Susanne Haun

Ist etwa auch die Null obzön? – Susanne Haun

Posted in Projekt Null, Zeichnung by Susanne Haun on 25. Mai 2016

Nach meinem Beitrag über die Obzönität der Cashewkerne (siehe hier) fragte mich Jürgen, ob nicht auch die Null obzön sei.

Ich musste sehr überlegen, inwiefern die Null Obzön ist, meine ersten Gedanken dazu lagen zuerst auf der formalen Ebene. Diese Gedanken sind in der ersten Arbeit auch sogleich erkennbar.

#59.1 Die Obzönität der Null (c) Zeichnung von Susanne Haun

#59.1 Die Obzönität der Null (c) Zeichnung von Susanne Haun

Ich besuche zur Zeit das Seminar Kunst und Skandal, aufgrund dessen habe ich mich mit den Culture Wars und Andres Serrano beschäftigt. Das veränderte meine Sicht auf die Obszönität. Meine zweite Arbeit ist stark beeinflusst vom sogenannten „Piss Christ“, den ich nicht blasphemisch oder obszön empfinde.

#59.2 Die Obzönität der Null (c) Zeichnung von Susanne Haun

#59.2 Die Obzönität der Null (c) Zeichnung von Susanne Haun

In meiner dritten Arbeit frage ich mich, ob ich überhaupt in der Lage bin, Obszönität darzustellen. Ich habe natürlich eine Vorstellung davon aber meine Hemmschwelle ist einfach zu groß, um Obzönität darzustellen. Da muss ich wohl noch an mir arbeiten 😉 Meine Mutters Erziehung hat bei mir also sehr große Früchte getragen. Es ist schwer, sich von den ersten Moralvorstellungen, die das Leben lehrt, zu trennen.

Ich bin auf Jürgens antworten gespannt. Ich empfinde die Obzönität der Null als Zwischenspiel, ich antworte mit meinen Arbeiten nicht auf Jürgens gesendete Zeichnungen. Ich werde wohl morgen antworten.

#59.3 Die Obzönität der Null (c) Zeichnung von Susanne Haun

#59.3 Die Obzönität der Null (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

8 Antworten

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  1. zuber christophe said, on 25. Mai 2016 at 17:31

    obschön oder nicht – wen kümmerts 😉

  2. gkazakou said, on 26. Mai 2016 at 10:23

    Obszönität (das was anstößig ist) ist kulturabhängig und subjektiv. Ihre Darstellung will kulturell induzierte Begrenzungen (Sexualität, Ideologie, Religion, Nahrungsaufnahme, Verdauungs- und Ausscheidungsvorgänge) aufbrechen. Es geht dabei ausdrücklich um die Grenzen der anderen. Der Künstler, der Obszönes gestaltet, sagt: seht her, ich habe die Grenzen überwunden, die dich, den Spießer, immer noch gefangen halten. Dasselbe tut auch der, der den Mittelfinger hochreckt in der Hoffnung, dass es Menschen gibt, die sich darüber aufregen. In der westlich-„aufgeklärten“ Welt ist es freilich schwer geworden, solche Tabus zu finden. Wer kann heute noch einen kräftigen Skandal erzeugen, ohne gleich vermarktet zu werden? Da kann man den Moslems richtig dankbar sein, die sich noch aufregen können über irgendwelche Karikaturen.
    Die Verbindung von Christi Kreuzestod und weiblichem Sexualorgan reißt heutzutage kaum noch jemanden vom Hocker. Ist alles schon abgehakt.
    Kann die Null obszön sein? Ja, wenn sie mit kulturellen Inhalten assoziiert wird, die als Tabu gelten. Klassische Tabuzonen sind alle Körperöffnungen (die ihrerseits als Null angesehen werden können). Bei den Tuaregs zB wird die Aufdeckung des männlichen Mundes als obszön (anstößig) empfunden. Für mich hingegen ist zB obszön, dass die Menschheit für spekulativ generierte Nullen der Finanzwelt (Schulden) ihr Leben im Frondienst verbringen. Oder dass Nullen des Showbizz die Jugend zu Massenhysterie animiert.

    • Susanne Haun said, on 26. Mai 2016 at 18:23

      Liebe Gerda,
      herzlichen Dank für deine lange und ausführliche Antwort!
      Wie hat gestern der Dozent beim Kunst und Skandal Seminar gesagt? Verbindet man Religion mit Ausscheidungen sei der Skandal schon vorprogrammiert.
      Ist das denn noch eine echte Provokation? Eine, die von einem wirklichen Tabubruch kommt oder ist es nur noch eine Agression oder Inszenierung?
      Was für mich persönlich obszön ist, das habe ich mir noch nicht überlegt. Hast du dir schon einmal die Homoerotischen Fotos von Mapplethorbe angeschaut? Die könnte man obszön nennen aber aus Gründen der Freiheit finde ich sie legitim. Sie macht auf gleichgeschlechtliche Beziehungen in drastischer Weise aufmerksam. Vielleicht ist das Ziel einfach nur, das auch das zu akzeptieren ist. Auf den Fotos werden auch alle Körperöffnungen gefüllt 🙂
      Mir muss nicht alles gefallen, aber die Fotos hinterlassen einen Eindruck und ist das nicht besser als gefallen?

      • gkazakou said, on 27. Mai 2016 at 09:42

        eine interessante Frage: ob „Eindruck hinterlassen“ besser sei als „gefallen“.
        Eine allgemeine Antwort habe ich nicht, aber mir fallen gleich dutzendweise Beispiele ein, wo mir etwas „Eindruck gemacht“ hat – Gutes und Schlimmes. Während mir kaum etwas einfällt, das mir „gefallen“ hat.
        warum? Was „gefällt“, geht widerstandslos in den eigenen Organismus über, was „Eindruck macht“, mobilisiert viel Energie, um es sich einzuverleiben oder abzustoßen.
        Wie ich lese, machst du dir Gedanken darüber, was wohl die Absicht des Künstlers war, als er seine homoerotischen Fotos schuf. Die Erklärung soll helfen, sein Werk verdaulich zu machen. Wenn jemand Schmetterlinge fotografiert, brauche ich solche Hilfmittel nicht. Ich siehe sie, finde sie „schön“ und fertig.

        • Susanne Haun said, on 1. Juni 2016 at 08:16

          Liebe Gerda,
          besonders im Bereich Portrait gibt es immer wieder Schwierigkeiten, den Malschülern klar zu machen, dass eindrucksvoll besser als schön ist. Ich habe führe immer wieder die Diskussionen nach Ähnlichkeit! Die braucht ein Portrait heute gar nicht mehr und auch früher gab es diese Ähnlichkeit selten, weil da galten ja bestimmte Attribute, die zum Beispiel das Portrait eines Königs besitzen sollte….
          LG von Susanne


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