Vergänglichkeit · Zeichnung

Bilanz ziehen – Susanne Haun

Manchmal sind Kommentare so inhaltschwer, dass ich sie in einem Blogbeitrag festhalte.

Mein Blog funktioniert als mein Gedächtnis. Solche Kommentare / Gedanken kann ich nur wiederfinden, wenn ich sie in Beiträge festhalte und durch Schlagworte kennzeichne.

Ein Strauß Tulpen (c) Zeichnung von Susanne Haun
Ein Strauß Tulpen (c) Zeichnung von Susanne Haun

Die Diskussionsgrundlage war meine Zeichnung Ein Strauß Tulpen (siehe hier).

Susanne:
Ich stelle auch den Kontrast von Leben und Tod dar. Und kann der Tod nicht nach einem erfüllten Leben auch schön sein? Ich weiss nicht, ob man selber merkt, wann die Zeit gekommen ist?

Bine:
Ich denke das kommt auf jeden einzelnen an. Meine Großmutter wußte, dass es soweit war. Ich glaube sie hat für sich akzeptiert, das ihr Körper/Kraft einfach aufgebraucht war.
Ein erfülltes Leben……das ist ein großes Thema. Ich denke eher ich muß auf meinem Sterbebett Bilanz ziehen und mir auch die verpassten Chancen, die nicht gesagten Worte, die nicht getanen Taten etc. verzeihen und annehmen. Das ist aber sehr spekulativ da ich selbst noch nicht mit dem Sterben konfrontiert worden bin.

Susanne
Ich habe in meinem Leben viele Dinge getan, die man ganz sicher auch anders machen kann. Ich sage extra anders, denn was ist im Leben ein Fehler? Der ist doch nur in der Moralphilosophie zu finden, also ein Fehler ist, wenn ich gegen die 10 Gebote, wie z.B. du sollst nicht töten,  verstoße. Diese Gebote lauten in jeder Religion.
Bilanz ziehe ich nicht erst am Sterbebett sondern täglich. Manche Entscheidungen, die ich getroffen habe, brauchen Zeit, um Wirkung zu tragen. Ein kleines Beispiel: Ich arbeite in meinem 6. Atelier – d.h. ich bin sechsmal mit meinem gesamten Kram umgezogen – jedesmal ein Kraftakt! Aber ich bereue keinen Umzug – aus allem habe ich etwas gelernt. Sicher – ich hätte mir vielleicht den einen oder anderen Umzug sparen können aber mir gingen dadurch wertvolle Erfahrungen verloren.
Jede Entscheidung und jede Erfahrung, die ich mache, bringt mich vorwärts. Statt mit mir zu hadern, warum ich nicht gleich nach dem Abitur studiert habe, studiere ich eben jetzt. Wer sagt denn, dass ein Studium vom Alter abhängig ist.
Und wenn ich auf dem Sterbebett liege, dann weiß ich, dass ich nur traurig sein werde, weil ich nicht mehr erfahren werden, wie es denn mit der Welt weiter geht. Werden wir Kolonien im Weltraum aufbauen? Können wir irgendwann Gehirne vor dem Tod in einen Computer übertragen und wie ist das ethisch zu sehen? Gibt es einen Weltfrieden? Und so weiter…
Wenn ich heute Nachrichten sehe oder über neue Technologien lese, dann macht sich eine Traurigkeit breit, dass ich von vielen Dingen das Ende nicht erfahren werde.

 

Der Tod ist ein häufiger Bestandteil meiner Kunst:

 

 

6 Kommentare zu „Bilanz ziehen – Susanne Haun

  1. Bilanz ziehen…das mache ich auch jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr. Ich schaue mir an, was ich geschafft habe, betrachte meine Fehler und lerne aus ihnen. Ich denke an meine Wünsche und versuche mit Dingen abzuschließen, die mich belasten.
    LG von Rosie

  2. großartige Zeichnungen mal wieder. Das Skelett gibt zeichnerisch viel her, besonders der Kopf, auch der von Tieren. Die Kombination mit Symbolen des Lebens und Wachstums (dazu gehört auch der rosa Hintergrund) gefällt mir ausgezeichnet.

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