Susanne Haun

Die Rolle der Galeristin – Susanne Haun

Posted in Kunstgeschichte, Leinwand, Zeichnung by Susanne Haun on 10. November 2016

 

Im  Sonntagsinterview vom 29.08.2016 des Tagesspiegel wurde Monika Sprüth interviewt (siehe hier).

 

Mein Weg zwischen Künstlerin und Kunsthistorikerin - 144 x 33 cm -Zeichnung auf Leinwand (c) Foto von Susanne Haun

Mein Weg zwischen Künstlerin und Kunsthistorikerin – 144 x 33 cm -Zeichnung auf Leinwand (c) Foto von Susanne Haun

 

Das Interview war sehr aufschlussreich und ich finde die Frau, die sich in der Beantwortung der Fragen zeigt, sehr sympatisch.

Die nicht nur kunst- sondern auch fußballbegeisterte Galeristin hat mich besonders in der Beantwortung der folgenden drei Fragen sehr begeistert:

„Susanne Kippenberger: Sie als Galeristin, sind Sie Trainer für den Künstler?
Monika Sprüth: Nein. Meine Rolle ist eher die des Beraters oder Managers. Der Galerist ist Dienstleister gegenüber dem Künstler.“²

Ich: Genauso stelle ich mir eine Galeristin vor, sie nimmt dem Künstler/in die betriebswirtschaftliche Arbeit ab, sorgt mit ihren Verkäufen dafür, das genügend Geld zum Leben für den Künstler/in vorhanden ist und gibt ihm/ihr manchmal Anstöße bei der Arbeit. Diese Anstöße können aufgrund eines Atelierbesuchs erfolgen oder aus einer Diskussion resultieren.

„Susanne Kippenberger: Sehen Sie sich selbst auch als Vorbild?
Monika Sprüth: Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass sich etwas verändert hat in den vergangenen 30 Jahren: Künstlerinnen sind sichtbarer im Kunstmarkt und in den Museen. Doch wir müssen vorsichtig sein, denn nur Frau sein alleine macht noch keine bedeutende Künstlerin. Ein wichtiges Kunstwerk muss in Form und Inhalt höchste Ansprüche einlösen.“³

Ich: Das ist auch immer meine Rede, nicht hervorheben, eine Frau zu sein und sich benachteiligt fühlen, sondern einfach tun, was in unserem Job zu tun ist. Ehe ich es nun in den Kommentaren lese: ich weiss, dass Frauen noch benachteiligt werden. Aber es hilft nichts zu jammern, es hilft nur anpacken und zu ändern.

„Susanne Kippenberger: Sollten Künstler ihr eigenes Werk interpretieren?
Monika Sprüth: Nein, das ist nicht ihre Aufgabe. Es geht ja darum, was das Werk beim Betrachter auslöst. Die bedeutende Kunstkritikerin der „New York Times“, Roberta Smith, will mit den Künstlern gar nicht reden. Sie schaut sich die Ausstellung an, und siehe da: Bei ihr kommt immer was sehr Vernünftiges raus.“³

Ich: Die Auffassung gefällt mir einfach. Ich habe während meines Studiums gelernt, das zwischen dem Kunsthistoriker und dem Künstler welten sehen. Ich wandele oft zwischen den Welten.

Das Interview geht über drei Seiten und es lohnt sich, es komplett zu lesen.

Und nun? Was zeige ich jetzt für eine Zeichnung dazu? Am besten die, die gerade entstanden ist. Bezugslos zum Text und doch mit vollem Bezug. Denn geht nicht alles, was ich denke und tue in meinen zeichnerischen Ausdruck ein?

 

______________________

²http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/die-galeristin-monika-sprueth-ueber-ihre-fussballleidenschaft-die-stimmung-im-stadion-ist-zweitrangig/14459784-2.html, 9.11.16, 13:45 Uhr.

³http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/die-galeristin-monika-sprueth-ueber-ihre-fussballleidenschaft-eine-perversion-unserer-welt/14459784-3.html, 9.11.16, 13:45 Uhr.

16 Antworten

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  1. Ulli said, on 10. November 2016 at 20:46

    Liebe Susanne,

    mir gefällt sehr die Haltung von Monika Sprüth und besonders dieses:
    „Nein, das ist nicht ihre Aufgabe. Es geht ja darum, was das Werk beim Betrachter auslöst. Die bedeutende Kunstkritikerin der „New York Times“, Roberta Smith, will mit den Künstlern gar nicht reden. Sie schaut sich die Ausstellung an, und siehe da: Bei ihr kommt immer was sehr Vernünftiges raus.““
    Gerne lese ich das Interview ganz, danke dafür.

    Und du hast so recht, jammern gilt nicht 😉 zieren auch nicht …
    herzliche Abendgrüsse
    Ulli

    • Ulli said, on 10. November 2016 at 20:47

      ich vergass zu schreiben, dass ich dein neues Bild lange studiert habe, es gefällt mir ausnehmend gut, ich mag all das Miteinanderverwachsene sehr …

      • Susanne Haun said, on 12. November 2016 at 18:31

        Danke, Ulli, ich möchte es freischwebend in den Raum hängen.

    • Susanne Haun said, on 12. November 2016 at 18:30

      Liebe Ulli,
      es freut mich, dass ich dich mit dem Link zum Interview von Monika Sprüth inspirieren konnte. Ich war sehr beeindruckt als ich es las. Auch die Kombination zum Fußball fand ich interessant.
      Ich geniesse es, am Wochenende den Tagesspiegel zu lesen, wir haben ihn nur für Fr, Sa und So abboniert. So eine Papierausgabe hat schon etwas.
      Ich sende dir schöne Sonnabendswünsche, lg Susanne

  2. textstaub said, on 10. November 2016 at 20:55

    Ein sehr toller Beitrag und ein super Interview.

    • Susanne Haun said, on 12. November 2016 at 18:31

      Danke, L. , der Tagesspiegel ist eine sehr gute Zeitung, die neben den Neuigkeiten des Tages viel Lesenswertes bietet.

      • textstaub said, on 12. November 2016 at 19:12

        Speziell die Haltung von M. Sprüth mag ich sehr / lebendig wie das Leben.
        Und immer erfreut deine Zeichen aufzunehmen und deine Edits lesend.

  3. Fred said, on 11. November 2016 at 09:15

    deinen Artikel finde ich echt cool. Mach weiter so!

  4. gkazakou said, on 11. November 2016 at 10:49

    Du hast schon recht, liebe Susanne: was du tust und denkst, geht in deine Zeichnungen ein. Der Künstler (die Künstlerin) ist ein Mensch mit Kopf, Herz, Bauch, Willen, Gefühl. Ideen – all das geht in sein/ihr Schaffen ein. Ich möchte, ehrlich gesagt, auf diesen irgendwie ja auch interpretierenden Kontext nicht verzichten. Denn Ich sehe anderes, mehr, wenn ich die Gedanken des Künstlers kenne.

    Deine neueste Zeichnung ist sehr sehr stark, sie steht auch ohne interpretierenden Kontext – und darauf kommt es natürlich in erster Linie an. Wenn die Interpretation an die Stelle des Kunstwerks tritt – sehr häufig bei der Konzeptkunst -, ist das für mich zu wenig, Doch dass ich das Denken, die Interpretation den Experten (Galeristen, Kunsthistorikern, Kunstmarkt-Managern) überlassen soll, finde ich töricht. Der Künstler und das Kunstwerk werden mystifiziert. Die Besucher einer Ausstellung stecken dann die Nase in irgendeine dieser sogenannten Expertisen, die oft genug in einem hochtrabend-verquaksten Stil geschrieben sind, und denken: nun seien sie endlich dem Werk nähergekommen.
    Kaum jemand kann ein Werk ganz ohne verbale Interpretation für sich erschließen. Eigentlich können das nur Künstler, die den Herstellungsprozess nachvollziehen können, weil sie ihn selbst beherrschen.

    Danke mal wieder für diesen anregenden Beitrag und die tollen Zeichnungen!

    • Susanne Haun said, on 12. November 2016 at 18:38

      Liebe Gerda, das geht mir mit der Konzeptkunst auch so. Als ich die ersten Annäherungen an diese Art Kunstrichtung wagte, war ich ganz begeistert und wollte gerne auch Konzeptkunst machen. Ich habe viel darüber nachgedacht und dann das eine andere Werk kreiert. Aber inzwischen langweilt es mich etwas. Ich schaue in der Regel in den index Berlin (siehe hier), das Galerieprogramm und habe festgestellt, dass die dort aufgeführten Galerien eine sehr homogene Art von Konzept- und Objektkunst präsentieren, es gibt wenig Überraschungen. Aber was überrascht uns überhaupt zur Zeit in der Kunst?
      Wir verlieren im Moment die Eigenschaft, ein Werk sinnlich zu erfahren und das finde ich sehr schade!

  5. Sophie33 said, on 12. November 2016 at 17:13

    Very precious & super cool drawings! Waw!

  6. wintergoldhuehnchen said, on 13. November 2016 at 20:59

    Liebe Susanne,

    seit einiger Zeit bin ich eine regelmäßige, aber stille Besucherin Deiner Seite. Letzteres möchte ich ändern: Ich finde es toll, wie Du akademischen Anspruch mit Kreativität verschmelzen lässt!

  7. […] Spaziergang hat mich zur Rückseite der Leinwand (siehe hier)  vom letzten Donnerstag […]


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