In der Ikonografie steht die Lilie als Symbol für die Jungfräulichkeit.
Auf den Bildern der alten Meister ist der Engel der Verkündigung mit einer Lilie in den Händen zu sehen. Auf der Homepage der Martin-Luther Gemeinde in Salzgitter habe ich eine schöne Übersicht von Bildern der Verkündigung Marias gefunden (siehe hier)
Mein Favoritenbild ist die Darstellung von Dante Gabriel Rossetti, dem Präraffaeliten. Maria sitzt auf einer Bank in die Ecke gedrängt, erstarrt ob der Verkündigung des Engels.
„Sie ziehen am heiligen Antonius vorbei…, die grünen Boten mit geknickten Lilien in den Händen.“ Gustave Flaubert
Ziehen also Engel mit entjungferten Frauen an Antonius vorbei? Ist es nicht anzunehmen, dass Flaubert die Bedeutung der Lilie kannte und sie hier sinnbildlich einsetze?
Dreimal hat Flaubert die Versuchung geschrieben, 1859, 1876 und 1872. 30 Jahre lang begleitete Antonius Flaubert.
Flaubert schrieb selber zu seinem Antonius:
„Ich verbringe die Nachmittage bei geschlossenen Läden, zugezogene Vorhänge, (…) ich brülle! Ich schwitze! Es ist herrlich (…) Nie sind mir verrücktere Einfälle gekommen.“
Der Antonius ist keine einfach Lektüre, die man nebenbei „verschlingen“ kann. Sie ist voller Selbstzerfleischung und Andeutungen.
Ich bin der Auffassung, dass das auch in den Arbeiten von mir zu sehen sein muss. Ich quäle mich bei der Umsetzung der Texte. Es ist gut, dass ich mich quäle, denn nur so kann ich den Gedanken Flauberts in meinen Zeichnungen aufnehmen. Und manchmal sitze ich auch hier an meinem Arbeitstisch und brülle vor Wut, weil die Umsetzung nicht das von mir gewünschte Ergebnis hervorbringt und ich ein neues Blatt hervornehme.
For my English-speaking readers:
In the iconography the lily stands for virginity.
„They pass on St. Anthony … that green messenger with broken lilies in their hands.“ Gustave Flaubert
So if I have the mention of lily in my head, angel dragging with deflowered women past Anthony? I think Flaubert knew the meaning of the lily.
Three times Flaubert wrote the temptation, 1859, 1876 and 1872. 30 years accompanied Antony Flaubert.
Flaubert wrote to his own Anthony:
„I spend the afternoons with closed jalousie, drawn curtains, (…) I scream! I’m sweating! It’s gorgeous (…) I have never been crazier ideas. “
The temptation of Anthony is not easy reading, it’s not a book you can „swallow“. It is full of self-flagellation and innuendo.
I believe that this must be seen in the works of mine. I am tormented in the implementation of the texts. It’s good that I torture myself, the only way I can show the idea of Flaubert in my drawings. And sometimes I sit here at my desk and shout in anger because the drawing does not produce the desired result of me and I’ll take out a new leaf.
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Flaubert, Gustave, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996
