Susanne Haun

Krankenhäuser wie Schlösser – Bericht und Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Berlin, Skulptur, Zeichnung by Susanne Haun on 10. Oktober 2012

Es gibt Gebäude, die für den Bewohner einer Stadt einfach selbstverständlich sind.

Ich bin in Berlin, Wedding in unmittelbarer Nähe des Virchow Krankenhauses geboren. Das Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin-Wedding wurde 1899–1906 gebaut. Schon damals bestand der Campus aus 50 kleinen Gebäuden. Vor dem Mauerfall gehörte das Rudolf Virchow Krankenhaus zur freien Universität, inzwischen ist es der Humboldt Universität angegliedert. Die gesamte Anlage ist denkmalgeschützt und seit 2003 sind die medizinischen Fakultäten der Humboldt- und Freien Universität Berlin der Universitätsmedizin Berlin Charité angegliedert, die zu den grössten Universitätskliniken Europas gehört. Charité ist franzsösich und bedeutet Barmherzigkeit bzw. Nächstenliebe. Ihr Leitspruch lautet „Forschen, Lehren, Heilen, Helfen“.

Der Eindruck des Märchenschlosses bleibt erhalten (c) Foto von Susanne Haun

Der Eindruck des Märchenschlosses bleibt erhalten (c) Foto von Susanne Haun

Ich bin mit diesen Gebäuden groß geworden, sie sind in meinem täglichen Umfeld so integriert und mit der Umgebung verschmolzen, dass sie selbstverständlich werden. Auch wenn ich inzwischen nicht mehr im Wedding sondern in Reinickendorf wohne. Betritt der Besucher den Campus von der Amrumer Straße, dem Augstenburger Platz ist er zuerst im Gebäudekomplex des Herzzentrum.

Das Herzzentrum ist für mich eine Selbstverständlichkeit, es sieht ein wenig aus wie ein Märchenschloss und ich bin dann immer wieder erstaunt, wie düster doch andere Krankenhäuser mitunter wirken. Mit der deutschen Staatsangehörigkeit und der deutschen Krankenkassenversicherungskarte ist es auch selbstverständlich, dort bei bedarf von den besten Ärzten der Welt operiert zu werden.

Fassadenfiguren Herzzentrumm Version 3 Tusche auf Bütten 17 x 22 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun (3)

Fassadenfiguren Herzzentrumm Version 3 Tusche auf Bütten 17 x 22 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun (3)

Ich finde es sehr wichtig, dass wir uns das bewußt machen, wie priviligiert wir trotz allen Kritikpunkten mit unseren Krankenkassen sind. Nur die Reichen und Mächtigen dieser Welt werden sonst dort operiert und sie müssen viel Geld dafür bezahlen. Bestimmt liegt es auch daran, dass die Charité mit Gewinn arbeitet.

Das Herzzentrum geht in das Virchowkrankenhaus über. Als ich um die 18 Jahre alt war, restaurierte ich mit meinem Vater die damals bleiverglasten Fenster in meinen Ferien. Die Bleiverglasungen sind inzwischen hellen Scheiben gewischen. Ich kann mir schon vorstellen, dass die dunklen Gläser, die nicht viel Licht durchlassen, in einem Krankenhaus fehl am Platz sind.

Die alte Kastanienalle (Mittelallee) spricht ebenfalls von der Geschichte des Krankenhaus. Neue und alte Gebäude stehen nebeneinander.

Fassadenfiguren Herzzentrum Version 1 Tusche auf Bütten 17 x 22 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Fassadenfiguren Herzzentrum Version 1 Tusche auf Bütten 17 x 22 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Es wird auch an den Namensgeber Rudolf Virchow erinnert. Ein vielseitiges Talent, der zum Beispiel als Gründer der modernen Pathologie gilt. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit war er auch Politiker und Archäologe.

For my english reader:
There are buildings that are easy for the inhabitants of a city, of course. I was born in Berlin, Wedding in the immediate vicinity of the Virchow Hospital. The Rudolf Virchow Hospital in Berlin-Wedding was built 1899-1906. Even then, the campus consisted of 50 small buildings. Before the Berlin Wall fell, the Rudolf Virchow Hospital belonged to the free university, now it is affiliated with the Humboldt University. I think the Building looks like a castle and I drawed the building facade.

________________________________________________________________________________________________________________________________
Quellen:
Die Charité: Geschichte(n) eines Krankenhauses, Hrsg: Johanna Bleker und Volker Hess, Akademie Verlag, 2010
RUDOLF VIRCHOW, KURT WINTER, Teubner Verlag 1976

6 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Georg Mühlenkamp said, on 10. Oktober 2012 at 22:11

    Da das Gelände über hundert Jahre bebaut wurde ist es ein wundervolles Architekturmuseum. Ein Besuch lohnt sich, als Patient habe ich jedoch nur negative Erfahrungen dort gemacht. Schade das die Beiverglasungen entfernt wurden.

    • Susanne Haun said, on 11. Oktober 2012 at 07:51

      Ich habe auch als Patient positive Erfahrungen gemacht. Als Besucher von Kranken mal positive und mal negative.
      Es kommt wahrscheinlich darauf an, in welcher Station und mit welchen Menschen du dort zusammen triffst.

  2. annaschueler said, on 11. Oktober 2012 at 07:47

    Schöne Fotos! Ich denke ich muss doch mal wieder nach Berlin fahren, vor allem da nun auch meine Lieblingsnichte dorthin gezogen ist.
    Verschnupfte Grüße

    • Susanne Haun said, on 11. Oktober 2012 at 07:51

      Dann können wir schön und in Ruhe einen Kaffee trinken, Anna! Melde dich, wenn du da bist!

  3. Sabine Oetjen said, on 11. Oktober 2012 at 08:25

    Da ich ja nächstes Jahr einen Workshop bei dir gebucht habe werden mein Mann und ich uns sicher noch diese wunderschöne Anlage ansehen.
    Liebe Grüße Bine

    • Susanne Haun said, on 11. Oktober 2012 at 18:45

      Ja, Bine, hier in Berlin gibt es sehr viel zu sehen, bekanntes und auch weniger bekanntes,
      liebe Grüße sendet dir Susanne


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: