Ein Quell der Gnade vom Himmel in mein Herz – Zeichnung von Susanne Haun

Ich habe Ute Schätzmüller den Satz
Zu bestimmten Stunden hörte ich auf zu arbeiten; betend, mit weit geöffneten Armen, fühlte ich ,wie ein Quell der Gnade vom Himmel in mein Herz strömte.
aus „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ von Flaubert gesendet.

Blatt 6 Mit weit geöffneten Armen fühlte ich (c) Zeichnung von Susanne Haun
Blatt 6 Mit weit geöffneten Armen fühlte ich (c) Zeichnung von Susanne Haun

Hier könnt ihr Utes zeichnerische Gedanken dazu lesen.

Als ich mir den Satz aussuchte, hatte ich viele Bilder im Kopf und stellte dann beim Zeichnen fest, dass das Format 15 x 20 cm doch relativ kleine für viele Dinge im Kopf ist. So habe ich den Satz nochmals auseinander genommen und mehrere Blätter gezeichnet.

Wenn ihr mehr von dem Projekt lesen wollt, dann könnt ihr das hier.

Die Öffentlichkeit mag große, monumentale Arbeiten, wird oft gesagt. Ist das wirklich so? Oder sind die großen Werke einfach nur so groß, dass die Kleinen daneben einfach übersehen werden?

Ich mag das Wechselspiel zwischen den großen und kleinen Arbeiten. Das dieses Wechselspiel auch von den Betrachtern gesehen wird, ist bei der Zeichnung einfacher zu erreichen als bei Leinwandarbeiten, da auch eine große Zeichnung aufgrund des Papiers noch leicht und luftig wirkt. Ich nutze das Spiel von groß und klein bei meiner Ausstellungskonzeption gerne aus. So werde ich ab Samstag bei meiner Ausstellung „Durchblicke – Langblicke“ (siehe hier mehr Informationen) in Hamburg meine 10 Meter x 40 cm lange Rolle zum Buch Henoch ungerahmt ohne Glas neben kleineren Arbeiten präsentieren.

Picasso hat für ein Ölbild genauso lange gebraucht wie für eine Zeichnung. Für eine große Zeichnung benötige ich sogar mehr Zeit als für eine große Acrylarbeit. Es ist auch eine logische Schlussfolgerung, dass es in der Erstellungszeit keine Unterschiede gibt. Für Öl und Acryl benötigt der Schaffende einfach mehr körperliche Kraft; Leinwand bespannen, Hasenleim, Grundierung und die Farbe: stehend arbeiten, den Pinsel frei schwingend mit Kraft Schicht für Schicht in die Leinwand reiben, dabei die Leiter hinauf und hinunter.

Die Zeichnugnen fordert es mehr Fragilität, mehr Nachdenken, mehr Konzentration. Es gibt keine Möglichkeit der Korrektur. Das locker und leichte aussehen ist schwere Arbeit.

Blatt 7 Wie ein Quell der Gnade vom Himmel in mein Herz strömte (c) Zeichnung von Susanne Haun
Blatt 7 Wie ein Quell der Gnade vom Himmel in mein Herz strömte (c) Zeichnung von Susanne Haun

Mir gefällt der Beitrag „Über die Wirkung von und die Veränderung durch Kunst“ von Jürgen Küster und die Diskussion dazu.

Ich habe in der Diskussion folgendes geschrieben, was meiner Meinung gut zeigt, dass es kein Unterschied in der Zeit der Erstellung von Zeichnung oder Ölarbeit gibt, denn es gilt sowohl für das eine wie für das andere:

Ich bin auch immer wieder erstaunt, was der Betrachter in meinen Bildern sieht. Oft mache ich mir über die Fragen, die mir zu den Bildern gestellt werden, beim gestalterischen Prozeß keine Gedanken.
Die Frage ist da die Frage nach dem Unterbewußten. Wieviel tun wir aus uns heraus mit einem Sinn, ohne noch konkret über den Sinn nachzudenken?
Auf die Frage, wielange ich für eine Zeichnung brauche, antworte ich immer, es ist die Summe aller Zeichnungen, die vor dieser Zeichnung liegen.
Ich glaube, so ist es auch mit den Gedanken und der Interpretation der Bilder. Alles Wissen, was ich gesammelt habe, geht in die Zeichnung ein, nicht bewußt, aber eben doch wiederum einfach darum, weil das Wissen da ist!
In den letzten Jahren mache ich mir schon immer mehr Gedanken, was meine Arbeit im Zusammenhang ausdrückt und wie ich bestimmtes Wissen, bestimmte Gedankengänge, durch meine Arbeit vermitteln kann.

Wenn ihr mehr von dem Projekt lesen wollt, dann könnt ihr das hier.

For my english reader:
I Ute Schätzmüller the sentence
„At certain times I stopped working; praying with arms wide open, I felt like a source of grace from heaven poured into my heart.“
sent from „The Temptation of Saint Anthony“ by Flaubert.
When asked how long do I need for a drawing, I always answer, it is the sum of all drawings that are before this drawing.
I think, so it is with the thought and the interpretation of the images. All the knowledge I’ve gained goes into the drawing, not consciously, but still turn simply because the knowledge is there!

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Gustav Flaubert, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996
Kunstforum Band 196, April – Mai 2009, Die umfassenste oder offenste Gattung der Gegenwart, Seite 56 ff.

10 comments

  1. Guten Morgen,

    das sind sehr schöne Zeichnungen. Zu den Interpretationen ist es bei Zeichnungen so wie bei Texten. Der Autor oder Zeichner bzw. Künstler interpretiert nicht so wie der Leser, sondern lässt sich inspieren und kann also auch da nicht alle Fragen beantworten.

    Viele Grüße

    Monika

  2. Schöne Zeichnungen, und ein interessanter Beitrag. Ich bin übrigens überzeugt davon, dass Du Recht hast, und alles Wissen was man angesammelt hat, eingeht in das jeweilige Werkt, sei es Malerei, sei es Literatur, jedenfalls wenn man dem Unbewussten seinen Raum zugesteht.
    Was die Formate angeht, habe ich gelesen, dass Kunsthistoriker u.a. in der Vorliebe der Frauen für kleine Formate einen Grund sehen, warum diese viel weniger präsent sind als ihre männlichen Kollegen.

    1. Danke für deinen Kommentar, Mützenfalterin.
      Frauen malen sehr große Formate. Xenia Hausmann zum Beispiel…. mein größtes Bild ist 4 Meter mal 2,40 Meter oder eben die Rolle, die 10 Meter lang ist ….
      Aber eine interessante Theorie, die sicher auch noch aus der Zeit stammte, in der es laut Nürnberger Malerodnung den Frauen verboten war, auf Leinwand zu malen. So erging es z.B. Sybilla Merian.

      1. Es ist ein Zitat aus der Zeit des Surrealismus, also noch nicht soo lange her. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Also Männer, die kleinformatig malen und Frauen, die große Formate mögen, aber eine der Thesen, warum gerade die surrealistischen Malerinen, heute weitesgehend vergessen sind, sofern sie nicht gerade wieder neu entdeckt werden, zieht eben die Formate heran.
        Nürnberger Malerordnung, wann war das?

        1. Ja, muetzenfalterin, Ausnahmen bestätigen immer die Regel.
          Im 17. Jahrhundert galt sie auf jeden Fall noch, die Malerordnung, ich weiss nicht, wann Frauen endlich offiziel auch auf Leinwand malen durften.
          Bei den surrealisten bin ich nicht ganz so zu hause. Max Ernst und Dorothea Tanning …Kennst du Dorothea Tanning http://www.dorotheatanning.org/index.php , ihre Arbeiten mag ich … die von Max Ernst auch.

          1. Vielen Dank für den Link zu Dorothea Tanning. Von ihr wird es demnächst auch bei mir etwas zu lesen geben, ich arbeite immer noch an meinem kleinen Projekt zu Künstlerinnen des Surrealismus.

            1. Das hört sich sehr interessant an, muetzenfalterin. Ich bin im Jahr 200o mit dem Buch „Birthday“ Lebenserinnerungen von Dorothea Tanning auf sie aufmerksam geworden.
              Kennst du das Buch?

  3. Hallo Susanne,

    ich glaube einerseits dass du recht hast wenn du sagst dass eine Zeichnung ebenso viel Zeit beansprucht wie ein gemaltes Bild, nur kommt es andererseits auf das Material an.
    Wenn ich mit Acryl arbeite ist das Ganze relativ schnell trocken, dann kann ich übermalen, korrigieren, was immer.
    Male ich allerdings in Öl dann braucht der ganze Kram ne Woche bestimmt bis er übermalbar, dh auch nicht mehr verschmierbar ist. Einerseits ist das praktisch weil die Sache dort an der Wand hängt und ich immer wieder was ändern kann so lange das Öl noch nicht zu weit oxidiert ist, andererseits ist es wieder unpraktisch eben weil es alles so lange dauert und umänderbar ist es nach der ersten Oxidation auch nur noch sehr begrenzt.
    Bei Acrylbildern gebe ich dir recht aber bei Öl finde ich sieht die Sache ein wenig anders aus, außer natürlich du hast eine angefangene Zeichnung wochenlang hängen und denkst darüber nach wie es weitergeht, was dann aber eher dem Hirn als dem Material geschuldet ist.
    Ansonsten empfinde ich ich Malerei (besonders in Öl) schon als zeitaufwendiger als die Zeichnung (was aber auch daran liegen mag dass ich selbst Zeichnungen meist „so hinwerfe“ und dann noch mit Aquarellfarbe koloriere und mit Malerei auf Leinwand wesentlich mehr Zeit verbringe)…

    Dadurch allerdings hat die Zeichnung für mich etwas sehr Direktes, Ursprüngliches und Spontanes, das finde ich toll und glaube es auch in deinen Zeichnungen zu sehen, eben da du Gesehenes ziemlich direkt verarbeitest.
    Mir gelingt das allerdings auch nicht mit Acryl, da mache ich auch lange mit rum, für mich ist das anders, das ist aber in meinem Kopf, ich glaub schon dass man mit Acryl genauso spontan sein kann wie mit einer Zeichnung.

    LG Verena.

    1. Danke für deine ausführlichen Gedanken, Verena.
      Deshalb fand ich es auch so klasse, dass Picasso davon redete, dass seine Zeichnungen genauso lange dauern wie die Ölbilder.
      Ich denke, dass er die technische Seite, also die Trocknungszeiten, nicht dazu gerechnet hat. Öl braucht ja ein halbes Jahr, um richtig trocken zu sein.
      Ich habe nicht viele Ölbilder gemalt, ich mag den satten Glanz der Farben.
      Mit Acryl bin ich auf jeden FAll genauso schnell zu gange wie mit Tusche aber auch hier ist es so, dass ich mit dem Acryl, häufig gemischt mit Tusche auf Leinwand genauso spontan umgehe wie mit der Tusche. Die Wertigkeit ist für mich gleich.
      LG Susanne

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