Susanne Haun

Der Totenkopf – The Skull – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Die Versuchung des heiligen Antonius, Illustration, Zeichnung by Susanne Haun on 26. Juli 2013

„Es ist ein mit Rosen bekränzter Totenkopf – er beherrscht einen perlweißen Frauenkörper“
schreibt Flaubert in den Antoniusversuchungen.

Der Totenkopf galt als Symbol / Sinnbild für die Vergänglichkeit, symbolisierte den Todeswunsch und die Angst vor dem Tod. Werke mit Totenkopf sind als Vanitas Werke bekannt geworden. Aus diesen Bildern kann die Botschaft „Memento mori“ (Gedenke des Todes) oder „Carpe diem“ (Nutze den Tag) gelesen werden.

Was trieb Flaubert an, eine Frau mit Rosen und Totenkopf zu beschreiben? Rosen und Frauen, beides Symbole für Schönheit, die vergänglich sind. Ist diese nur kurz vorhandene Schönheit, der kurze Augenblick der Wollust, eine Versuchung für Antonius? Oder ist der Todeswunsch generell eine Versuchung für Antonius?

Entstehung Rosen bekränzter Totenkopf (c) Zeichnung von Susanne Haun

Entstehung Rosen bekränzter Totenkopf (c) Zeichnung von Susanne Haun

Wie sieht das heute aus? Hat der Totenkopf überhaupt noch die „Todeswunschsymbolik“? Oder ist der Totenkopf heute nur noch ein Dekorationsobjekt? Das Vanitas-Symbols, verlor seine ursprüngliche religiöse Funktion mit dem 18. Jahrhundert.

Totenköpfe wurden oft auf die Rückseite von Portraits gemalt. Sie sind dort ein Symbol für die Verweslichkeit des Menschen „mors absconditus“ und nehmen den künftigen Zustand des dargestellten Menschen vorweg. Ein Beispiel dafür ist der linke Flügel von Jan Gossaert (auch Jan Mabuse genannt) Carondelet-Diptychon von 1517. Der zur Seite geschobener Unterkiefer ist ein Zeichen für die Auflösung der Person. Hier auf der Seite vom Louvre bekommt ihr einen Eindruck vom Werk.

Entstehung Rosen bekränzter Totenkopf (c) Zeichnung von Susanne Haun

Entstehung Rosen bekränzter Totenkopf (c) Zeichnung von Susanne Haun

Interessant finde ich die Nischen, in die die Totenköpfe bildnerisch gelegt werden. Diesen christlichen Todesreflexionen werden Zettel beigelegt (auf die Bilder gemalt), die die philosophischen Vorstellungen der Zeit enthielten: „Omnia morte cadunt/mors ultima linia rerum“ – „Alles zerfällt mit dem Tode, der Tod ist die letzte Grenze der Dinge“ steht auf der Rückseite des Portraits von Jane-Loyse Tissier, 1524 von Bartel Brüyns gemalt.

Buschrose (c) Zeichnung von Susanne Haun

Buschrose (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my english speaking reader:
The scull is symbol for perishability and death. I draw a new quote from Flauberts tempations of Antonius. Antonius tempatations of this quote are death wish and lust.

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Schneider, Norbert. Stilleben. Köln 2009.

14 Antworten

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  1. Ménard said, on 26. Juli 2013 at 17:04

    Also, Susanne… wow… (schön, wie ich mit so wenigen Worten hemmungslose Begeisterung auszudrücken vermag, was?).

    • Susanne Haun said, on 27. Juli 2013 at 08:11

      Ich bin begeistet, Oliver….. wow …. welch eine Wortkombination!

      Ach ja, danke für die hemmungslose Begeisterung 🙂

  2. hjs1951 said, on 26. Juli 2013 at 17:09

    Klasse, Susanne!

    • Susanne Haun said, on 27. Juli 2013 at 08:11

      Danke 🙂

      • hjs1951 said, on 27. Juli 2013 at 08:48

        Gerne!! Würde ich mir glatt an die Wand hängen, so schön finde ich die… 🙂

        • Susanne Haun said, on 28. Juli 2013 at 06:47

          Guten Morgen, Jürgen, du kannst es dir auf jeden Fall ab dem 31. August im original in Köln in Ute Schätzmüllers und meiner Ausstellung „Antoniusversuchungen“ anschauen.
          Ich wünsche dir einen schönen Sonntag,
          Susanne

  3. Dina said, on 26. Juli 2013 at 20:24

    Herrlich, liebe Susanne! Der fröhlichste Totenkopf aller Zeiten… 🙂

    • Susanne Haun said, on 27. Juli 2013 at 08:17

      Danke, Hanne, schön dich zu lesen, bist du wieder in Bonn oder schwirst du noch in Norwegen herum?
      Einen schönen Tag dir von Susanne

  4. kormoranflug said, on 26. Juli 2013 at 20:36

    Hemmungslose Todesfantasie!

  5. sabine Oetjen said, on 27. Juli 2013 at 06:40

    Guten Morgen Susanne,
    ich glaube nicht das der Totenkopf zum Dekoartikel verkommen ist. In einigen Strömungen wie z.B. den Gruftis gehört er ja wohl zum Ausdruck des Andersseins. Sonst spielt der Totenkopf in der Gesellschaft keine große Rolle mehr. Die Verbindung zur Vergänglichkeit ist aber auch im moderenen Gedankengut immer noch vorhanden. Wenn auch die meisten von uns ziemlich abgestumpft sind was den Tod im allegmeinen betrifft.
    Das soll hier aber nicht Thema sein, denke ich .
    Deine doch fröhliche Totenfrau gefällt mir ausnehmend gut, Die Lösung sie aus dem dunklen hervortreten zu lassen finde ich genial.
    Ich wünsche dir ein kreatives nicht ganz so heißes Wochenende
    Bine

    • Susanne Haun said, on 27. Juli 2013 at 08:26

      Guten Morgen, Bine,
      eine sehr interessante Antwort, bei der ich einiges anders sehe.
      Ich denke schon, dass der Totenkopf in der Gesellschaft noch eine Rolle spielt und ich denke auch, dass die Gesellschaft nicht gegenüber dem Tod abgestumpft ist, besonders nicht den Tod in den eigenen Reihen. Er erzeugt wie immer seit Menschengedenken Angst und Schrecken.
      Der Tod im allgemeinen? Nein, ich denke auch hier, wir sind nicht abgestumpft. Der Tod hat seinen Schrecken nicht verloren, wir sind betroffen, ob der Opfer der vielen Kriege, Flugzeugabstürze, Krebs, Aids …..
      Ich wünsche dir auch ein angenehm temperiertes Wochenende,
      lg Susanne

  6. Sabine Oetjen said, on 28. Juli 2013 at 07:13

    Guten Morgen liebe Susanne,
    Betroffenheit ja da gebe ich dir Recht. Unsere satte europäische Gesellschaft empfindet Betroffenheit aber Angst und Schrecken? Das wage ich zu bezweifeln.
    .
    Aber….. ist das nicht auch in gewisser Weise sinnvoll? Würde uns die Angst vor dem Tod nicht lähmen?
    Uns nichts schaffen lassen? Ist es nicht grad für den Künstler ein immer währender Antrieb möglichst intensiv zu schaffen bevor seine Zeit abgelaufen ist?
    So nun genug der dunklen Zeilen. Das ist ein Thema welches eine interessante Disskusion von Angesicht zu Angesicht wäre.
    Ich schicke dir sonnige Grüße aus meinem Dorf.
    Bine

    • Susanne Haun said, on 28. Juli 2013 at 20:15

      Liebe Bine,
      bis Oktober zu unserem nächsten Treffen ist es ja nicht mehr weit hin.
      Ich denke in jedem von uns ist mehr Todesangst als wir vermuten. Sie tritt in verschiedenen Formen auf. So zum Beispiel, dass wir uns überlegen, was wir alles noch erreichen wollen. Dieses Überlegen hemmt mich persönlich nicht. Es gibt viele Dinge, die ich gerne gemacht hätte, auf die ich aber bewusst verzichte, um eine Sache lieber richtig und mit vollem Herzen zu machen. So vermeide ich auch Streß. Ich habe mich bewusst für die Kunst entschieden und dafür das Nähen und Fotografieren, den Leistungssport und die Mathematik/Informatik aufgegeben.
      Es ist nichts, was ich bereue. Ich bin froh, diese Entscheidung getroffen zu haben.
      Innerhalb der Kunst musste ich dann wieder Entscheidungen treffen, da war es dann die Zeichnung auf Papier, Leinwand Glas und was sich sonst so anbietet……
      Auch hier bin ich froh über die Entscheidung.
      Neugierig bin ich und Wissen möchte ich aufnehmen. Bis zum letzten Atemzug.
      Wofür? Für mich, denn ich lebe jetzt – ja, genau in diesem Augenblick, in dem ich hier schreibe…..
      Ich mag unsere Diskussion,
      Liebe Grüße aus der sehr, sehr warmen Stadt von Susanne


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