Ein Stück des Weges lief sie mir nach – Flaubert – Zeichnung von Susanne Haun

Wiedereinmal greife ich mir aus dem Universum ein paar kleine Details heraus.

Mit der Liebe zum Detail bin ich auch an Ute Schätzmüllers nächstes gesendete Zitat aus Flauberts „Versuchung des heiligen Antonius“ herangegangen. Nachdem ich den Kuvert aus meinem Briefkasten genommen hatte, las ich den Satz, legte ihn zur Seite und dachte erst 2 Stunden Später wieder an ihn.

Ich hatte die Vorstellung einer kleinen Odaliske im Kopf uns sah viele Ketten an ihren Fußgelenken und hörte sie fast klimpern. Matisse Arbeiten waren mir vor Augen, ich mag sowohl die Zeichnungen als auch die Gemälde zum Thema Harem und Odalisken.

Die Stille Post findet also nicht nur zwischen Ute und mir statt, sie findet schon bei mir im Kopf bei der Erinnerung an den von Ute gesendeten Satz statt. Es sind keine Ketten sondern Ringe an den Knöcheln. Ob die Mädchen die Ringe schon als kleine Kinder um die Knöchel gelegt bekommen? So dass sie irgendwann nicht mehr von den Beinen rutschen?

2. Zitat aus dem heiligen Antonius ausgesucht von Ute
2. Zitat aus dem heiligen Antonius ausgesucht von Ute

„Ein Stück des Weges lief sie mir nach. Die Ringe um ihre Knöchel glänzten im Staub und ihr an den Hüften offenes Kleid flatterte im Winde.“ Flaubert in der Versuchung des heiligen Antonius.

Das Zitat hat Ute gleich auf einen der Silberburg Büttenpapiere geschrieben und ich werde an dem gleichen Blatt weiter arbeiten. Mit dem Zitat habe ich auch von Ute einige Postkarten erhalten, die mir sehr gefallen und die ich mit Interesse gelesen habe.

Blatt 9 Ein Stück des Weges lief sie mir nach (c) Zeichnung von Susanne Haun
Blatt 9 Ein Stück des Weges lief sie mir nach (c) Zeichnung von Susanne Haun

Damit ihr einen Eindruck von Ute erhaltet zitiere ich hier von ihrer Einladungskarte ÜBER LEBEN, Drahtlitographien und Malerei von Ute Schätzmüller: „Meine Bilder zeigen Leben. Ich bwschäftig emich mit dem Sein, wie mein lehrer Hörg Eberhard sagte: „Es geht um Geburt, Tod und das Dazwischen.“ Es interessiert mich das Entstehen und das Vergehen, genauso wie die Zustände auf dem Pfad vom einem zum anderen, jedoch liegt mal das eine und mal das andere im Fokus der Beschäftigung.“

Ich mag die Zweideutigkeit des Ausstellungstitels. Nur Überleben reicht mir persönlich nicht, ich möchte Leben und über das Leben berichten, Erfahrungen sammeln und teilen, lernen und Erkenntnisse gewinnen. Der Austausch und die Diskussion sind mir wichtig.

Ute und ich wollen aus unserem Projekt und unseren Erkenntnissen eine Publikation erarbeiten. Unsere Zeichnungen und die Publikation sollen  mit der Ausstellung in Essen und der in Berlin das Produkt unserer Arbeit sein.

Blatt 11 Die Ringe um ihre Knöchel glänzten im Staub (c) Zeichnung von Susanne Haun
Blatt 11 Die Ringe um ihre Knöchel glänzten im Staub (c) Zeichnung von Susanne Haun

Wenn ihr mehr von dem Projekt lesen wollt, dann könnt ihr das hier.

For my english reader:
Once again I take not the whole universe but a small detail for my drawing. With the attention to detail I approached to Ute Schätzmüllers next quote from Flaubert’s „Temptation of St. Anthony.“ After I took the envelope with them out of my mailbox, I read the sentence, put it aside and thought as 2 hours later back at him. I had the following idea in my head: a little Odalisque with many chains on their ankles and I really heard her jingle almost.

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Quelle:
Gustav Flaubert, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996
Einladungskarte „Über Leben Drahtlithografien und Malerei von Ute Schätzmüller

6 comments

  1. Guten Morgen,

    das sind sehr schöne Gedanken und schöne Zeichnungen. Es ist immer wieder interessant, Zeichnungen in Bezug auf diese Thematik zu sehen, denn das Leben ist ein Kreislauf, aus dem auch der Tod nicht herauszudenken ist. Es lädt zum Nachdenken ein.

    Viele Grüße

    Monika

    1. Danke, Monika, ich finde es auch immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich jede Interpretation ist! Ich finde, dass in unserer Gesellschaft der Tod zu sehr tabuisiert wird. So kommt es oft vor, dass Verwandte nicht wisse, was denn der Verstorbene wollte und dabei ist das so wichtig! Auch für die Hinterbliebenden.
      Viele Grüße und einen schönen Sonntag Susanne

  2. Guten Morgen Susanne,
    ich finde eure stille Post über die Versuchung des heiligen Antonius sehr spannend und freu mich jedesmal wenn du neue Bilder zeigst. blatt 9 zeigt sehr schön die Dynamik des laufenden Mädchens.
    Mich beschäftigt das Thema Tod und Vergehen auch sehr stark, gerade im Herbst bin ich immer wieder faziniert davon wie sich die Natur in sich selbst zurück zieht um im Frühling im strahlenden Kleid zurück zu kehren. Wir Menschen machen es ja änlich, ziehen uns in unsere Wohnungen zurück und sind eher wenig in der Natur.
    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag aus dem verregneten Niedersachsen Bine

  3. Liebe Susanne,

    als wir gestern Abend zurück kamen habe ich gleich deine Sätze gelesen – den Schakal hatte ich übrigens auch im Kopf 😉

    Jetzt muss ich allerdings erst noch meine kommende Ausstellung vorbereiten und die zwei Sätze, die ich dir geschickt habe bearbeiten, so dass es wohl noch ein wenig dauern wird, bis du den nächsten Brief bekommst…. aber du hast ja derzeit auch noch fünf Sätze vor dir, von daher 🙂

    Lg Ute

    1. Guten Morgen, Ute,

      ich markiere im Buch mit zwei Farben die Zitate. Das finde ich sehr interessant anzusehen. Ich wünsche dir sehr viel Erfolg zu deiner Ausstellung und ich denke auch, dass wir erstmal genug zum Arbeiten haben. Ich bin gespannt, welche Zitate vom ersten Kapitel von dir noch markiert wurden….

      Liebe Grüße und viel Erfolg bei deiner Ausstellung wünscht dir Susanne

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