Aus der Vergangenheit – Zeichnung von Susanne Haun

Diese Taschenuhr habe ich vor Jahrzehnten vom Freund meiner Oma geerbt.

Einen Tag bevor er und meine Oma heiraten wollten, hat er geträumt und ist bei Rot über die Ampel gegangen. Die ankommende Autofahrerin hatte keine Chance zu bremsen. Das war in den späten Siebzigern. So recht begriff ich es damals noch nicht, was der Tod bedeutet. Diese Uhr jedoch, die erinnert mich immer an Onkel Erich, wie mein Bruder und ich den Freund meiner Oma nannten. Er brachte uns das Schachspielen bei und wir kochten Karamelbonbons in der Pfanne auf Omas Herd.

Das Vergehen der Zeit (c) Foto von Susanne Haun
Das Vergehen der Zeit (c) Foto von Susanne Haun

Seine Uhr zeichne ich heute das erste Mal und kombiniere das glatte alte mit dem verwelkten geschrumpelten.

Das Vergehen der Zeit - Ausschnitt Uhr - Entstehung Zeichnung (c) Susanne Haun
Das Vergehen der Zeit – Ausschnitt Uhr – Entstehung Zeichnung (c) Susanne Haun

2 comments

  1. Meine Oma war eine starke Frau.
    1913 geboren, ließ sie sich von ihrem 1. Man in den 30ziger scheiden, er betrog sie mit einer Freundin.
    In den 30zigern ließ man sich als Frau nicht so einfach scheiden, das war sehr mutig von ihr.
    Ihr zweiter Mann, dem sie versprach, seinen Namen nicht abzulegen, wurde an die Ostfront im 2. Weltkrieg geschickt, er war dem Regiem nicht genehm.
    Und ihr dritter Mann sollte mein Onkel Erich werden. Oma wollte einen Doppelnamen, um ihr Versprechen nicht zu brechen.
    Zu guter letzt platze ihr Hirnaneurysma und die Medizin war damals noch nicht so weit, wie zu dem Zeitpunkt als mein Hirnaneurysma platze.
    Ich fühle mich meiner Oma sehr verbunden, sie ist ca. 15 Jahre tot und ich vermisse sie noch immer.

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