Reiseberichte · St.Andrea di Compito · Toskana

Toskana 2019 – Lucca – Susanne Haun

 

 

Lucca habe ich als beschauliche Stadt, die wir dieses Jahr zweimal besuchten, in Erinnerung. Ich bin immer wieder erstaunt, was ich vor Ort in mein Tagebuch schreibe.

 

 

Es ist auch erstaunlich, welche Verknüpfungen ich beim neuerlichen Lesen meiner Tagebucheintragungen herstelle. Heute morgen wurde in den Nachrichten
berichtet, dass in Berlin die Friedrichstraße für den Autoverkehr gesperrt werden soll. Das hat Freude bei mir ausgelöst und ich dachte an Lucca! Ich denke, die Städte und die Läden profitieren von der Verkehrsberuhigung. Besonders am Checkpoint Charly wird es die Situation entschärfen, wo man als Fußgänger ob der Fülle kaum Platz zum laufen hat.

 

25.5.2019

St. Andrea di Compito ist ein entzückendes, kleines, sauberes Dorf.

Es fällt uns auf, dass alles viel gepflegter ist als im südlichen Italien, wie Sizilien oder Neapel. Überall ist eine wunderschöne Blütenpracht in den Gärten zu sehen, mir gefallen besonders die alten Rosenstöcke die große, volle Blüten tragen. Je nördlicher man Italien bereist, umso ärmer wird das Land. Blumen und restaurierte Häuser sind kostenintensiv. Natürlich ist es auch noch früh im Jahr und so ist alles noch grün, noch nicht von der sengenden Sonne des Sommers verbrannt. Die Menschen sind wie überall in Italien sehr freundlich und hilfsbereit, sprechen aber kaum Englisch.

Von meiner italienischen Freundin Cris weiss ich, dass in Italien vorwiegend das klassische Abitur mit Altgriechisch und Latein abgelegt wird. Auch Cris hatte am Anfang Schwierigkeiten, Englisch zu sprechen, sie hat zusätzlich zu ihrem Abitur ein Businessenglisch – Schein gemacht, um auch den englischen Seminaren folgen und die englische Fachliteratur lesen zu können.

Luccas Innenstadt ist von einem Burgwall umgeben, auf dem die Besucherinnen und Besucher lustwandeln können, immer den historischen Ortskern im Blick. Weitestgehend ist die historische Altstadt vom Autoverkehr ausgeschlossen, was die Radfahrer so vermehrt hat, dass man als Fußgänger kaum unbeschadet die Stadt genießen und sich die Fassaden der Kirchen anschauen kann, ohne umgefahren zu werden. Manche Radfahrerinnen und Radfahrer sind tatsächlich schneller als die vorsichtigen motorisierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Straßenverkehrs, die mit Sondergenehmigung durch die Stadt fahren. NEIN – ich finde Radfahrern toll, ich Berichte nur, was ich beobachtet habe. Diese Beobachtung macht mich ein wenig ratlos.

In Amsterdam gibt es für die vielen Radfahrer Radfahrwege, was in Italiens engen Innenstädte kaum vorstellbar ist. Hier fährt und läuft jeder nach Lust Und Laune und die Verkehrszeichen sind eher Vorschläge denn regeln.

 

 

Ich zeige hier wieder ein Graffiti des Strassenkünstlers „Blub“. Er malt Prominente mit Masken und Schnorchel auf die Mauern Florenz. Vielleicht hat er in Neapel (siehe hier) und auch hier in Lucca Urlaub gemacht? Sein Motto lautet, dass „Kunst weiß, wie man schwimmt“, also so hoch das Wasser auch steht, durch die Brille der Kunst kann Schönheit gesehen werden.² Im Gegensatz zum Graffiti in Neapel war in Lucca schon die Hälfte des Bildes zerstört. Trotzdem fand ich es faszinierend, wieder Blub zu entdecken. Es hat ein wenig etwas von einem Suchspiel, in dem man italienische Städte nach dieser Art Bilder mit den Augen durchforstet.

 

Impressionen aus Lucca, Foto von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Impressionen aus Lucca vom Künstler Blub, Foto von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2019

 

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²Falz, Hansjörg (Hrsg.), Merian Florenz, Florenz und die Toskana, Hamburg 2017, Seite 10.

 

18 Kommentare zu „Toskana 2019 – Lucca – Susanne Haun

  1. Liebe Susanne,
    deine Impressionen aus Lucca sind wunderschön!
    Wir haben es bei zwei Toskana-Aufenthaltennicht geschafft, diese Stadt zu besuchen. Vielleicht beim nächsten Mal und dann haltei ch auch nach Blub Ausschau 😉
    Ehrlich, die Friedrichstraße soll gesperrt werden? Dann kollabiert der Verkehr komplett, weil man da dann nirgendwo mehr auf die andere Seite kommt. Da ist ja jetzt schon immer Stau. Mal ganz davon abgesehen, dass Fußgängerzonen immer die Gefahr bergen, dass dort die Kriminalität steigt. Das habe ich schon in den 80ern beim Statdplanungsstudium gelernt. Weil diese Zonen ja eine zeitlang als der heiße Sch… gehandelt wurden und zehn, 20 Jahre später dann herauskam, dass das nicht so toll gelaufen ist.
    Naja, man wird sehen. Vermutlich dauert das eh noch 20 Jahre …
    Liebe Grüße
    Petra

    1. Liebe Petra,
      Lucca lohnt sich, vielleicht schafft ihr es ja beim nächsten Toskana Besuch.
      Ja, es werden jetzt schon bestimmte Wochenenden als Probe vorweg genommen und ich glaube, im Herbst soll die Friedrichstraße sogar eine Woche lang für den Verkehr gesperrt werden.
      Ich denke trotz aller deiner Bedenken ist es eine gute Idee. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, dass die Verkehrsberuhigung sicher erst nach Unter den Linden beginnt.
      Hier schau mal der Artikel im Tagesspiegel:
      https://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehrsberuhigung-in-berlin-mitte-friedrichstrasse-koennte-im-september-zeitweise-autofrei-werden/24571128.html
      Liebe Grüße von Susanne

  2. der Formenreichtum Italiens ist immer wieder faszinierend, zum Bestaunen und Fotografieren sowieso, ein Eldorado aber auch für dich als Zeichnerin. Eine Frage. Wieso meinst du, dass das Land ärmer wird, je weiter man nach Norden kommt? Ich habe eher den umgekehrten Eindruck.

    1. Ja, Gerda, du hast natürlich recht, so meine ich das auch. Da habe ich glatt mal wieder Norden und Süden durcheinandergeschmissen. Also Sizilien gehört zu den ärmeren Regionen während vor allem die nördliche Toskana zu den wohlhabenderen Regionen Italiens zählt. Da habe ich doch wohl geträumt beim Schreiben, danke für deinen Hinweis.

  3. Liebe Susanne!
    Von der Stadt Lucca ist mir sehr positiv die begehbare und mit dem Fahrrad befahrbare Stadtmauer in Erinnerung geblieben. Von dort haben wir sternförmig in die Stadt erkundet, Liebe Grüße

    1. Lieber Jürgen, ja die Stadtmauer hat mir auch sehr gut gefallen 🙂
      Ward ihr im Archäologischen Museum in Lucca, das war total toll und ich werde demnächst davon berichten.
      Liebe Grüße

        1. Nein, Jürgen, der Besuch war ja 2014 und irgendwie habe ich da den Besuch schon weggelassen. Vielleicht durfte man da nicht fotografieren? Ich weiss es nicht mehr, es ist ja schon 5 Jahre her…. ich berichte lieber weiter vom diesjährigen Urlaub…..
          Liebe Grüße nach Lemmer von Susanne

  4. Herzlichen Dank für diesen schönen Reisebericht. Ich war vor Ewigkeiten mal in Lucca und habe es in sehr schöner Erinnerung. Das muss Ende der 1990er gewesen sein und ich meine ich hätte dort George Benson bei einem Konzert gesehen.

    1. Ich denke nicht, dass ich das letzte Mal in der Toskana war. Ich verbringe dort gerne immer wieder meinen Urlaub. Am Rande der Toskana war es auch nicht so überfüllt.

      1. Ich hatte noch nie das Vergnügen dort Urlaub zu machen, weil wir immer am Gardasee hängen bleiben 😉 Irgendwann möchten wir aber ebenfalls dort hin! Hab einen schönen Tag 🙂

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