Susanne Haun

Mutter im grünem Rahmen und die Pazzi Madonna 1425 – Bericht und Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Blumen und Pflanzen, Kunstgeschichte, Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 27. Dezember 2012

Die Pazzi Madonna ist ein 74,50 x 69,50 cm großes Marmorrelief von Donatello, das eine Mutter mit einem Baby Wange an Wange in einem Rahmen zeigt und zur Skulpturensammlung des Bode – Museums gehört.

Mit der Mutter im grünen Rahmen betitele ich das Buch „Mutterbild in amerikanischem Rahmen“ das Miklós Vajda 2009 schrieb, weil das Cover des Buches grün ist.

Ich las das Buch als ich im Bode – Museum die Pazzi Madonna sah. Die Verbindung war leicht geschaffen, zwei Mütter im Rahmen.

Bodemuseum Berlin (c) Foto von Susanne Haun

Bodemuseum Berlin (c) Foto von Susanne Haun

Was symbolisiert der Rahmen?

Ursprünglich hing die Pazzimadonna in einem privaten Haushalt in einer für Bilder unüblichen Höhe. Der Rahmen symbolisiert hier sicher „nur“ ein Fenster, um eine größere Tiefe des Reliefs zu erreichen. Interessant ist, dass die Perspektive so von Danotello konzipiert wurde, dass der Betrachter von unten auf die Madonna schauen muss. Sollte er vor der Madonna knien oder war der ursprüngliche Ort für die Madonna höher gelegen und Donatello wusste das. Diese Frage ist heute nicht mehr zu beantworten.

Die Innigkeit und das gleichzeitig klassische Profil der Mutter erzeugen sowohl Monumentalität als auch Intimität beim Betrachter.

Pazzi Madonna im Bodemuseum (c) Foto von Susanne Haun

Pazzi Madonna im Bodemuseum (c) Foto von Susanne Haun

Der Originaltitel des Buches „Anyakép, amerikai keretben“ entspricht der deutschen Übersetzung. Der Autor schaut auf das Leben seiner Mutter zurück, vielleicht durch den Rahmen der Zeit oder der Weisheit des Alters oder aber als Entschuldigung.

Das Buch ist eine Empfehlung von buzzaldrins Bücher von Mara Giese.

Ohne darüber nachzudenken, habe ich das Buch aus der Perspektive der Mutter gelesen und Mara hat ohne einen Gedanken zu verschwenden die Perspektive des Sohns eingenommen.

Im Buch wird das Leben der Mutter aus der Sicht des Sohnes in Ungarn geschildert. Die Mutter ist lange Tod und der Sohn steht auch am Lebensabend. Ich habe selten eine größere Odé, die so viel Liebe zwischen Mutter und Sohn zeigt, gelesen. Mara hat es als Anklageschrift des Sohnes an die Mutter gesehen.

Mara fragt, was für eine Art Buch wir hier vor uns haben.
Vielleicht ist es auch eine Entschuldigung des Autors, dass er zu Lebzeiten der Mutter ihre Mutterliebe so wenig deuten und würdigen konnte.

Ich hebe ein paar Punkte hervor.

Die Mutter siezt ihren Jungen lange, aber sie nennt ihn gleichzeitig Muckl. Kann es ohne Liebe solch einen liebevollen Namen für ein Kind geben? Sie nennt ihn so bis ins hohe Alter. Ich kenne keinen Fall, wo eine Mutter den Kosenamen der Kindheit ihres Sohns nach dem 14. Lebensjahr noch benutzen darf.

Die Mutter verzichtet auf ihr Essen während des Krieges, damit ihr Sohn genug zu essen hat.

Sie umarmt ihn wenig, die wenigen male sind aber sehr eindringlich.

Sie muss, um einer Strafe in Ungarn zu entgehen, nach Amerika auswandern. Dort arbeitet sie schwer, um Geschenke nach Ungarn zu ihrem Sohn zu senden.

Was mich persönlich sehr anspringt ist die Wut, die der Autor (der Sohn) gegenüber seiner Mutter empfindet, weil sie stirbt und die Schuld für den Tod auch bei ihr sucht. Er hat sicher recht, sie hätte früher zum Arzt gehen müssen. Ich kenne diese Wut, die da ist, wenn die Mutter, eine Respektperson, plötzlich krank ist und leidet. Es ist schwer, damit umzugehen.

Das Buch ist absolut empfehlenswert!

Mutter im grünen Rahmen 26 x 35 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Mutter im grünen Rahmen 26 x 35 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
The Pazzi Madonna is a 74.50 x 69.50 cm large marble relief by Donatello, showing a mother with a baby cheek to cheek in a frame. It is shown in the sculpture collection of the Bode Museum.
With the mother in the green border I title the book „Mother Image in American context“ wrote from Miklos Vajda 2009 because the cover of the book is green.
I read the book when I was in the Bode Museum, sawing the Pazzi Madonna. The connection was made ​​easy, two mothers under frame.

______________________________________-
Vajda, Miklós. Mutterbild im amerikanischem Rahmen. Wien2012.

4 Antworten

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  1. buzzaldrinsblog said, on 27. Dezember 2012 at 18:24

    Liebe Susanne,
    ich finde es sehr spannend, hier deine Gedanken zu dem Buch zu finden und auch deine Zeichnung gefällt mir sehr gut. Deine Notizen haben mir noch einmal dabei geholfen, in das Buch und die Geschichte hineinzutauchen. Die Tatsache, dass wir das Buch aus so unterschiedlichen Perspektiven gelesen und interpretiert haben, fasziniert mich immer noch sehr.
    Die Wut des Sohnes ist sicherlich da, weil sie stirbt, doch ich habe auch Wut auf die Mutter herausgelesen, weil sie zuvor nie da war. Sehr spannend empfand ich übrigens auch den am Rande erwähnten Aspekt mit der Sekte, der sich die Mutter anschließt … Miklos Vajda setzt in seinem Roman so viele Puzzleteilchen zusammen, die es wert wären, alle einzelnd und in Ruhe betrachtet zu werden.
    Viele Grüße
    Mara

    • Susanne Haun said, on 28. Dezember 2012 at 07:23

      Liebe Mara,
      mich faszinieren beide Perspektiven auch sehr.
      Vielleicht hat ja noch jemand das Buch gelesen und kann uns berichten.
      Nicht nur die Sekte würde ich gerne weiter verfolgen, mich interessiert auch die politische Situation Ungarns nach dem 2. Weltkrieg.
      Das wäre sicher auch spannend zu verfolgen.
      Als nächstes werde ich mich jedoch mit Caravaggio und die Organisation von 2 Ausstellungen beschäftigen und wenig Zeit haben ein Buch zu lesen.
      Ich bin so froh, dass es Hörbücher gibt. Sonst wäre ich wirklich frustrierd. Leider ist es oft so, dass es die guten Bücher nicht als Hörbuch gibt.
      Auf meinem Gabentisch habe ich Weihnachten auch das Buch „Pferde stehen“ gefunden. Das erste Kapitel habe ich morgens schon gelesen, mir gefällt die Atmosphäre sehr.
      Ich werde berichten!
      Liebe Grüße sendet dir Susanne

  2. wortmeer said, on 28. Dezember 2012 at 18:34

    Auch für mich faszinierend, Eure beiden Sichtweisen zu lesen. Das macht mich neugierig auf das Buch.

    • Susanne Haun said, on 29. Dezember 2012 at 08:40

      Es ist auch ein wirklich lesenswertes Buch, Doreen. Ich bin immer noch ganz begeistert. Und die unterschiedlichen Sichtweisen sind das i-Tüpfelchen!


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