Susanne Haun

Eine rosa Azalee und Prometheus – Zeichnungen von Susanne Haun.

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Blumen und Pflanzen, Illustration, Prometheus, Zeichnung by Susanne Haun on 22. September 2012

Im Moment bin ich oft in der Oranienburger Straße in Mitte. Von den Stühlen berichtete ich ja schon (siehe hier), aber es gibt nicht nur Cafés mit vielen Stühlenrund  um die Oraninburger Straße,  sondern auch viele interessante Geschäfte.

Ich erstand in einem Buchladen Wilhelm von Humboldts „Schriften zur Sprache“. Eine sehr schwere Lektüre sowohl vom Gewicht (1055 Seiten der Größe A5) als auch vom Inhalt, aber ich fand darin auch einen Brief an den Archäologen und Philologen Gottlieb Welcker  „Über den Prometheus. Über Sprache und Schrift“ mit dem Datum Tegel, 12. März 1822. Ich wohne keine 5 Kilometer von dem Humboldt Schloss, wie es heute heißt, entfernt.

Azalee 17 x 22 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Azalee 17 x 22 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Humboldt beginnt seinen Brief mit den Worten:
„Ich bin auf einige Tage allein aufs Land gegangen, liebster Freund, und schreibe Ihnen von hier.“

Heute liegt das Schloss im Norden Berlins und mitnichten auf dem Land. Ich will nicht sagen, dass es im Herzen Berlins liegt, es ist ca. 5 km von der Stadtgrenze entfernt.

Humboldt erörtert seine Meinung zu Welkers „Promethee“ . Prometheus ist lt. der grieschichen Mythologie ein Titan, er ist der Schöpfer der Menschheit.

Azalee 17 x 22 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Azalee 17 x 22 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

2005 war in der alten Nationalgalerie Berlin die Ausstellung „Die Götter Griechenlands“, Zeichnungen (Fresken) von Peter Cornelius. Ich erinnerte mich heute daran, als ich Humboldts Brief las. Ich mag von Cornelius die Arbeit „Prometheus der Menschenbilder“ (1867), Athene, die den Menschen den Verstand gibt, hält auf dem Bild einen Schmetterling über den Kopf eines Menschen. Mir gefällt die Vorstellung, dass der Verstand ein Schmetterling ist.

2012 hat Ridley Scott seinen Film „Prometheus – dunkle Zeichen“ geschaffen. Egal wie alt die Menschheit wird, sie wird sich immer mit ihren Prometheus beschäftigen. Ridley Scotts Menschenbildner  (hier der Trailer des Films)  ist aus dem All, hat aber den Körperbau einer grieschichen Statue. Es ist beeindruckend, wie monomental Prometheus in einem 3D Film wirkt.

Wie mein Prometheus aussieht, das weis ich noch nicht, natürlich will ich auch den großen Menschbildner zeichnen. Aber bevor ich mich an diese Arbeit mache, muss ich meine Gedanken gleiten lassen und Ideen entwicklen, verwerfen und wieder aufnehmen. Beim Nachdenken über Prometheus habe ich eine Azalee gezeichnet. Ich denke, das ist eine klassische Übersprungshandlung.

Aber ich finde, das gewohnte Zeichnen und über das ungewohnte Nachdenken, das ist eine gute Art ein neues, völlig unerwartetes Projekt anzugehen. Es ist schwer zu bestimmen, wie wir Menschen nachdenken. Wann kommen uns die Ideen in den Kopf? Natürlich ist es auch wichtig, was wir alles an Inspirationsquellen und Wissen zur Verfügung haben. Wir können heute durch das Internet schnell unsere Gedanken und Ideen austauschen und Wissen ansammeln.

Ich habe mich entschieden, die Quellen (das Wissen), die ich für einen Artikel benutze und die Angaben zu den Zitaten am Ende eines Artikels zu schreiben statt wie bisher mit Artikeldatum im Literaturverzeichnis. Es ist für mich persönlich schon schwer, zwischen den Seiten Artikel/Verzeichnis zu springen und ich möchte es meinen Lesern nicht weiter zumuten.

For my english reader:

I bought the book „Rules for the languages“ from Wilhelm von Humboldt. Humboldts castle is 5 kilometres from my home district away and it is in Berlin town. But Humboldt writes to his friend Welcker, he is going a few days on the country side. At Humboldt lifetime it was realy countryside. The two talk about prometheus, the creator of human being.

___________________________________________________________________________________

Wilhelm von Humboldt, Schriften zur Sprache, Zweitausendeins Verlag, Seite 1018

Peter Cornelius / Durs Grünbein, Die Götter Griechenlands, 2004 SMB-DuMont, Berlin und Köln, Seite 40

8 Antworten

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  1. juergenkuester said, on 22. September 2012 at 17:35

    Hallo Susanne!
    Das ist wieder so ein Zufall: gestern war ich zur Aufführung von Carl Orffs „Prometheus“ im Landschaftspark Duisburg Nord im Rahmen der Ruhrtriennale. Diese musikalische Facette von Prometheus kann Dein Thema sicherlich ergänzen.
    Und wir sollten mal darüber nachdenken bzw. austauschen, dass uns ohne Absprachen gelegentlich die gleichen Themen über den Weg laufen (stopmotion/Bewegung, Engel, digitales Zeichnen, Auflösung, Prometheus …)
    Gruss Juergen

  2. susannehaun said, on 22. September 2012 at 18:03

    Hallo Jürgen,
    während du wahrscheinlich den Kommentar geschrieben hast, habe ich mir Orffs Musik auf youtube ( http://www.youtube.com/watch?v=JYKiKvRbYUM) angehört und die Kritik zur Veranstaltung Landschaftspark Duisburg online im Stern
    http://www.stern.de/kultur/musik/orffs-prometheus-bei-der-ruhrtriennale-altgriechische-rebellion-in-zeitlupe-1896731.html
    gelesen.
    Ich nehme nicht an, dass du zu denen gehörtest, die nach den ersten 30 Minuten gegangen sind, wie es in dem Artikel zu lesen war. Wie hast du die außergewöhnliche Veranstaltung empfunden?
    Aber es ist schon extrem, wie wir uns mit denselben Themen beschäftigen 🙂
    Grüße von Susanne

    • juergenkuester said, on 23. September 2012 at 17:40

      Die Aufführung war ein echter Knaller: das Gesangliche, das Bühnenbild, die Inszenierung. Ich war total begeistert.
      Gruss Juergen

  3. ute schätzmüller said, on 23. September 2012 at 08:59

    Hallo Jürgen und Susanne,

    die Literatur AG meines Mannes nennt sich „Prometheus Schergen“. Sie haben auch einen Blog und einen sehr faszinierenden Text über ihren Namensgeber geschrieben. Vielleicht habt ihr ja Lust ihn zu lesen, sie freuen sich natürlich über viele interessierte Rezipienten!
    http://prometheus-schergen.blog.de/2012/06/08/prometheus-schergen-13827161/

    Lg Ute

  4. susannehaun said, on 23. September 2012 at 09:08

    Danke, Ute, das eröffnet neue Blickwinkel …
    Ich lese gerade wieder in Humboldts Brief über Aischylos…
    Ein schönes WE wünscht euch Susanne

  5. […] Ich möchte noch einmal zurück auf Den Brief Humboldt an Welcker kommen (siehe meinen Beitrag hier). […]

  6. […] und die Gebrüder Humboldt haben dort ihre Kindheit verbracht. Ich berichtete schon hier in meinem Beitrag vom 22. September 2012 vom […]


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