch mitunter finden. Ich wünsche dir ein besinnliches Weihnachtsfest, herzliche Grüße von Susanne
Wenn ich Kunst in der realen Welt mache, existiert sie, überall, wo man sie wahrnehmen kann. Dabei kann die Kunst analog oder digital sein. Und sie existiert zuerst für mich und wenn ich sie anderen Menschen zeige, ob an Galeriewänden, im Stadtraum oder in sozialen Medien, nehmen sie hoffentlich auch andere Menschen wahr und machen ihre eigenen Erfahrungen damit 😇
Annebaerlin
Das hoffen wir alle, Anne. Wichtig, dass du erwähnst, dass die Kunst zuerst für uns Künstler*innen existiert. Ein schönes Weihnachtsfest für euch!
NÖ. Kunst ist allgegenwärtig – es ist für mich eine Art der Betrachtung – Kunst muss nicht vom Mensch geschaffen sein. Ist es nicht wichtig das die Kunst bewahrt und nicht reglementiert wird?
Christian, Sampor Kaffee
Ja, Christian, das ist ein sehr wichtiger Aspekt. Leider ist das mit dem Bewahren schon ein Problem. Nach dem Tod von Künstler*innen sind die Erb*innen in der Regel schon überfordert. Wo die Kunst aus dem Atelier lagern? Wie kann dieser Nachlass verkauft, ausgestellt und in Museen etc. untergebracht werden?
Deshalb rege ich dazu an, Werkverzeichnisse zu erstellen. Nicht nur, um den Erb*innnen das Leben zu erleichtern, sondern auch um als Künstler*in einen Überblick zu erhalten.
Nun zur vom Menschen geschaffenen Kunst. Laut unserem Urheberrecht liegt nur dann Kunst vor, wenn sie von Menschen geschaffen wurde. Nicht von Tieren und vor allem nicht von einer KI. Was zu diskutieren wäre. Denn die KI unterstützte Kunst entsteht durch eingabe von einem Promt.
Viele Grüße und danke für deine Antwort, Susanne

Eine vielschichtige Diskussion, liebe Susanne, wie sich auch in den Kommentaren zeigt. Ich versuche mal, einen Gedanken dazu aufzuschreiben: Wenn ich etwas male, zeichne, oder sonstwie im Raum der Sichtbarkeit erschaffe („Bild“), handelt es sich um einen intimen Dialog zwischen mir und dem „Bild“. Tritt ein Dritter hinzu, entsteht ein Dialog zwischen mir und dem Dritten, worin das Bild das Objekt ist, über das wir kommunizieren. Der andere will etwa wissen, was ich mit dem Bild „meinte“, er wird mir sagen, was es bei ihm auslöst, er wird vielleicht nach dem Titel, dem Preis und der angewendeten Arbeitszeit fragen, er wird ein Urteil bilden, ob das „Kunst“ ist, und wenn ja, was für eine Kunst: ernste, wichtige, schmückende, unterhaltsame, originelle, gekonnte, stümperhafte, großartige, Möchtegern- Kunst. All dies kann in einem direkten Dialog oder eben auch in der Anonymität des Kunstmarktes und der digitalen Welt geschehen.
Mich wird dieser Vorgang in meinem intimen Dialog mit dem „Bild“ kaum beeinflussen, genauso wie ich ihn meinerseits kaum beeinflussen kann. Ich kann unabhängig davon für mich selbst beschließen, welche meiner Bilder „Kunst“ sind, die ich der Welt zeigen und die ich aufbewahren möchte, welcher Preis ihnen angemessen ist und wie ich sie präsentiert haben will. Dieses mein Urteil ist nur für mich verbindlich, für niemanden sonst. Wenn ich durch einen Vetrag mit einer Galerie gebunden, habe ich nur schränkte Kontrolle. Wenn ich sterbe, verliere ich diese Kontrolle ganz, außer ich habe entsprechende Anweisungen an die Erben hinterlegt oder mein Werk (woweit es noch in meinem Besitz ist) selbst vernichtet.
Liebe Gerda,
danke für deinen ausführlichen Kommentar.
Ich mag deine Spezifizierung der Kunst. Und ich mag sehr, dass du den Dialog zwischen dir und deinem Kunstwerk thematisierst. Ist das nicht der wichtigste, der den schöpferischen Prozeß in Bewegung bringt und dazu führt, das Kunstwerk zu erschaffen. Auch die weiteren Tätigkeiten, die du ansprichst: Preis, Zeigen, Vernichten, wie präsentieren und mit welchen anderen Kunstwerken finde ich wichtig.
Der Kontrollverlust nach dem Tod über das eigene Oeuvre macht vielen Künstler*innen Angst. Deshalb herrscht ein so ein großer Bedarf an mein Seminar zur Erstellung eines Werkverzeichnisses. Übrigens, wenn du Interesse hast, ich unterrichte das Seminar am 2.2.26 online, so dass von überall auf der Welt das Seminar belegt werden kann. Wenn du Interesse hast, sende ich dir gerne die entsprechenden Informationen.
Liebe Grüße von Susanne
Hallo Susanne!
Ich habe mal ChatGPT gefragt. Hier die Antwort:
„Wann existiert Kunst? Frage an ChatGPT
Die Frage ist philosophisch – und genau darin liegt ihr Reiz. Es gibt mehrere mögliche Antworten, je nachdem, was man unter „Existenz“ versteht:
1. Kunst existiert, wenn sie geschaffen wird
In diesem Sinn beginnt Kunst in dem Moment, in dem jemand etwas gestaltet – ein Bild malt, ein Lied komponiert, eine Idee formuliert.
2. Kunst existiert, wenn sie wahrgenommen wird
Manche sagen: Kunst existiert erst richtig, wenn jemand sie betrachtet, hört oder erlebt. Ohne Wahrnehmung bleibt sie bloß ein Objekt oder eine Idee.
3. Kunst existiert als Idee
Auch bevor sie materiell da ist, kann Kunst existieren – als Gedanke, Konzept oder Vorstellung (z. B. bei Konzeptkunst).
4. Kunst existiert im Kontext
Kunst existiert, wenn sie in einem kulturellen oder sozialen Rahmen als Kunst verstanden wird – etwa im Museum, im Theater oder in einer bestimmten Szene.
5. Kunst existiert in der Beziehung
Eine radikale Sicht: Kunst existiert nicht allein, sondern im Zusammenspiel von Werk, Schaffendem und Betrachtenden.
Kurz gesagt:
👉 Kunst existiert nicht nur an einem Ort oder Zeitpunkt, sondern im Prozess – zwischen Idee, Objekt und Wahrnehmung.“
Gruß Jürgen
Eine gute Idee, Jürgen.
Chatgpt hat die Antwort in der für die KI typischen Strukturiertheit aufgelistet. Gefällt mir. Emotionslos, einfach, knapp für jeden verständlich.
LG Susanne
Ob man das so akzeptieren muss ist eine andere Frage!
Ja, das ist die Frage. Und, ob es auch wirklich stimmt, was die KI da so zusammenstellt. Vieles muss man ja noch überprüfen.
Vieles veröffentliche ich nicht. Nur was durch meinen Filter hindurch geht, stelle ich online oder zeige ich. Ob dies dann Kunst ist entscheidet dann der Betrachter. Vielleicht schlummern ja die vermeintlich besten Werke hier im Regal als „ungezeigte“ Bilder. Mein Fazit: nur Bilder die meinen Filter passieren sind also „Kunst“? Stelle fest, ich drehe mich gerade im Kreis.
Danke, Christhop,
ich bin Künstlerin also ist alles, was ich in meinem Atelier produziere Kunst.
Du hast recht, ich entscheide, welche dieser Kunst mein Atelier verlässt und einer Öffentlichkeit präsentiert wird. Auch entscheide ich, was ich online stelle.
Nun eine steile These: Der Betrachter entscheidet nicht, was Kunst ist, den die Betrachtung ist subjektiv.
Komme gut ins Jahr 2026, viele Grüße von Susanne
Vielen lieben Dank! Das sind alles sehr spannende Themen und Gedanken! Wünsche ebenso ein schönes neues Jahr. Gefüllt mit kreativen Ideen und deren Umsetzung. Herzliche Grüße, Christoph
Danke, Christoph. Ich bin gespannt, was das Neue Jahr bringen wird.