Susanne Haun

Wasser, Wellen, Wogen und Pferde stehlen – Linolschnitt von Susanne Haun

Posted in Landschaft, Linolschnitt, Zeichnung by Susanne Haun on 29. Januar 2013

Ich sitze gerne am Wasser und beobachtete die Bewegungen an der Oberfläche. Das ewige Auf und Ab, die Töne des Wassers, die Linien und Kreise, die es bildet, beruhigen mich und lassen meine Gedanken fliessen.

Wasser blau - schwarz - Blatt 6 (c) Linolschnitt von Susanne Haun

Wasser blau – schwarz – Blatt 6 (c) Linolschnitt von Susanne Haun

So sprachen mich die Beschreibungen von Norwegen im Buch „Pferde stehlen“ von Per Petterson auch gleich an. Ausführlich beschreibt Petterson das Fällen und Transportieren (Flößen) von Bäumen auf dem Fluss, die Einsamkeit und stellt den Lebensanfang des Erzählers Trond seinem Lebensende gegenüber. Vom dazwischen erfahren wir nichts, nur die Existenz einer Tochter gibt Auskunft über das Leben, was er geführt haben mag.

Das Buch wird auf Jargs Blog hier sehr gut beschrieben und auf Dinas Blog seht ihr wunderschöne Fotos von Pferden dazu.

Wasser rot schwarz - Blatt 7 (c) Linolschnitt von Susanne Haun

Wasser rot schwarz – Blatt 7 (c) Linolschnitt von Susanne Haun

Dina und Jarg haben das Zitat „Du entscheidest selbst, wann es weh tut…“ herausgehoben, ich mag dieses Zitat auch habe aber ebenfalls „… ich frage mich, ob man so wird, wenn man lange alleine lebt, dass man mitten eine einem Gedankengang anfängt, laut zu reden, dass der Unterschied zwischen reden und nicht reden langsam verwischt, dass die ewige Unterhaltung, die wir innerlich mit uns führen, übergeht in die, die wir mit den wenigen Menschen führen, mit denen wir Umgang haben ….“ im Buch markiert.

Den Linolschnitt der Woge, die ich heute zeige, habe ich schon vor ungefähr 4 Wochen begonnen. Oft habe ich Wasser gezeichnet aber das Schneiden der Wellen und Tropfen in das Linolum ist eine andere Herausforderung.

Wasser Schwarz - Blatt 4 (c) Linolschnitt von Susanne Haun

Wasser Schwarz – Blatt 4 (c) Linolschnitt von Susanne Haun

Ich arbeite dabei nach dem Prinzip der verlorenen Form, das Picasso entwickelte. Ich schneide zuerst wenige Linien aus der Platte, drucke diese hell, in meinem Fall gelb. Dann schneide ich an derselben Platte weiter und drucke mit einem mittelhellen Ton weiter – in diesem Fall einige Blätter in blau und einige in rot. Wieder schneide ich an der selben Platte weiter und drucke schwarz als letzte Farbe über die gelb blau roten Blätter.

Selbst wenn ich mir vornehme, nur ein Blatt zu drucken, trägt mich die Farbe immer hinfort und ich kann nicht aufhören, Farben zu kombinieren und die Papiersorten zu wechseln.

Den Beitrag heute beende ich mit einem Zitat von Per Petterson aus dem Buch „Pferde stehlen“:
Ich bin der Meinung, dass wir uns unser Leben selbst erschaffen, ich jedenfalls habe meins selbst erschaffen, was immer es Wert ist, ich übernehme die volle Verantwortung dafür.
Es ist ein Gedanke, der es Wert ist, länger gedacht zu werden.
Ist es nicht einfach für uns Menschen, zu sagen, die Umstände, die Eltern, Freunde oder Frau/Herr xy sein Schuld daran, dass wir sind, wer wir sind?
Ich mag es eher, die Verantwortung für das zu tragen, was ich bin, denn macht nicht gerade das mich aus, die Summe aller meiner Entscheidungen, die ich getroffen habe.

Wasser rot schwarz im alten Mann und das Meer - Blatt 9 (c) Linolschnitt von Susanne Haun

Wasser rot schwarz im alten Mann und das Meer – Blatt 9 (c) Linolschnitt von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
I like to sit by the water and watching the movements on the surface. The eternal ebb and flow, the sounds of water, the lines and circles, it is calm, and I let my thoughts flow.
So I like the descriptions of Norway in the book „Stealing Horses“ by Per Petterson. He wrote in detail the cases and transporting (rafts) of trees in the river and the end and the beginning of life of the storyteller Trond.
The linocut of the wave that I show you today, I have begun about 4 weeks ago. Often I have drawn water but cutting the waves and drops into the linol is another challenge.
I work according to the principle of the lost form that Picasso developed. I cut a few lines from the first state of linol, print this bright yellow in my case. Then I cut more of the same linol and print with a medium bright tone – in this case, some sheets of paper in blue and some in red. I cut back on to the same linol and print black as the last color on the red or yellow or blue sheets.

_____________________________
Petterson, Per. Pferde stehlen. Frankfurt am Main. 2003.

23 Antworten

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  1. bsmaichel said, on 29. Januar 2013 at 19:17

    i L I K E ! T O i T O i T O i

  2. Frau Blau said, on 29. Januar 2013 at 19:26

    liebe Susanne,

    ja, ich übernehme auch lieber die Verantwortung für mein Sein, als dass ich die Schuld im Außen suche. Trotzdem sind wir geprägt worden und manches lauert oft lange im Verborgenen … allerdings trage ich dann die Verantwortung dies zu erhellen, zu mir zu nehmen und gleichzeitig loszulassen, Frieden zu schließen zwischen meiner Vergangenheit und dem Jetzt …

    Pferde stehlen ist bestellt …

    ich mag deine Linolschnitte sehr
    herzliche Grüße und hab einen gemütlichen Abend
    Ulli

    • Susanne Haun said, on 29. Januar 2013 at 20:39

      Liebe Ulli,

      ja, wir sind geprägt worden. Das sehe ich auch so.
      Aber wenn wir etwas wirklich wollen, dann können wir es auch gegen den Widerstand gegen unsere Prägung durchsetzen. Ich sage nicht, dass es einfach ist. Aber eines sage ich dir, es selektieren sich diejenigen heraus, die wirklich zu dir halten.

      Danke für dein Lob zu den Linolschnitten und dir auch einen schönen Abend sendet dir Susanne

      • Frau Blau said, on 30. Januar 2013 at 17:16

        Aber eines sage ich dir, es selektieren sich diejenigen heraus, die wirklich zu dir halten.

        das ist wohl wahr!!! es lohnt sich gegen die Widerstände zu sich zu kommen, das sehe ich auch so, was ich bedauer, wie lange manches (bei mir) gedauert hat und noch dauert … manche Dämonen sind stärker, als mir lieb ist!

        herzlichst Ulli

        • Susanne Haun said, on 31. Januar 2013 at 17:56

          Liebe Ulli,
          besser spät als nie,
          es gibt so viele Menschen, die unzufrieden sind und keine Konsequenzen daraus fassen ….
          Wenn ich merke, das ich unzufrieden werde, ändere ich immer schnell etwas und dann wird es anders und meistens besser!
          Liebe Grüße von Susanne

  3. Maxima said, on 29. Januar 2013 at 19:27

    very strongly, impressively powerful, great! Fabulous post have nice day

  4. Jarg said, on 29. Januar 2013 at 20:45

    Vielen Dank für die Verlinkung – und für die schönen, ausdrucksstarken Linolschnitte, die es hier zu sehen gibt.
    Liebe Grüsse von
    Jarg

    • Susanne Haun said, on 29. Januar 2013 at 21:09

      Gerne, Jarg, ich habe gerade von Dina erfahren, dass wir uns auf eine Rezension von Vingings Spiel von dir auf ihrem Blog freuen dürfen. Ich bin auch Ketil Bjornstad Fan.
      Liebe Grüße von Susanne

      • Jarg said, on 29. Januar 2013 at 21:40

        Ja, „Vindings Spiel“ kommt bald als Rezension auf Jargsblog …ein wunderbares Buch

    • Dina said, on 29. Januar 2013 at 21:46

      Ich schliesse mir Jarg und sage tusen takk! Wunderschöne Linolschnitte präsentierst du uns hier, das Buch mag sich sehr.
      Herzliche Abendgrüße
      Dina

      • Susanne Haun said, on 30. Januar 2013 at 08:34

        Danke, Dina, jetzt weiss ich auch was tusen takk bedeutet, ich geniesse es, jede Sprache im Internet übersetzen zu können, auch wenn bei ganzen Sätzen lustiger Quatsch dabei herauskommt. Dir und den deinen einen schönen Urlaub, Susanne

  5. haushundhirschblog said, on 29. Januar 2013 at 21:29

    Liebe Susanne,
    feine Linolschnitte und -drucke sind das!
    Und das gefällt mir auch sehr: „Ich mag es eher, die Verantwortung für das zu tragen, was ich bin … “
    Herzlich, mb

    • Susanne Haun said, on 30. Januar 2013 at 08:31

      Danke, mb, ich bin im Moment auch im echten Linolschnitt Fieber. Auf einem meiner beiden Arbeitstische im Atelier liegt alles bereit und ich kann sofort loslegen. Viele Grüße sendet Susanne

  6. Stefan said, on 29. Januar 2013 at 22:34

    Liebe Susanne, das sind sehr schöne Linolschnitte, die mir gefallen. Und mit dem Wasser und den Bewegungen an der Oberfläche ergeht es mir ähnlich. Einen herzlichen Abendgruß, Stefan

    • Susanne Haun said, on 30. Januar 2013 at 08:35

      Danke, Stefan, ich finde auch, es wird nie langweilig, Wasser zu beobachten. Da hast du als Hamburger ja viel Auswahl! Liebe Grüße sendet Susanne

  7. buechermaniac said, on 30. Januar 2013 at 15:12

    Ich habe das Buch bzw., was eher selten vorkommt, das Hörbuch sehr geliebt. Und deine Linolschnitte dazu mag ich auch sehr 🙂

    • Susanne Haun said, on 31. Januar 2013 at 17:52

      Das ist wirklich außergewöhnlich, buechermaniac, dass du das Buch gehört hast und ich habe es gelesen. Die Linolschnitte sind mir auch sehr wichtig, ich werde weiter daran arbeiten. LG Susanne

  8. ledrakenoir said, on 30. Januar 2013 at 15:32

    Exciting and inspiring to see these color changes – very well done… 😉

    • Susanne Haun said, on 31. Januar 2013 at 17:53

      I like the changing of colors, too, Andrikken, every cut looks in a other way!

  9. […] habe ich das Format 30 x 40 cm gewählt. In meinem Kopf sind noch die Bilder, die beim Lesen vom Buch “Pferde stehlen” von Per Petterson entstanden sind. So nehme ich das Senegal Blau, es ist ein eisig kalter Farbton und zeichne einen […]


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