Philosophie · Vergänglichkeit · Zeichnung

Die innere und äußere Vergänglichkeit – Gedanken von Susanne Haun

Unter innerer Vergänglichkeit verstehe ich meine eigene Endlichkeit, meinen Tod.  Ich habe mich in den letzten Jahren mit meiner Vergänglichkeit beschäftigt und dachte, ich hätte den Teufel gebannt und meinen Frieden mit der Vergänglichkeit geschlossen. Viele Zeichnungen beschreiben diesen Zustand.

 

Innere Vergänglichkeit - 15 x 20 cm - Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun
Innere Vergänglichkeit – 15 x 20 cm – Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Wie konnte ich mich nur so täuschen! Es gibt die äußere Vergänglichkeit, die um ein vielfaches grausamer als die Innere ist. Unter äußerer Vergänglichkeit verstehe ich den langsamen Tod eines lieben Menschen. Es ist ein völlig hilfloses Sitzen und Ausharren, während der geliebte Mensch immer mehr verschwindet. Es bleibt nur eins: die Liebe, die ein Band schnürt, das stark macht.

 

Äussere Vergänglichkeit - 15 x 12 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun
Äussere Vergänglichkeit – 15 x 12 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Es gibt eine Krankheit, die schlimmer als Krebs ist, eine Krankheit, die die Persönlichkeit vollständig zerstört und eine leere Hülle zurücklässt. Auf dem Weg zur leeren Hülle muss der geliebte Mensch erleben, wie der Geist sich leert. Zurück bleiben Angst,  Verzweiflung, Wut und irgendwann das große Nichts. Sind dagegen die Schmerzen des Krebs nicht greifbar?

 


 
 

30 Kommentare zu „Die innere und äußere Vergänglichkeit – Gedanken von Susanne Haun

  1. Liebe Susanne!
    Diesmal gibt es kein „gefällt mir“, sondern ich wünsche Dir die nötige Kraft für die wohl anstehende schwere Aufgabe, und ich wünsche Dir ebenfalls, dass Deine Begleitung des geliebten Menschen „auf dem Weg in den Nullraum“ Dich nicht allzu sehr „aus den Socken haut“.
    Liebe Grüße Juergen

    1. Danke, lieber Jürgen, es erfordert viel Kraft – auch körperliche Kraft. Aber ich habe ja den Nullraum, in den ich mich zurückziehen kann, der mich zur Bewegungslosigkeit zwingt und der stimmungslos ist.
      Liebe Grüße von Susanne

    1. Sie ist schwer zu ertragen, diese Vergänglichkeit aber ich möcphte sie respektieren als Teil des Weges des Menschen. Es ist bloß so schwer, zu beobachten, wie ein Mensch seine Identität verliert.

      1. Ich denke zu wissen wovon dual redest / habe die zerstörende Wirkung von Alzheimer zwei Jahre schleichend und heftig erleben müssen / wie Geist und Sinne verlieren. Sehr traurig.

  2. Hallo Susanne,
    Deine Zeichnungen sind in 2008 entstanden. Ist dein Gefühl aus dieser Zeit?
    Oder ist jetzt das Schicksal eingetreten?
    Wir haben gerade im Januar einen Verlust in der Verwandtschaft erfahren. Die Gefahr um das eigene Wohl, die Gesundheit, ja Vergänglichkeit wird einem da bewusst.
    Alles ist vergänglich. Hoffen wir es gibt weniger Leid.
    Unsere Seelen leiden sowieso, Gefühle liegen blank.

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Liebe Sabine,
      die Zeichnungen von 2008 zeigen mich und spiegeln die Innere Vergänglichkeit wieder, also meine eigene Vergänglichkeit. Ich hatte am 31.1.2008 eine schwere Gehirnblutung aufgrund eines geplatzten Gehirnaneurysmas. Es sitzt auf der ersten Gablung vom Groß- zum Kleinhirn, ist inzwischen gecoilt, aber da nach dem coilen das Kleinhirn weniger Sauerstoff erhielt, sind die Drähte nicht richtig vernarbt. So ist dieses dumme Ding von Aneurysmastumpf in den letzten Jahren nochmal gewachsen. Die Auswirkungen ändern sich dadurch nicht. Es ist ein Wunder, dass ich heute noch lebe und ich danke jeden Tag dafür. Und ich habe sehr lange gebraucht, um die Schäden, die die Blutung hervorrief unter Kontrolle zu bekommen und die Schäden, die geblieben sind, zu repektieren.
      Die Zeichnungen in dem karierten Heftchen sind letztes Wochenende entstanden. Sie spiegeln die Äußere Vergänglichkteit wieder, die Zeichnungen zeigen meine Mutter. Sie liegt mit schwerem Asthma und starker Demenz im Krankenhaus und wir müssen Entscheidungen treffen.
      Ja, die Seelen leiden, es braucht sehr viel Kraft, um damit umzugehen.
      Liebe Grüße von Susanne

        1. Danke, Sabine, ich bin auch schon wieder auf dem Sprung ins Krankenhaus. Segen ist auch Fluch der Technik, meine Mutter hat ihr Handy am Nachtisch und sie schafft es zeitweise, mich anzurufen. Wo bin ich? und Wo bist du? sind die Fragen, die ich dann höre und es zerreist mir das Herz.
          Liebe Grüße von Susanne

            1. Liebe Sabine,
              ja, so ist es und eine große Portion Organisationstalent.
              Was bin ich froh, dass ich dieses Talent habe, sonst würde ich nur die Hälfte von allem schaffen.
              Danke und viele Grüße von
              Susanne

      1. Pass gut auf dich auf, liebe Susanne, wie ich gerade schon schrieb: ich denke an dich voller Mitgefühl und sende dir ein Licht-
        ich weiss, das sind nur kleine Trostlichter, aber mir hilft es immer nicht allein zu sein!
        ich grüsse dich sehr herzlich
        Ulli

  3. Ich habe deinen Austausch mit Sabine gelesen und wünsche dir viel Kraft. Du darfst dich einfach nicht zuviel zumuten damit Du die Balance halten kannst.
    Meine Frau hatte 1986 mit 38 Jahren innerhalb von 3 Wochen 2 Hirnblutungen; weil der Arzt bei der 1. Blutung falsch diagnostizierte. Nach einer schweren 7-stündigen OP und einem halben Jahr Klinik u. Reha bekam ich eine „fremde“ Frau zurück. Sie ist seither behindert, weil sie das Kurzzeitgedächtnis verlor. Es war damals ein Wunder, dass sie überhaupt überlebte.

    1. Lieber Ernst, ich drücke dich sehr doll. Ich kann mir gut vorstellen, wie schwer diese Veränderung für dich war und die Fotos von euren Reisen, die du immer wieder in deinem Blog zeigst stellen das sehr gut dar.
      Ich hatte viel Glück, die Medizin ist von 1986 bis 2008 fortgeschritten und ich war in meinem Atelier mit Kollegen und Malschülerinnen, als mein Aneurysma platze. Ich habe unter Todesangst und Schmerzen eindrücklich verlangt, dass die Feuerwehr gerufen wird. Ich wusste aus dem Gefühl heraus, dass es lebensbedrohlich ist. Das Universitätskrankenhaus Charite ist keine 10 Minuten von meinem alten Atelier entfernt. Dort gibt es eine Spezialstation nur für Aneurysmen auf dem neusten Stand der Technik. So konnte ich überleben, mein Kurzzeitgedächtnis ist ebenfalls schlimm geschädigt, aber ich schaffe es durch Notizzettel, meinen Blog hier und Training, Training, Training, es einigermaßen bei Laune zu halten.
      Ich finde es wirklich bewundernswert, dass du nicht aufgibst. Ich sende dir viel Stärke!
      Liebe Grüße von Susanne

      1. Du sagst es Susanne, man kann 1986 nicht mit 2008 vergleichen. Meine Frau wurde am Universitätsspital Zürich von einem berühmten Professor operiert, ansonsten hätte sie wahrscheinlich nicht überlebt. Zürich war damals auch führend für solche Eingriffe. Grüess Ernst

  4. Liebe Susanne,
    hier hat sicherlich jeder, der geliebte Menschen begleitet hat, seine eigene Geschichte. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen den Mut und die Kraft, die Entscheidungen, die notwendig sind zu treffen und die Gewißheit, das die getroffenen Entscheidungen die richtigen sind.
    Ja, pass bitte gut auf Dich auf, herzliche Grüße
    Volker

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