Das Portrait in Deutschland – Zeichnung von Susanne Haun

Es ist fast zwei Jahre her, da schrieb ich zwei Artikel inspiriert vom Londoner Galeristen Philip Mould.

Ich hatte damals einen Artikel in der Weltkunst 05 / 2007 über ihn gelesen und da mich nie alles in einer Kunstzeitschrift interessiert, reisse ich die Artikel, die mir wirklich etwas gesagt haben heraus und hefte sie in einen Leitzordner mit dem treffenden Titel „WISSSENSWERTES“ ab.

Artikel aus der Weltkunst über Philip Mould - Foto von Susanne Haun
Artikel aus der Weltkunst über Philip Mould - Foto von Susanne Haun

Vor zwei Monaten habe ich ein lankwitzer Ehepaar gezeichnet. Der Mann kam eines Tages ins Atelier und setzte sich hin, sagte ihm gefallen meine Zeichnungen und er will ein großes Doppelportrait von sich und seiner Frau. Wir waren uns in 15 Minuten einig und in weiteren 2 Gesprächen wußte ich, dass und wie ich ihn darstellen will. Seine Frau war schwieriger, denn er wollte sie überraschen und so hatte ich nur seine Erzählungen von ihr und Fotos zur Verfügung.

Das zueinander der beiden ist wichtig - Entstehung Doppelportrait von Susanne Haun
Das zueinander der beiden ist wichtig - Entstehung Doppelportrait von Susanne Haun

Anhand der anfänglichen Skizzen überlegte ich mir die Haltung und Aussage des Doppelportraits. Bei zwei Personen ist es wichtig, die Beziehung der beiden zueinander darzustellen. Und ihr werdet es nicht glauben, ich habe gerade festgestellt, dass ich die Skizzen vergessen habe, zu fotografieren und natürlich habe ich sie dem Ehepaar mitgegeben!

Zurück zu Philip Mould und seine Galerie für Portraitkunst. Er  wird von Matthias Thibaut für die Weltkunst gefragt, ob bei Einrichtungen der Häuser im Lifestyle nicht das Zeitgenössische die Hauptrolle spielt und alte Kunst und Portraits darunter leiden. Mould antwortet darauf, dass es bei der Dutzendware nicht anders sei „aber Portraits, die emotionale Kraft haben, die romantisch sind oder historisch, die den Dargestellten in einem poetischen Licht zeigen“ dass diese Portraits auch im Lifestyle im Kommen sind.

Ich finde diese Gedanken interessant, denn ich gehe natürlich von einer ganz anderen Seite als ein Galerist an die Portraits heran.

Ich möchte den Charakter erforschen, in die die Tiefe der Personen gehen und Gefühle offenbaren. Ob ich das Portrait dann verkaufen kann, ist beim Entstehungsprozeß für mich erst einmal völlig nebensächlich. Ich möchte in dem Moment nur von der dargestellten Person Geschichten erzählen.

Doppelportrait - Zeichnung von Susanne Haun - 60 x 80 cm - Tusche auf Bütten
Doppelportrait - Zeichnung von Susanne Haun - 60 x 80 cm - Tusche auf Bütten

Während ich das Doppelportrait zeichnete, sah mein Sohn Mr. und Mrs. Smith auf DVD – es hätte doch nicht besser sein können! Ich hörte den mir wohl bekannten Film beim Zeichnen.

Meine zeichnerische Sicht auf das Ehepaar gefällt den beiden Modellen sehr gut und sie sind sehr begeistert. Das Doppelportrait hängt nun bei den beiden, worüber ich mich freue!

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