Die Lilie – Symbol für Jungfräulichkeit – Zeichnung von Susanne Haun

In der Ikonografie steht die Lilie als Symbol für die Jungfräulichkeit.

Auf den Bildern der alten Meister ist der Engel der Verkündigung mit einer Lilie in den Händen zu sehen. Auf der Homepage der Martin-Luther Gemeinde in Salzgitter habe ich eine schöne Übersicht von Bildern der Verkündigung Marias gefunden (siehe hier)
Mein Favoritenbild ist die Darstellung von Dante Gabriel Rossetti, dem Präraffaeliten. Maria sitzt auf einer Bank in die Ecke gedrängt, erstarrt ob der Verkündigung des Engels.

Blatt 106 Geknickte Lilien  (c) Zeichnung von Susanne Haun
Blatt 106 Geknickte Lilien (c) Zeichnung von Susanne Haun

„Sie ziehen am heiligen Antonius vorbei…, die grünen Boten mit geknickten Lilien in den Händen.“ Gustave Flaubert

Ziehen also Engel mit entjungferten Frauen an Antonius vorbei? Ist es nicht anzunehmen, dass Flaubert die Bedeutung der Lilie kannte und sie hier sinnbildlich einsetze?

Dreimal hat Flaubert die Versuchung geschrieben, 1859, 1876 und 1872. 30 Jahre lang begleitete Antonius Flaubert.

Flaubert schrieb selber zu seinem Antonius:
„Ich verbringe die Nachmittage bei geschlossenen Läden, zugezogene Vorhänge, (…) ich brülle! Ich schwitze! Es ist herrlich (…) Nie sind mir verrücktere Einfälle gekommen.“

Der Antonius ist keine einfach Lektüre, die man nebenbei „verschlingen“ kann. Sie ist voller Selbstzerfleischung und Andeutungen.

Ich bin der Auffassung, dass das auch in den Arbeiten von mir zu sehen sein muss. Ich quäle mich bei der Umsetzung der Texte. Es ist gut, dass ich mich quäle, denn nur so kann ich den Gedanken Flauberts in meinen Zeichnungen aufnehmen. Und manchmal sitze ich auch hier an meinem Arbeitstisch und brülle vor Wut, weil die Umsetzung nicht das von mir gewünschte Ergebnis hervorbringt und ich ein neues Blatt hervornehme.

Blatt 107 Geknickte Lilien in den Händen  (c) Zeichnung von Susanne Haun
Blatt 107 Geknickte Lilien in den Händen (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my English-speaking readers:

In the iconography the lily stands for virginity.

„They pass on St. Anthony … that green messenger with broken lilies in their hands.“ Gustave Flaubert

So if I have the mention of lily in my head, angel dragging with deflowered women past Anthony? I think Flaubert knew the meaning of the lily.

Three times Flaubert wrote the temptation, 1859, 1876 and 1872. 30 years accompanied Antony Flaubert.

Flaubert wrote to his own Anthony:
„I spend the afternoons with closed jalousie, drawn curtains, (…) I scream! I’m sweating! It’s gorgeous (…) I have never been crazier ideas. “

The temptation of Anthony is not easy reading, it’s not a book you can „swallow“. It is full of self-flagellation and innuendo.

I believe that this must be seen in the works of mine. I am tormented in the implementation of the texts. It’s good that I torture myself, the only way I can show the idea of Flaubert in my drawings. And sometimes I sit here at my desk and shout in anger because the drawing does not produce the desired result of me and I’ll take out a new leaf.
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Flaubert, Gustave, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996

21 comments

    1. Lotusgreen sounds very nice. I always buy resedagreen. I’ll see if Stabilo has lotusgreen as well.
      Lovely post!
      Good night, bin feeerrrtich! 🙂
      Hanne

      1. Good Morning Hanne,
        I hope today in the morning it isn’t so cold as yesterday.
        I go to bed with my handshoes because my fingers are sooooo cold.
        Have a nice beginning of the day Susanne

  1. Liebe Susanne,

    du hast absolut Recht! Manchmal ist die Arbeit am Antonius sehr quälend, aber wie wurde mir letztens so schön geschrieben „Beiß dich durch – Es lohnt sich!“
    Ich wollte heute „mal schnell“ den Vogel zeichnen und hatte am Ende acht Blätter gezeichnet, da immer irgendetwas nicht so war, wie ich es wollte…

    Lg Ute

    1. Guten Morgen, Achim,

      ich bin, seit ich vor 25 Jahren bei meinem ersten und einzigen Londonbesuch, die Tate besuchte, ein absoluter Fan der Präraffaeliten.
      Ich mag die romantischen Darstellungen, die vielen Blumen und ich mag Elizabeth Eleanor Siddal .

      Das Gemälde “Ophelia” von John Everett Millais gehört zu meinen Lieblingsbildern. Elizabeth Eleanor Siddal lag für die Ophelia bekleidet in einer Badewanne Modell. Siddal stand vielen Präraffaeliten Model, heiratete Rosetti, illustrierte Motive aus Mittelalterliche Sagen und brachte sich nach einer Fehlgeburt während ihrer zweiten Schwangerschaft um. Dramatisch und traurig. Gerne würde ich mehr über Sidall lesen, leider habe ich bisher noch kein Buch über sie gefunden. Rosetti begrub sie mit seinem Gedichtsheft im Haar, weil er glaubte, ohne sie nie wieder dichten zu können. Als er dann seine neuen Gedichte veröffentlichen wollte, lies er Siddal exhumieren und barg sein leicht beschädigtes Heft und veröffentlichte alte und neue Gedichte.

      Ist das nicht eine unglaubliche Geschichte? Da spielt meine Fantasie sofort verrückt.

      Liebe Grüße nach Freiburg sendet dir Susanne

    1. Guten Morgen, dm, als Schöpfer deiner Zeichnungen kämpfst du ja genauso täglich deinen Kampf mit dem Blatt Papier vor dir. Danke für das Log, deine Zeichnungen schätze ich sehr und freue mich immer, sie täglich zu sehen.
      Grüße sendet dir Susanne

  2. Jungfräulichkeit, was für ein altes Wort! Unschuld heißt es für mich, die Unschuld der Kinder auf deren Schultern oft genug Schuld geladen wird, die sie kaum tragen können, an denen manche zerbrechen, andere sind trotzig genug … es ist die reinweiße Lilie, die daran erinnert, ich mag es, dass du dieses in dem feinen Grün konturierst … ist dein Papier tatsächlich so gelblich oder macht es das Foto? Denn in diesem Fall würde ich reinweißes Papier bevorzugen …

    herzliche Grüße Ulli

    1. Guten Morgen, Ulli,
      ich mag das alte Wort Jungfräulichkeit trotzdem sehr, es ist doch das, was bis zur Entwicklung der Pille in den 60ziger Jahren maßgebend war. Und wenn Flaubert Jungfräulichkeit schreibt, so meint er sie in genau diesem Sinn ausgedrückt durch die Symbolik der Lilie.
      In der Ikonografie und vor allem in der Historie ist das festgelegt und es wäre so als ob du aus dem Englischen sea ein flow machst oder ähnlich.
      Die Ikonographie ist wie ein Vokabelbuch der Deutung der Bilder durch die Jahrhunderte.
      Sicher, wenn ich ein Bild frei nach meinen eigenen Worten und Ideen zeichne, dann kann ich mich ausleben und meine eigenen Symbole schaffen. Aber wenn ich einen Text zeichne, dann muss ich mich in den Autor einfühlen und auch seinen historischen Background kennen.
      Das Papier ist naturweiß, Ute und ich haben es extra gewählt, um auch damit einen Bezug zum Buch zu schaffen. Es ist reines handgeschöpftes Büttenpapier aus dem Himalaja und es arbeitet sich mit Feder und Tusche sehr schwer darauf.
      Aber all das gibt genau das Buch wieder.
      LG von Susanne

      1. guten Morgen, liebe Susanne, ich wollte das Wort auf keinen Fall abwerten, es fiel mir nur auf, dass es wie aus unserer Zeit herausgefallen zu sein scheint …

        habs fein heute
        liebe Grüße Ulli

    1. Danke, liebe Martina, diese Worte höre ich gerne, ich habe nun die ersten drei Kapitel fertig. Es sind insgesamt 120 Blätter, nun heißt es davon 22 für den Katalog heraus zu suchen. Keine leichte Arbeit…
      Liebe Grüße und einen schönen Tag Susanne

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