Susanne Haun

Der Blick zum Schloss Tegel – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Berlin, Skizzen, Skizzenbuch, Skulptur, Zeichnung by Susanne Haun on 15. November 2012

Der Mensch strebt zuerst in die Ferne, ehe er sieht, wie schön seine Umgebung ist.

Ich war in Afrika, Amerika, Asien und vielen Teilen Europas ehe ich nur 5 km von mir zuhause entfernt das Schloss Tegel besuchte. Das Schloss ist auch unter dem Namen Humboldt Schloss bekannt und die Gebrüder Humboldt haben dort ihre Kindheit verbracht. Ich berichtete schon hier in meinem Beitrag vom 22. September 2012 vom Schloss.

Hier waren die Gebrüder Humboldt zuhause (c) Foto von Susanne Haun

Hier waren die Gebrüder Humboldt zuhause (c) Foto von Susanne Haun

Wilhelm von Humboldt erwähnt es in seinen Brief Archäologen und Philologen Gottlieb Welcker 12. März 1822 mit den Worten:
“Ich bin auf einige Tage allein aufs Land gegangen, liebster Freund, und schreibe Ihnen von hier.”
Heute liegt das Schloss im Norden Berlins und mitnichten auf dem Land. Ich will nicht sagen, dass es im Herzen Berlins liegt, es steht ca. 5 km von der Stadtgrenze entfernt.

Spe, die Hoffnung 15 x 15 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Spe, die Hoffnung 15 x 15 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Das Schloss ist noch heute von den Nachfahren der Gebrüder Humboldt bewohnt, es ist nur im Sommer im Rahmen von Führungen zu besichtigen. In teilen des Schlossparks kann der Besucher während der gesamten Jahreszeit wandeln, vorne am Zaun steht eine Spendenbox zur Erhaltung des Gartens, in der ich gerne ein silbernen Taler warf. Ich finde es sehr großzügig von den Bewohnern, dass ich als Gast Teile des Gartens besichtigen darf. Möchtet ihr in eurem Garten jeden Tag fremde Leute zu Besuch haben?

Mit Rücksicht auf die Bewohner gibt es deshalb auch keine große Fotoserie zu meinem Besuch. Ich habe für einen Eindruck von außerhalb des Gartens das Schloss fotografiert und mich mit der dicken Marie ablichten lassen. Ist das nicht ein toller Name? Die dicke Marie ist eine 800 Jahre alte Eiche, die von den Gebrüdern Humboldt nach ihrer Köchin benannt wurde.

Im Wikipedia habe ich folgendes zur Marie gefunden:
Dendrologischen Erfahrungen zufolge ist jedoch keine Eiche in Deutschland älter als 800 Jahre, so dass die Maße des Umfanges und des Durchmessers eher für ein Alter des Baumes zwischen 400 und 500 Jahren sprechen. Eine genauere Bestimmung wäre durch eine Kernbohrung möglich, die jedoch noch nicht erfolgt ist.“

UPDATE vom 28.9.16: Ein freundlicher Leser meines Blogs hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die dicke Marie an der Malche am Tegler See steht (siehe hier).

Die Eiche im Schloßpark Tegel ist die sogenannte Humboldeiche. Herzlichen Dank für den Hinweis. Bei Recherchen habe ich folgendes zu den beiden Bäumen gefunden:

„Die »Humboldteiche« und die »Dicke Marie« sind als Relikte des mittelalterlichen Landschafts- und Waldbildes zu betrachten. Interessant ist die in der Literatur vertretene These, daß diese Bäume als Grenzbäume zwischen den Gemarkungen Tegel und Heiligensee fungiert haben sollen und deshalb bei den mittelalterlichen Waldrodungen verschont wurden. Noch gibt es aber dafür keine schlüssigen Beweise.“ Hainer Weißpflug

Auch für die Humboldteiche schätzt Weißpflug das Alter von ca. 400 – 500 Jahre. Er widerspricht damit der These, dass der Vater der Humboldtbrüder die Eiche gepflanzt hat.

Dieses Zitat habe ich in der Zeitung Berlin im Detail zur Humboldteiche gefunden (siehe hier).

Die alte Marie ist soviel älter als ich (c) Foto von A.Haun

Die alte Marie ist soviel älter als ich (c) Foto von A.Haun

Sehr hat mich die von Schinkel angelegte Familiengrabstätte der Familie von Humboldt beeindruckt. Eine hohe Säule mit einer Kopie der 1818 von dem Bildhauer Bertel Thorvaldsen geschaffenen Statue der Spes (Hoffnung) steht auf der Grabstätte. Spes schaut in Richtung des Schlosses und ich konnte mich nicht beherrschen, sie in mehreren Positionen zu zeichnen. Die Hoffnung der Spes bezieht sich auf gute Ernte und Kinder. Ich zeichnete sie einige male, sie ist schlecht zu erkennen von unterhalb der Säule!

Tegel Schloss (c) Zeichnung von Susanne Haun

Tegel Schloss (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
At first human beeing strives into the distance until he sees how beautiful the surroundings.
I was in Africa, America, Asia and many parts of Europe before I visited just 5 km away from my home, the Tegel Castle. The castle is also known under the name of Humboldt Castle and the Humboldt brothers have spent in the Castle their childhood. With regard to the residents, there don’t exist a great photo series from my visit. I have a picture of the garden outside the castle and photographed myself with the thick Marie leave. Is it a great name? The thick Marie is a 800 year old oak tree, which was named by the brothers Humboldt cook.

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Wilhelm von Humboldt, Schriften zur Sprache, Zweitausendeins Verlag, Seite 1018

9 Antworten

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  1. Michael Zoll said, on 15. November 2012 at 18:07

    Du hast erinnert das ich mal wieder zum Tegel Schloss gehen wollte… Danke!

    Gruß Michael

    • Susanne Haun said, on 15. November 2012 at 20:11

      Es lohnt sich Michael, gerade jetzt im Herbst, wenn die Lindenallee gelbe Blätter hat!

  2. theomix said, on 15. November 2012 at 19:22

    Das gefällt mir sehr. Ich war ein Mal dort, vor fast 30 Jahren.

    • Susanne Haun said, on 15. November 2012 at 20:11

      Ich kann dir nicht sagen, was sich in den letzten 30 Jahren verändert hat 🙂

  3. Dr. Ernst Theodor Mayer, Medizinaldirektor (LMU) i.R. said, on 16. Juni 2013 at 10:32

    Die „Spes“ wurde von Thorvaldsen 1818 nicht „geschaffen“ (erfunden), sondern ist die von ihm ergänzte linke
    Firstakroter-Kore vom Westgiebel des Tempels in Ägina, um 500 v. Chr. Solche Koren wurden vor allem auf der Akropolis von Athen schon vor Salamis (480 v. Chr.) vielfach als Votiv-Figuren auf hoher Säule aufgestellt. Etwa 50 bemalte „Jungfrauen“ fand man um 1888 im sog. Perserschutt des Parthenon. Eine Farb-Rekonstruktion der Kore Nr. 682 von der Akropolis aus dem Jahr 2009 findet sich in der Kieler Kunsthalle und eine Kopie der linken Firstakroter-Kore auf hoher von der Prinzregentenstraße aus sichtbarer Pergolawand der Stuckvilla in München.

    • Susanne Haun said, on 16. Juni 2013 at 17:20

      Herzlichen Dank für die interessanten Hinweise, die ich gerne gelesen habe.
      Einen schönen Abend von Susanne Haun

      • Dr. Ernst Theodor Mayer, Medizinaldirektor (LMU) i.R. said, on 16. Juni 2013 at 18:14

        Sehr geehrte Frau Haun,
        bei meinem Spes-Text war in der ersten Zeile herausgefallen, dass Thorvaldsen die Köpfe der beiden First-
        Akroter-Koren vom westlichen Giebel in Ägina 1818 nach dem Vorbild eines ebenfalls dort gefundenen Kopfes ergänzt hat, der erst 116 Jahre später (1934) als Kopf einer der Eckakroter-Sphinxe erkannt wurde.
        Der m.W. einzige in Ägina aufgefundene (aber kopflose) Sphinx-Leib aber wurde von Thorvaldsen damals mit einem Greifenkopf ergänzt, welcher falsche Eckakroter dann z.B. in den 12 Eckakroteren auf den Dächern der 1885-1892 in Athen erbauten Nationalbibliothek sowie im Logo des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) verewigt wurde. – So bleibt uns die spätarchaische Jungfrau als Hoffnung (Spes) auf Ewigleben selbst eines Irrtums erhalten.
        Auf der Münchner Glyptothek aber sitzen auf der Südseite zwei weibliche Eckakrotere, und in der östlichen Glyptothek-Fassade steht eine Thorvaldsen-Statue, die sich auf eine Spes in der Hoffnung auf Werke stützt.
        Mit freundlichem Gruß
        Ernst Theodor Mayer

        • Susanne Haun said, on 18. Juni 2013 at 09:15

          Sehr geehrter Herr Mayer,
          ich finde es immer wieder faszinierend, wieviele Irrtümer es in der Geschichte gibt.
          Sind es aber nicht gerade diese Geschichten, die auch das lernen so interessant machen?
          Herzlichen Dank von Susanne Haun


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