Fast hätte ich die Schinkel Ausstellung im Kupferstichkabinett verpasst.
Schon am 6.1.13 ist der letzte Ausstellungstag. Durch den Hinweis: „Schinkels Werke Online“ im Berliner Tagesspiegel habe ich gerade noch rechtzeitig einen Fingerzeig erhalten!
Wer noch Zeit bis zum 6.1.13 findet und in Berlin weilt, dem kann ich diese Ausstellung nur ans Herz legen. Wer nicht in Berlin weilt hat die Möglichkeit unter diesem Link www.smb.museum/schinkel die Werke Schinkels im Online Katalog zu betrachten. Ich bin sehr begeistert vom Online Katalog, denn nun kann ich nach dem Betrachten der Originale auch noch digital die Zeichnungen zoomen, um auch den letzten Strich aufzunehmen.
Das die Ausstellung voll war und das es für den Eintritt Zeitfenster gibt, das muss ich sicher nicht erwähnen.
Ich interessierte mich am meisten für „Die Zeichnung – Labor der Kunst, Labor der Wissenschaft„. Diese Sektion der Ausstellung ist im eigentlichen Kupferstichkabinett, dem Raum 3. Ich war schon sehr früh im Museum (um 10 Uhr öffnet die Ausstellung) und habe dann auch mit Raum 3 begonnen und konnte so diesen Raum wirklich genießen, da die Massen alle bei Raum 1 begannen.
In Raum 3 wird auf Schinkels Arbeitsmittel eingegangen und wie er Neuerungen ausprobiert hat. Er zeichnete zuerst mit Rohrfeder und Federkiel. Von seiner Italienreise brachte er die in Deutschland noch unbekannte Stahlfeder mit und nutze sie auch gleich. Interessant sind auch die Ausführungen zum Papier, das Schinkel benutze. Es wurde in einer Papiermühle in Eberswalde hergestellt. Für seine Architekturzeichnungen war es vom Nachteil, das Büttens Sieb auf dem Papier zu sehen. So war das glatte Papier für ihn eine geniale Neuerung. Gerne hat Schinkel auch das handgeschöpftes Papier (vergé) blau verwendet. Die Zeichnungen auf diesem Papier mag ich besonders.
Die Mühle in Eberswalde gibt es nicht mehr. In der Hahnemühle in Dassel wird heute noch traditionell das Papier in Manufaktur hergestellt. Seht hier dazu meinen Artikel.
Schon 1981 wurde Schinkel anlässlich seines 200 Geburtstag in der damals noch geteilten Stadt geehrt.Es ist interessant, wie unterschiedlich die Fragestellung der Präsentation und des Werkes ist und so habe ich in dem Katalog von damals nicht das gefunden, was ich mir erhofft habe. Seine Zeichnungen werden kaum gezeigt, der Schwerpunkt liegt auf die Architektur.²
Nichtsdestotrotz habe ich viel Interessantes im Kapitel „Karl Friedrich Schinkel – Gedanken zur Kunst“ gefunden. Unter dem Stichwort „Schönheit und Moral“ findet sich folgendes Schinkel Zitat²:
„Die bildende, die schöne Kunst hat die Aufgabe, den Abdruck des Zustandes einer Seele, das Bild des Zustandes einer schönen Seele darzustellen. Geschieht dies in Tönen, so können Bewegungen, Leidenschaften, Beschwichtigungen, das ruhige Wohlbehagen, Beängstigungen, Erschütterungen des Gemüts in reiner Folge dieser Seelenzustände erscheinen; es ist dann Musik die Kunst im allgemeinsten Sinne, die Kunst, die in allen übrigen Kunstformen wieder enthalten und ihren Hauptbestandteil ausmachen muss.“³
Interessant, nicht wahr? Schinkel stellt die Musik über die bildende Kunst! Erinnert ihr euch? Ich berichtete über Da Vince und die Paragone. Da Vince verglich in einem Traktat die Musik mit der Malerei. Da Vince aber führt in seinem Traktat aus, dass die bildende Kunst der Musik weit überlegen ist!
Als ich von der S-Bahn Potsdamer Platz zum Kulturforum bei schönsten blauem Himmel lief, habe ich mich wieder sehr gefreut, Berlinerin zu sein!
Die Fotografien der Architektur des für mich immer noch neu gestalteten Postdamer Platzes finde ich sehr passend im Kontrast zu Schinkels Architektur.
For my English-speaking readers:
I almost missed the Schinkel exhibition at the Kupferstichkabinett, Berlin.
The last show day is already on 06/01/13. By the statement: “Schinkel’s works online” in the newspaper “Tagesspiegel” I was just in time to make my visit.
If anyone have time to find 6.1.13 and is in Berlin, I can put this issue only to the heart. Who is not in Berlin http://www.smb.museum the opportunity at this link / schinkel Schinkel’s works in the online catalog viewing. I am very excited about this catalog, because now I can after viewing the originals even see digital drawings to include also the last stroke.
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²Börsch-Supan, Helmut. Griesebach, Lusius. Hrsg. Karl Friedrich Schinkel – Architektur Malerei Kunstgewerbe. Berlin 1981.
³Freiherr von Wolzogen, Alfred. Aus Schinkels Nachlass, Bd. 1, Berlin 1862.
