Von Kapuzinerkresse und den Grenzgängern – Zeichnungen von Susanne Haun

Eine meiner Lieblingssendungen kommt von der Deutschen Welle und heißt „Typisch Deutsch“.

Heute habe ich mir über YouTube das Interview mit Gerd Harry Lybke angesehen. Ich habe schon einige Interviews mit Lybke gelesen und gesehen und muss immer wieder feststellen, dass er mir symphatisch ist.

Der Künstler muss das Vorige überwinden und doch bei sich bleiben, sagt er. Künstler sind Grenzgänger und müssen etwas machen, dass seiner Ansicht das Schwierigsten überhaupt ist, sie müssen das ICH ganz groß schreiben. Ja, er hält den Beruf des Künstlers sogar für gefährlich! Ich stimme ihm da zu.

Mein Kollege Andreas sagt immer, jeder Künstler hat einen Papierkorb, er muss nur die Größe haben es zuzugeben! Und so ist es auch - Foto von Susanne Haun
Mein Kollege Andreas sagt immer, jeder Künstler hat einen Papierkorb, er muss nur die Größe haben es zuzugeben! Und so ist es auch - Foto von Susanne Haun

Ich mag auch seinen Spruch „Wer in Berlin nichts wird, der wird nirgendwo was!“

Er sagt, die Leipziger Künstler sind in Leipzig massiver um ihn als die Berliner Künstler in Berlin!

Das kann ich ganz leicht erklären, ich bin doch als Urlberlinerin in der absoluten Minderheit!

Es wimmelt in Berlin von Künstlern der Welt … ich als geborene Weddingerin trete jeden Tag gegen den Rest Deutschlands und der Welt an! Und ich bin hier in Berlin in der Heimat, also für die Berliner ein Teil von Ihnen, also viel uninteressanter als die Künstlerin aus Rio de Janeiro oder aus Kapstadt oder Burma, London, München, Leipzig ….. Die Fremde ist immer viel interessanter als die Heimat, denn die kennt der Betrachter ja vermeintlich.

Kapuzinerkressse Caput mortuum - Zeichnung von Susanne Haun - 12 x 17 cm - Tusche auf Bütten
Kapuzinerkressse Caput mortuum - Zeichnung von Susanne Haun - 12 x 17 cm - Tusche auf Bütten

Ich  arbeite weiter an meinem floralen Konzept. Die einzelnen Teile liegen noch unsortiert in meinem Kopf nehmen aber langsam Gestalt an. Was sagte letztes Jahr die Galeristen der Galerie Zeitlos, Blumen möchte keiner mehr sehen. Das möchte ich aber wiederlegen.  Ich möchte den Blumen eine neue Dimension geben und konzeptionell in einer Ausstellung 2012 zeigen.

Heute habe ich mir eine Kapuzinerkressen Blüte vom Berliner Balkon gepflückt und beginne sie langsam zu erfassen und von allen Seiten zu beleuchten.

7 comments

  1. Hallo Susanne!

    „Wer in Berlin nichts wird, der wird nirgendwo was!“
    Ich tue mich mit solchem Satz schwer, denn was ist mit „werden“ gemeint: Eine berühmte Künstlerin werden? Mit der Kunst ein Auskommen haben? Sich im eigenen künstlerischen Feld weiterentwickeln? Oder was?
    Und steckt dahinter nicht das Bild vom Künstler, der sich in irgendeinem Wettstreit mit anderen Künstlern befindet, in harter Konkurrenz, im Gegeneinander, nicht Miteinander?
    Damit bin wieder bei meinem alten Thema „Künstler sein: was meint dies?“ angelangt.
    Ich ergänze mal provokatorisch: „Wer am Niederrhein was werden will, wird es auch in Berlin und überall werden.“ Oder? Ist natürlich Blödsinn, denn das Glück/Fortune spielt ja auch noch mit.

    Und zum Floralen: Ja, ich frage mich auch, wer will im Kunstbetrieb noch Blumen sehen? Oder gibt es eine Form des floralen Ausdrucks, der neu zu entwickeln wäre? Wie sähe dies dann aus? Das Du das Thema hoch hältst finde ich mutig.

    Ein lieber sonntäglicher Gruß, trotz der vielen Fragezeichen
    Jürgen

    1. Hallo Jürgen,

      ich denke, „werden“ heißt als erstes von seiner Kunst leben zu können und von dem erwirtschafteten Geld auch in den Urlaub fahren und seine Rente und Krankenversicherung zahlen können.

      Ein Künstler ist natürlich mit anderen Künstlern in Konkurrenz, wenn er von seiner Kunst leben will, so wie der Fabrikant auch mit anderen Fabrikanten in Konkurrenz steht.
      Und genau, wie Fabrikanten Synagieeffekte finden können, können das Künstler auch, wenn sie wollen. Siehe Blogparade.

      Die Diskussion zum Künstler sein hatten wir in der Blogparade und dann finde ich das Buch von Karlheinz Schmid, Ratgeber Kunst, Band 2 „Traum Karriere Künstler, Auf dem Weg zum Superstar“ sehr gut.
      Dort wird die Frage um den Künstler von allen Seiten diskutiert.

      Hast du dir das Interview mit Lybke angehört, Jürgen? Bekommst du am Niederrhein ein Atelier für 3 Euro kalt den qm – in Berlin ist es in manchen Gegenden möglich, wenn du keine großen Ansprüche stellst.
      Ich weiss, es geht in Sachsen-Anhalt zum Teil noch preiswerter.

      Glück ja, aber es ist oft, ja meistens, erarbeitetes Glück.

      Von meiner floralen Kunst lass dich überraschen Jürgen! Ich finde es einfach sehr spannend und darstellenswert und lasse mich da nicht beirren!

      Grüße aus dem brodelnden Berlin sendet dir Susanne

  2. Der Künstler muss hart arbeiten und genauso gut rechnen können wie der Unternehmer. Er steht früh auf und kommt spät heim. Kunst machen, Schüler unterrichten, Ausstellungen organisieren, mit Galerien verhandeln, Aufträgen nachgehen, Buchhaltung machen und und und….

    Ein Wochenende kennt er oft nicht und den Urlaub nur sehr selten. Der Künstler geht manchmal auf Reise und was macht er da? Beobachten. Und was nimmt er mit? Foto, Papier, Stift, Pinsel….:-))

    Ein hoch auf die Blumen und die Natur, die in der Industriegesellschaft leider untergeht.

    Berlin ist nun mal die Stadt der Kunst und Galerien, da kann ich Andreas nur Recht geben.

    Sonnige Grüsse
    Bianca

    1. Genau, Bianca, der Künstler ist genauso Unternehmer wie jeder andere Selbständige………

      Mit dem Papier, Stift etc im Urlaub stimmt!
      Aber das ist meine Passion – ich werde so übelgelaunt, wenn ich nicht zeichnen kann, dass ich selber dann nicht mit mir zusammen sein möchte! 🙂

      Im Urlaub mache ich grundsätzlich keine Buchhaltung, Aquise etc… ich habe aber nur einmal im Jahr für 1 Woche Urlaub – immer in den Herbstferien und dieses Jahr geht es nach Oberstdorf und darauf freue ich mich schon!

      Da werde ich die Natur geniessen und die Blumen zeichnen ….

      Ist mir egal, wenn das keiner sehen mag … was noch zu beweisen wäre………..

      lg Susanne

  3. „Blumen möchte keiner mehr sehen…“ dieser Spruch ist sogar hier, im Bergischen Land zu hören. Aber kommt es wirklich darauf an? Muss ein Künstler „in“ sein und stets dem jeweiligen Zeitgeist, bzw. Mainstream folgen? Ich denke, Blumen haben auch heute nichts von ihrem unglaublichen Zauber und ihrer Schönheit verloren. Ich für meinen Teil liebe die verschwenderischen und intensiven Blumenbilder des Emil Nolde. Vielen Dank, liebe Susanne, dass du auch heute noch den Blumen und Blüten auf künstlerische Weise die Aufmerksamkeit schenkst, die sie verdienen.
    LG von Rosie

    1. Nein, Rosie, ein Künstler muss nicht „in“ sein, er muss nur er oder sie selber sein. Das ist das wichtigste!
      Und wenn ich Blumen zeichnen will, dann tue ich das und in nächster Zeit so richtig Groß und mit Hingabe!
      Ich freue mich, dass du auch wie ich findest, dass Blumen Aufmerksamkeit verdienen!
      LG von Susanne

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