Susanne Haun

Inspirationsquelle Athene – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Berühmt, Betrachtungen zur Kunst, Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 12. Dezember 2010

Das Buch von Max Beckmann gefällt mir konstant gut. Er schreibt „… wir drei Maler hatten Zeit zu einem gründlichen Disput.“. Das klingt nach einem sehr genüßlichen Streit und ich empfinde Diskussionen auch als sehr genüsslich.

Beckmann empfindet, dass die Portraits von von Marées nicht vulgär genug sind. Sie sind ihm zu äthetisch. Diese Gedanken gefallen mir natürlich und er spricht mir aus der Seele. Schöne Portraits gibt es in Mengen in den Fernsehzeitungen – besonders auf dem Titelblatt.

Meine Athena wird lebendiger, wenn ich mit zwei Tuschen arbeite - Foto von Susanne Haun

Meine Athena wird lebendiger, wenn ich mit zwei Tuschen arbeite - Foto von Susanne Haun

Es ist eine interessante, überdenkenswerte Frage:
Wie sieht ein vulgäres Portrait aus? Stehen die Augen schief? Ist es zu dick, zu dünn, zu falsch?

Ich habe mich heute von der Athene inspirieren lassen.

7 Responses

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  1. itha said, on 12. Dezember 2010 at 21:07

    intuitiv würde ich sagen: vulgär wäre es, wenn die sache zu schön und zu glatt aussähe. es ist aber jeweils sehr interessant, wenn man im ergebnis an der vulgarität haarscharf vorbeischlittert.

    • susannehaun said, on 13. Dezember 2010 at 07:37

      Ja, Itha, so sehe ich es auch, an zu schön geht der Betrachter vorbei. Es hat keinen so grossen Erinnerungswert wie etwas „falsch“ oder „anders“. Das ist dann interessant und merkenswert!

  2. Armin said, on 13. Dezember 2010 at 12:31

    Heinz von Foerster war es – meine ich – der mal gesagt hat: „Ich zeige jemandem ein Bild und frage, ob es obszön sei. Er sagt „ja“… Ich weiss jetzt etwas über ihn, aber nichts über das Bild.“

    Das ist mittlerweile einer meiner Lieblingssätze.

    Ersetze ich das Wort „obszön“ durch das Wort „vulgär“, erhalte ich an dieser Stelle auch keine Information über Marées Porträts, sondern lediglich eine Information über die Haltung Beckmanns zu den Porträts von Marées.

    Das ist eine sehr spannende Sache, denn es zeigt, wie schwierig es ist, über Bilder zu sprechen ohne dabei über sich selbst & seine inneren Befindlichkeiten zu sprechen. Unter dem Gesichtspunkt betrachtet ist es natürlich auch interessant zu lesen, wie beispielsweise ein Kritiker über einen Künstler schreibt. Schreibt er über sich selbst oder gelingt es ihm tatsächlich eine Be-schreibung, die dem Betrachter tatsächlich etwas über die Arbeit des Künstlers erzählt?

    Auch die Worte „schön“ oder „glatt“, „falsch“ oder „anders“ sind eher Wertungen des Betrachters. So eine Wertung ist ja auch immer abhängig vom Umfeld, in dem das Bild hängt.

    Eine Aktzeichnung von Egon Schiele überm Sofa wird heute wohl kaum jemand mehr als eine Provokation sehen, während die gleiche Aktzeichnung über dem Tabernakel einer katholischen Kirche wohl immer noch Entrüstungsstürme auslösen würde.

    Außerdem ändern sich im Lauf der Zeit mitunter die Bedeutungen der Wörter, sodass vulgär möglicherweise zu Beckmanns Zeiten mit einer vielleicht anderen Konnotation besetzt war.

  3. susannehaun said, on 13. Dezember 2010 at 17:35

    Hallo Armin,

    ja, da hast du recht, solche Worte sagen immer etwas über den Betrachter nicht über das Bild aus!

    Es ist bestimmt sehr schwierig, „neutral“ über ein Bild zu schreiben. Wahrscheinlich sieht jeder Betrachter eine andere Deutung.
    Kann man überhaupt neutral von einem Bild sprechen, außer es ist rot, blau, grün?

    Eine gute Frage!

  4. […] war im Kopf noch beim vulgären Portrait von gestern und nahm mir eine Engelskulptur vor und stellte fünf mal das Antlitz des Engels auf […]

  5. […] This post was mentioned on Twitter by Frank Koebsch, Susanne Haun. Susanne Haun said: Inspirationsquelle Athene – Zeichnung von Susanne Haun: http://t.co/s4NVI9k […]

  6. itha said, on 14. Dezember 2010 at 23:28

    @armin: ein wunderbarer kommentar, intelligent! ich würde zustimmend sagen, „vulgär“ ist jeweils das, was unter den gegebenen rezeptionsweisen sowohl als trivial als auch anzüglich erscheint. und das ist natürlich super abhängig von dem, auf was man sich als etablierten kunstanspruch beruft. ich glaube aber, dass nicht nur die betrachter von kunst, sondern auch die kunstproduzenten jeweils von solchen vorstellungen infiziert sind. insofern gibt es kaum etwas, was unabhängig von aktuellen kollektiven vorstellungen gemacht wird – und tabernakel sind derzeit glaube ich eher selten die kontextbeschränkung, die sich künstler (bewusst oder unbewusst) auferlegen:) [die „öbszönität“ einiger werke von schiele ist auch heute noch „obszön“ – auch über dem wohnzimmersofa! es ist eine zeitlose „obszönität“, und sie ist meiner wahrnehmung nach auch zeitlos verwoben mit geschlechtlicher liebe.]


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