Leinwand · Zitat am Sonntag

Zitat am Sonntag – Folge 23 – Gotthold Ephraim Lessing

„Nicht jeder Kunstrichter ist ein Genie, aber jedes Genie ist ein geborener Kunstrichter. Der wahre Kunstrichter folgert keine Regeln aus seinem Geschmacke, sondern hat seinen Geschmack nach den Regeln gebildet, welche die Natur der Sache fordert.“
Gotthold Ephraim Lessing

Ich denke über das Zitat nach und beginne die Diskussion.
Was sagt ihr dazu?
Das Zitat hat mit „sehen lernen“ zu tun.
Nicht nur das was abgebildet oder dargestellt ist sondern auch das, was das Bild im Betrachter imaginiert.

„… nach den Regeln gebildet…“ – was sind die Regeln?
Eine Regel betrifft sicher die Qualität, die es zu erkennen gilt.
Wie wird ein Bild analysiert: Form, Farbe, sozialer Kontext, Gender, Ikonografie…..

Hommage an Basquiat - 220 x 140 cm - 2005 (c) Leinwand von Susanne Haun
Hommage an Basquiat – 220 x 140 cm – 2005 (c) Leinwand von Susanne Haun

Heute zeige ich euch ein Bild, dass schon vor 9 Jahren von mir gemalt und gezeichnet wurde. Die schwarzen Linien sind mit dem Pinsel aufgetragene Tuschelinien. Zu dieser Zeit tuckerte ich mir Leinwand an die Wand und arbeitete mit Leitern. Präsentiert habe ich die Arbeiten sowohl an der Wand als auch im Raum.

Hängung Hommage an Basquiat - 220 x 140 cm - 2005 (c) Leinwand von Susanne Haun
Hängung Hommage an Basquiat – 220 x 140 cm – 2005 (c) Leinwand von Susanne Haun
Präsentation der großen Leinwände
Präsentation der großen Leinwände von 2005

21 Kommentare zu „Zitat am Sonntag – Folge 23 – Gotthold Ephraim Lessing

  1. Interessant ist es ältere Bilder von dir sehen zu können. Auch die Fotos, wenn sie dann dokumentarisch geworden sind, bekommen wieder eine besondere Qualität. Das obere Foto ist herrlich, dein Bild mit Dir in dem Raum, dieser grandiose Kronleuchter, diese Stühle…. herrlich. Liebe Grüsse von Roswitha

    1. Danke, Roswitha, es ist erstaunlich, wie die Zeit in den Fotos zu sehen ist. Der Kronleuchter hängt im Schloßparktheater in Berlin Steglitz. Dort habe ich vor 9 Jahren meine großen Leinwände gezeigt. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, die großen Arbeiten zu zeigen. Nach der Vernissage in Schwerin werde ich mit der Arbeit an meiner große Leinwand (450 x 240 cm) für die Ausstellung in der Klosterkirche Grimma weiter arbeiten.
      Liebe Grüße von Susanne

  2. ich glaub was kunst ist und was qualität in der kunst ist , wird immer wieder neu erfunden von jahrzehnt zu jahrzehnt. wo ist die qualität anzusetzen bei einem objekt? am material dass es auch einen windstoß überlebt und nicht zusammenfällt? oder der gedanke hinter dem werk? welche qualität oder welche bedeutung hat ein gedanke? welcher gedanke hat wert? gibt es da überhaupt einen maßstab? ich denke nicht. manche kunstwerke sollen zusammenfallen, manche müllberge sind kunst…wo sind da die regeln die man vor 300 jahren aufgestellt hat? es ist wie in der medizin, was vor 300 jahren als regeln aufgestellt wurde, waren wohl wichtig für die entwicklung sind aber heute nicht mehr gültig. in der kunst glaub gibt es keine regeln mehr, ein strich auf weißer leinwand ist kunst…kommt drauf an wer ihn macht. ….auch doof…..von daher ist kunst eigentlich so wenig zu erklären wie das leben …..:-)…

    1. Ja, da hast du recht alles wird immer wieder neu erfunden, jedoch schauen wir Künstler auch immer wieder zurück und betrachten auch die Kunst der Vergangenheit.
      Ich denke, Coco, dass die Historie der Medizin anders betrachtet wird als die Historie der Kunst. Denn in der Kunst sind Werke aus dem 12., 13. …. 17. …. 20. Jahrhundert noch aktuell, sie hängen in Museen und spiegeln ihre Zeit und die Gedanken der Zeit wieder. Es ist interessant die Kunstwerke unter den verschiedenen Aspekten zu betrachten, ich mag es, nach der Idee hinter dem Werk zu forschen.
      Im Heute finde ich auch wenig Regeln in der Kunst, sie ist inzwischen sehr verkopft. Vielleicht ist sie aber auch schon immer sehr verkopft gewesen und wir sehen es nur nicht….

  3. Wer oder was ist ein Kunstrichter, was bezweckt jener? Einer der für andere feststellt was Kunst ist im Sinne eines Kunstkritikers oder der Galerist, der Kunst verkauft? Oder der, der sich gerne mit Kunstwerken umgibt? Oder jener, dem es nur darum geht teure Kunst an seine Wände zu hängen um damit zu protzen? Mir gefällt der Begriff Kunstrichter nicht! Kunstsinniger wäre vielleicht besser! Da könnten wir noch endlos weiter philosophieren!

    1. Wie coco schon geschrieben hat, Silvia, das Wort Kunstrichter ist mit der Sprache des 18. Jahrhunderts verknüpft. Wir können Lessings Zitat zur Kunstkritik nicht ohne den historischen Kontext sehen.
      Der Kunstrichter ist als Kunstkritiker zu verstehen und ich denke alle die, die du genannt hast, können auch Kunstkritiker sein. Das Wort Kritiker ist bei vielen negativ besetzt aber das sehe ich nicht so. Auch neue mathematische oder physikalische Erkenntnisse werden untersucht und kritisiert …
      Kritik ist für mich die Auseinandersetzung mit dem Werk und Auseinandersetzung kostet Zeit und Geld. So ist es doch eine Ehre, kritisiert zu werden!
      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag von Susanne
      Danke für deinen

  4. Liebe Susanne!
    Dann spitze ich mal zu:
    jeder ist ein „Kunstrichter“, jeder ist einzigartig, es gibt kein oben und kein unten, es gibt Begabte und weniger Begabte, und die „Natur der Sache“ legen wir Menschen selbst fest, wenn wir uns den Ideologien nicht unterwerfen wollen, und wir sehen, was wir sehen können und was wir sehen wollen, fertig! So ist das.
    Oder? Denn ich kann nicht leugnen: der Zweifel bleibt, wenn man „aufgeklärt“ durch die Welt treibt.

    Und ansonsten: dieser Kronleuchter ist ein echter Knaller. Und die Lässigkeit der Dame auf der Leiter ist grandios.
    LG Juergen

    1. Klar, Jürgen, jeder ist Kunstrichter… oder Kunstkritiker. Es ist die Frage, wieviel Wissen er in seiner Kritik einbringen kann.
      Hier spielt das „sehen können“ eine Rolle.
      Ich passe jedoch auf, dass ich nicht dort kritisiere, wo ich keine Kentnisse habe. Oder ich beschäftige mich vor der Kritik mit dem Thema.
      Wie ich schon bei Sylvia schrieb, ist Kritik eine Ehre, bedeutet sie doch, das jemand sich mit dem Werk auseinandergesetzt hat. Ich schließe die Polemik hier aus.
      Zweifel empfinde ich als positiv, denn zwingt sie uns nicht zum Nachdenken?

      Danke für das ansonsten 🙂 🙂 🙂 So ein Kronleuchter hätte ich ja gerne … aber dafür ist selbst mein Galerieraum zu klein…..

      Einen schönen Restsonntag von Susanne

  5. Hommage an Basquiat! Das finde ich erstmal sehr interessant, damit hätte ich Dich und Deine Arbeit, wie ich sie bisher – zugegebenermaßen sehr ausschnittshaft kenne, nicht direkt in Zusammenhang gebracht. Vielleicht wäre ja auch mal ein Austausch darüber interessant, mit welchen Künstlern wir uns auseinandergesetzt haben, wo wir unsere Wurzeln sehen und wo es Anker- und Orientierungspunkte für die einzelnen gab. (Bei mir war z.Bsp. in einer bestimmten Zeit Arnulf Rainer unglaublich wichtig, was man heute wahrscheinlich auch nicht mehr so direkt vermuten würde…aber das nur so am Rande).

    Ich finde die angeregte Frage durchaus sehr interessant.
    Wer bestimmt die Regeln? Und wer bestimmt welche Regeln?
    Denn dass immer irgendjemand irgendwelche Regeln bestimmt, bzw. Maßstäbe festlegt, und sei es auch nur für sich selbst, das scheint mir in der Natur der Sache, vielleicht sogar in der Natur des Menschen zu liegen…

    Bei dem ZItat denke ich sofort an einen meiner Lieblingsbuchtitel, naja, es ist nur ein Untertitel eines Buches von Jean-Christoph Ammann, seinerzeit Leiter des MMK in Frankfurt/Main, der da lautet: Kunst beginnt dort, wo der Geschmack aufhört.

    Geschmack sind Regeln. Regeln im Sinne: gefällt mir aus diesem Grunde, weil…und hier könnten dann sehr unterschiedliche Dinge zum Tragen kommen.
    Und es scheint mir im Laufe der Geschichte der Kritik dann doch eher oft so zu sein, dass die meisten Kritiker ein Werk betrachten und versuchen, es mit den Schubladen (Regeln), die sie für „gute“ Kunst ansetzen, auf irgendeine Art in Bezug zu setzen. Erfüllt es gewisse Kriterien, darf es als gute Kunst durchgehen, erfüllt es sie nicht, dann halt nicht.
    Künstler selbst können in ihrem Urteil über die Arbeit von Kollegen durchaus auch oft sehr harsch und abwertend urteilen, trotzdem will es mir scheinen (oder möchte ich gerne daran glauben), dass die Menschen, die auf der Seite des Produzierens stehen, doch eher geneigt sind, der Lessingschen Forderung zu folgen, nämlich nicht zuerst die Regel (den Geschmack) als Latte mitzubringen, an der das Objekt zu messen ist, sondern zuerst völlig unvermessen der eigenen Wahrnehmung zu folgen. Ästhetik (ich google das jetzt nicht, und so genau hab ich’s auch nicht mehr im Kopf) kommt auf jedenfall aus dem Griechischen, so hab ich’s mal gelernt, und bedeutet zuförderst: Ich nehme wahr. Bitteschön: Was sehe ich?! Und genau darum geht es: Die Überprüfung der eigenen Wahrnehmung (und darüber hinaus der ganzen Welt) anhand eines Objektes, das mir jemand vor meine Nase gesetzt hat.
    Und die einzige Kritik, die dem Kunstwerk taugt, ist die Frage, ob es in der Lage ist, meine Sicht der Welt zu verändern. Meine Maßstäbe zu verändern. Meine Regeln zu erweitern.
    Ist es dann nicht, dann vergisst Du es sowieso bald wieder.
    Deshalb sind für mich auch die Begriffe gut und schön absolut nicht identisch. Schön empfinde ich alles das, was mich bestätigt, was ja manchmal durchaus ganz „schön“ ist, aber es führt halt auf Dauer nicht weiter; deshalb kann man (nur in der Kunst?) auch etwas gut finden, was einem erstmal nicht gefällt. Gefallen ist eine Frage des Geschmacks. Gut eine Frage der Erkenntnis und der Kunst. Kunst kommt für mich sowieso von Erkenntnis.
    Liebe Grüße und Danke für diese abendliche Gedankenanregung!

    Klaus

    1. Hallo Klaus,
      Basquiat hat mich in einer Phase sehr beschäftigt, zusammen mit Warhol. Ich werde in meinem heutigen Blogartikel darauf eingehen.

      Ich finde es gut, dass du nicht sofort gegen die Regeln schreibst, denn Regeln habe immer die Anmutung von etwas einschränkenden, das muß aber nicht sein. Ich stelle mir auch immer wieder eigene Regeln auf, nach denen ich eine Zeit lang arbeite. Manchmal bestätigen sich die Regeln und manchmal verwerfe ich sie wieder.
      Das ist ein Lern- und Entwicklungsprozeß. Eine Gesellschaft benötigt auch einfach Regeln, um zu funktionieren.

      Gut finde ich auch, gut und schön zu trennen! Das ist sehr wichtig!

      Die Erkenntnis kommt bei mir meistens, wenn ich nicht mit ihr rechne. Nach einem langen Denkprozeß, das aktuelle Problem hat immer einen kleinen Platz in meinem Kopf mit anderen Problemen. Wenn wir es dann Problem nennen wollen.
      Dann stehe ich unter der Dusche oder esse oder gehe spazieren und plötzlich ist die Erkenntnis da. Ich mag diese Momente, in denen mich nach langem Denken diese Erkenntnis trifft.

      Danke für deinen ausfühlichen Kommentar, Klaus und Grüße aus Berlin von Susanne

  6. Freilich, es ist leicht zu sagen, es gibt heute keine Regeln oder die Alten sind nicht mehr gültig oder jeder ist Richter auf Grundlage dessen, was er sieht. Mit der kleinen Schrift „Kunstrichterei, Geschmack und Genie“ hat Johann Gottfried von Herder auf Lessings Thesen geantwortet, er beginnt diese schon ganz erhellend mit den Worten, ich zitiere „Kein Name sollte vorsichtig-scheuer machen als der Name Kunstrichter, denn wie ein hohes Geschäfts ist’s, über Kunst zu richten! ‚Verstehe ich auch‘ spricht der Bescheidene zu sich, ‚was Kunst und diese Kunst sei? Habe ich das System ihrer Regeln erfaßt und erprobet? Denn wie keine Kunst ohne Übung möglich ist, so auch ohne Kenntnis dieser Übung kein vollständiges, reines, richtiges Urteil.Und dieses Kunstwerk zu kennen, zu beurteilen, bin ich geschäftslos, unparteiisch, munter gnug? Unterrichtet gnug, um zu sehen wie eben dies Werk im Reich und in der Geschichte der Künste steht? Kenne ich dieses Reich? Übersehe ich diese Geschichte?‘ So der Bescheidene.“

    Es geht um etwas wie ein Fundament, um das Sehen, Wahrnehmen und Erkennen-Können, wie es Klaus umreisst, aber dies eben als Kunstrichterei /Kunstkritik in einem theoretisch – geschichtlichen Kontext, den es mit zu bedenken, einzubeziehen und anhängig vom Stand der eigenen Übung in diesen Fragen mit in den Blick zu nehmen ist, wenn er nicht ohnehin zum gedanklichen Handwerkszeug über Jahre geformt und ausgebildet wurde.

    Susanne spricht Bezugspunkte an, eine Hommage bringt dies als Werkform und Ausrichtung künstlerisch auf den Punkt. Ist diese nicht nur feines Etikett und/oder schlichtes Plagiat, geht es um das Ergebnis eines eigenen Schauen und Betrachtens, eines Sehens und Erkennens, ein In-Bezugstellen zum eigenen Selbst und dem eigenen, sich erübten Kunst-Kosmos und der Ableitung all dessen zu einem neuen Werkschaffen.

    Herder schreibt in obiger Schrift an späterer Stelle ‚(…) ein feinstes Urteil (…) erfinde oder stelle dar, es entdecke oder bereite Entdeckungen vor. Wer nicht beleben kann, soll auch nicht töten. Eben den liberalsten, den genieähnlichsten Kritiker zeiget es an, wenn er das Neue, das Schöne und Gute auszeichnend ins Licht stellt und – wenn er kann- vervollkommnet; die Tadelsucht dagegen, die bloß an Fehlern hängt und Federn ablieset, sie verrät eine kleinliche Seele.‘ Mit Lessing fordert Herder hier anschließend, dass aus beschriebener Hochachtung keine dumme Bewunderung werde: „Diese ist das nutzloseste Ding, dass sich statt der Kritik einschleichen mag, den Gepriesenen selbst anekelnd. Setzt vollends der Kritiker sich vor den Gepriesenen hin, um an seinem Werk eine unerhört neue Theorie für alle ähnlichen Werke künftiger Art auszufinden (…): wie schülerhaft wird dies Exerzitium vorm Angesicht des Meisterwerks, das dafür nicht geschaffen ward, und für den nachahmenden Haufen wie verführend?“

    In diesem Sinne, einen guten Start in die neue Woche….

    1. Hallo Christian,
      vielen Dank für deinen ausführlichen und inhaltsreichen Kommentar. In der Tat sind das Worte für Wochen und nicht nur für den Start der Woche!
      Ich finde dieser Satz sollte immer in unseren Köpfen sein:
      „‘Verstehe ich auch’ spricht der Bescheidene zu sich, ‘was Kunst und diese Kunst sei? Habe ich das System ihrer Regeln erfaßt und erprobet? “
      Der Rest ist natürlich auch wichtig!
      Ich denke garade an die rückhaltlose Bewunderung, die den Schaffenden so wenig weiter bringt wie unüberlegte, unwissende Kritik.
      Einen schönen Tag wünscht dir Susanne

  7. Über die Thematik „Regeln in der Kunst“ denke ich häufig nach, und meine Meinung dazu ist nicht statisch, sondern verändert sich im Lauf der Zeit immer wieder.
    Momentan scheint es mir wichtig zu sein, die Gefühle, die mich zu einem bestimmten Kunstwerk inspirieren und die dieses im besten Fall dann auch ausdrückt, dem Betrachter mitzuteilen. Dazu bedarf es einer gewissen handwerklichen Fähigkeit (siehe das Herder-Zitat im vorigen Beitrag), und aus meiner Sicht gibt es hierbei unbedingt Regeln zu beachten. Entscheidend aber ist am Ende, was der Betrachter fühlt bzw. ob er etwas davon spüren kann, was ich gefühlt habe, während ich an dem wie auch immer gearteten Werk arbeitete.
    Die Schlussfolgerung daraus wäre, das ein wie oben beschriebener „Kunstrichter“ nur immer einen Teilaspekt eines Kunstwerkes beurteilen kann, und das ist der handwerkliche. Alles andere ist subjektiv und regelfrei…

    1. Liebe Elke,

      danke für deinen Kommentar. Schön, dass die Diskusion so lebendig ist.

      Ich denke, dass der Kunstkritiker genau wie der Kunsthistoriker etwas mehr als den handwerklichen Aspekt einer Arbeit betrachten können und das diese weiteren Betrachtungen nicht subjektiv und regelfrei sein müssen.

      Noch in den 60ziger Jahre sagte man (leider habe ich hier keine Quelle), dass Kunst mindestens 100 Jahre alt sein muss, bevor man sie unter kunsthistorischen Gesichtspunkten betrachten kann. Alles was jünger ist, obliegt der Kunstkritik.

      Ich denke, wir können auch zeitgenössischer Kunst objektiv unter kunsthistorischen Gesichtspunkten betrachen.

      Vielleicht macht es dieses Beispiel von Werner Busch klarer:

      „Vasari (1511 – 1574) hat die gotische Architektur seiner Zeit als barbarisch, völlig chaotisch und missgestaltet empfunden. Ein solches Urteil ist normativ, es misst die Kunst an einer absoluten Schönheitsnorm. Je weniger ein Werk dieser Norm entspricht, umso schlechter wird es beurteilt. Normative Kritik aber verhindert im Grunde genommen das Zugeständnis eines relativen historischen Rechts an das Kunstwerk.“

      Ich mache mir gerade Gedanken, ob ich eine Installation korrekt betrachten könnte. Oder fehlt mir hierzu nicht viel Wissen? Und wie soll ich sie vom handwerklichen Können betrachten, wenn sie doch von der Idee vom Künstler vom Aufbau aber von Assistenten errichtet wurde.

      Es ist nicht so einfach wie es scheint,
      in dem Sinne viele Grüße von Susanne

      1. Liebe Susanne,

        ja, du hast recht, es ist nicht einfach. Wahrscheinlich gibt es viele verschiedene Blickwinkel, die alle ein gewisse Berechtigung haben. Das Busch-Zitat finde ich spannend…

        Viele Grüße
        von Elke

        1. Liebe Elke,
          ich mag das Busch-Zitat auch sehr. Die ganze Lektion „Die Atonomie der Kunst“ von Busch hat mich sehr angeregt. Ich bin gerne Studentin der Kunstgeschichte. Aber anstrengend ist es schon, gerade neben dem Beruf als Zeichnerin. Aber ich habe es mir ausgesucht und will nicht jammern ….
          Einen schönen Tag wünscht dir Susanne

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