Susanne Haun

Sizilien – Abenteuer auf den Straßen des Parco dei Nébrodi – Susanne Haun

Posted in Landschaft, Reiseberichte, Sizilien, Zeichnung by Susanne Haun on 11. Oktober 2017

 

An unserem Sizilen Urlaub mochte ich besonders unsere Ausflüge abseits der im Reiseführer empfohlenen Strecken.

Sie bargen immer wieder Überraschungen. Inzwischen habe ich bei einem der vielen Fotobuch-Anbietern ein Fotobuch A4 quer mit den Fotos unserer Reise zusammengestellt. Leider ist es in den Tiefen des dhl-Postweges verloren gegangen. Wenn es bis Montag nicht ankommt, dürfen wir uns beim Anbieter melden, der dann das Buch nochmals produziert und wieder dhl zu treuen Händen überreicht. Ob es dann klappt?

 

 

 

Sizilien, den 2.9.2017

Was auf der Wanderkarte des Parco dei Nébrodi als gelbe Strade d’importanza regionale eingezeichnet ist und von unserem Navi, dem doppelten Tom, als befestigte Straße gilt, muss in Sizilien noch lange nicht eine „einfach mal so“ befahrbare Straße sein.

 

Rocca Di San Fratello (c) Foto von M.Fanke

Rocca Di San Fratello (c) Foto von M.Fanke

 

Nach einem leckeren Törtchen in Acquedolci wollten wir auf den kürzesten Weg zur Wanderstrecke zum Monto San Fratello, um dort die Aussicht zu genießen. Also bog M. auf die Straße nach Nicetta ein. Im ersten Gang, neben uns der Berg auf der einen und der Abhang auf der anderen Seite, kämpften wir uns 800 Meter den Berg hoch. Trotz des wenigen Platz versuchte M. den vielen tiefen Schlaglöchern der Straße auszuweichen. Ich hatte Angst. Auch M. war froh, als wir wieder auf die gute schon vor einigen Tagen befahrenen rote SS289 – Strade d’importanza nazionale – abbogen. Schade, dass wir die grandiosen Ausblicke nicht genießen konnten.

Neben dem Friedhof von San Fratello benutzen wir einen kleinen Weg den Berg hoch. Italiener wandern nicht, sie benutzen ihre Autos auf allem, was halbwegs wie eine Straße aussieht und so kamen uns hier einige Jeeps entgegen. Ob die Italiener uns Deutschen für verrückt halten? Wir liefen mit voller Montur: Rucksack, Hut und Wanderstöcken und Wasser für die nächsten 24 Stunden im Gepäck, denn schließlich steigt die Temperatur im September auf Sizilien immer noch bis auf Mitte 30 Grad. Unschwer zu sagen, dass wir alleine zu Fuß unterwegs waren. Oben angekommen, schloss uns eine nette Italienerin den Gipfelbereich auf. Dort befinden sich Ausgrabungsgebiete, die Zäune notwendig machen. Leider lässt unser italienisch zu wünschen übrig und hier wird auch nur italienisch gesprochen, kein Englisch und kein Deutsch. Es ist also noch dringender als gedacht notwendig, italienisch zu lernen und ich nehme mir wieder einmal vor, meine Bemühungen zu verstärken und meinen Wortschatz von „Dov’é il gabinetto?“ auf einiges mehr an Wörtern zu erweitern.

 

 

Auch am Vormittag waren wir in diesem Teil der Nebrodi unterwegs. Wir wollten uns die Grotte San Teodora anschauen, dort sind prähistorische Knochen gefunden worden. Der Parkplatz unter der Autobahn war schon interessant, mich faszinierten am meisten die Schweine, die dort an der Straße ihren Stall hatten. Die waren vielleicht zutraulich.

Mit Händen und Füßen verständigten wir uns mit der ebenso freundlichen Italienerin, die uns die 140 Meter über den Meeresspiegel liegende Grotte aufschloss, wieder waren wir die einzigen Touristen weit und breit. Wir trugen uns in ein Besucherbuch ein, aus dem wir ersahen, dass mit uns die durchschnittliche Höchstbesucherzahl für den Tag erreicht war. Immerhin, vor 5 Tagen war schon einmal ein Deutscher dort zu Besuch. Ich glaube verstanden zu haben, dass für weitere Ausgrabungen das Geld fehlt. In einer grünen Hütte werden 4 Kisten mit versteinerten Knochen und Zähnen von Tieren aus den Jahren 12.000 – 8.000 v.Chr. aufbewahrt. Das Prunkstück, ein vollständiges Skelett des „ersten Sizilianers“ wurde nach Palermo ins Museum geschafft. Ich fand das traurig, nach so langen Zeiten verlor der arme Kerl seine Heimat.

Ein interessanter Tag, der zu unserer Unterkunft passt. Ich erinnere mich nicht, dass ich im Urlaub jemals in einem so touristisch unerschlossenem Gebiet war! Es gefällt uns sehr! Wir sind hier im Bergdorf sehr behütet aufgenommen worden, man kümmert sich um uns. Inzwischen wissen wir, aus welchem vorbeifahrenden Auto jeden Morgen Brötchen verkauft werden und hinter welchem Kettenvorhang es Lebensmittel für den täglichen Bedarf gibt. Wenn wir Abends nicht vor dem Dunkel werden zuhause sind, wird gewartet, ob wir auch wohlbehalten ankommen und nicht in den Tiefen des Parco dei Nebrodi verschwinden.

 

 

 

10 Antworten

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  1. Pit said, on 11. Oktober 2017 at 17:54

    Hallo Susanne,
    bei den Strassen – oder besser gesagt, befestigten Feldwegen – faellt mir nur der hiesige Ausdruck „in the boonies“ ein. Da hatten wir zu unserem Glueck auf unserem Radtrip bessere Strassen unter den Raedern.
    Die Gasstfreundschaft, die Du beschreibst, finde ich ganz grossartig. Fantastisch, dass es so etwas (noch) gibt. Das ist noch ganz urpsruenglich, wo der Fremde eben ein Gast ist, um den man sich kuemmert.
    Liebe Gruesse,
    Pit

    • Susanne Haun said, on 17. Oktober 2017 at 08:04

      Lieber Pit,
      das ist ein schöner Ausdruck! In the boonies, ich werde versuchen, ihn mir zu merken!
      Liebe Grüße sendet dir Susanne

  2. juergenkuester said, on 11. Oktober 2017 at 18:31

    Liebe Susanne, lieber M.!
    Ein toller Bericht, garniert mit atmosphärisch dichten Bildern und persönlichen Sichtweisen der italienischen Welt. Die Lektüre war kurzweilig. Liebe Grüße Juergen

    • Susanne Haun said, on 17. Oktober 2017 at 08:05

      Danke, lieber Jürgen, ich denke, ich werde ab diesem Urlaub immer ein Tagebuch aus Worten und Zeichnungen führen. Es ist auch für mich eindrücklicher.
      Mal schauen, wie das in Afrika klappt.
      Liebe Grüße von Susanne

  3. Eichhoernchenverlag said, on 11. Oktober 2017 at 19:49

    Wunderbare Schweinchen, liebe Susanne!

    • Susanne Haun said, on 17. Oktober 2017 at 08:06

      Das fand ich auch, liebe Nina. Ich habe sie solange betrachtet bis es Micha langweilig wurde.

  4. ernstblumenstein said, on 13. Oktober 2017 at 14:53

    Wunderschöne Aufnahmen und vor allem auch Sujets, Susanne. Chapeau!

  5. john todaro said, on 13. Oktober 2017 at 16:41

    Wonderful post: both the sketches and photographs. Love the 5 pigs! My ancestors came from
    Sicily, so these pictures are especially meaningful.

    • Susanne Haun said, on 17. Oktober 2017 at 08:12

      Thank you, John. Sicily is a special place, I like it very much.


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