Susanne Haun

Projekt ohne Namen – Jürgen möchte ewig Leben – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Projekt ohne Namen, Zeichnung by Susanne Haun on 8. Januar 2020

 

Was ist der Moment, 30,5 x 22,7 cm, Marker auf Katalog, Aneignung, Zeichung von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Was ist der Moment, 30,5 x 22,7 cm, Marker auf Katalog, Aneignung, Zeichung von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2019

 

#35

J: „Wenn es nach mir ginge könnte ich im Moment ewig leben, …“

S: „… jedoch macht die Endlichkeit das Leben umso intensiver.“

 

Was birgt der Moment und was bedeutet Ewigkeit? Himmel? Hölle? Die Sinnbilder davon? Ist überhaupt ewiges Leben erstrebenswert? Jürgen, das waren keine einfachen Fragen.

Damit die Leserin und Leser es in Erinnerung behalten:

Julian Schnabel eignete sich 1989 ein gefundenes Ölgemälde 51 x 38,5 Inches (1,40 x 1 Meter) an.

Der Künstler bearbeitete es mit Ölfarbe und Marker und eignete sich damit das Kunstwerk an, machte es zu einem Teil seinesŒuvres.

«Appropriation Art» wird diese Art der Zeitgenössischen Kunst genannt.

Schnabel ist kein Kopist, er setzt mit seiner Arbeit bewusst einen Stachel in das Konzept der Autorschaft. Wenn ihr diesem Link folgt (Klick) könnt ihr euch von Andreas Beyer von der Universität Basel als Audiodatei anhören, was unter Aneignung in der Kunst zu verstehen ist.

In diesem Artikel der NY Times (Klick) könnt ihr ein Foto von Schnabels angeeigneten Ölgemälden sehen. Ich vermute, dass die meisten von euch Schnabel bisher eher als Filmregisseur wahrgenommen haben. Vielleicht hat der eine oder andere schon den neusten Film Schnabels über van Gogh gesehen? Wilhem Dafoe spielt den schon so oft dargestellten Künstler, der durch seine Naturdarstellungen und vor allem durch sein abgeschnittenes Ohr einen herausragenden Platz in der Kunstgeschichte einnimmt.

Seit ca. zwei Jahren arbeiten Jürgen und ich am Projekt ohne Namen. Wir werfen uns angefangene Sätze in unseren Blöggen zu, die der andere – natürlich künstlerisch – beantwortet. In diesen Sätzen werden die jeweiligen aktuellen Themen der beiden verarbeitet.

So kommt es, dass ich mit meinen Markerstiften und Acryl mir den Schnabel angeeignet habe. Natürlich nicht sein Original. Bei irgendeinem Flohmarktbesuch kaufte ich mir fasziniert den Katalog JULIAN SCHNABEL – Fox Farm Paintings, December 1, 1989, – Januarx 6, 1990, The Pace Gallery, 32 East 57th Streer, New York 10022.  Der Katalog ist 30,5 x 22,8 cm groß.

 

Mentmomomentmomen, Stop, 30,5 x 22,7 cm, Marker auf Katalog, Aneignung, Zeichung von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Kopie

Mentmomomentmomen, Stop, 30,5 x 22,7 cm, Marker auf Katalog, Aneignung, Zeichung von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2019

 

Für Jürgen habe ich mir diesen delikaten Satzanfang ausgedacht. Delikat gerade deshalb, weil wir so viele Projekte „auf Halde zu liegen haben“, die wir gerne ausstellen würden.

#36

S: „Es wäre an der Zeit, für unsere vielen Projekte, Zeichnungen und Drucke einen Ausstellungsort zu finden ….

 

________________

Hier könnt ihr in unseren bisherigen Satzanfängen und -enden stöbern. Schon seit November 2016, vielleicht mit kurzen Unterbrechungen, führen Jürgen und ich diesen Dialog.

#34 (siehe hier)

S: „Der Gedanke dieses Projekts liegt im …“
J: „…dunklen Keller.“

#33 (siehe hier)

J:„Sie sagen, ich trage die Schuld dafür, dass …“
S: „… ich mich schuldlos fühle.“

#32 (siehe hier)

S: „Kaffee! Noch mehr Kaffee!!! Kaffee ist das …“
J: „…was meine Zunge benötigt: rechts und links und vorne und hinten und sauer und bitter und süß.“

#31 (siehe hier)

J:  „Dieses Ding frisst kein Brot, aber ….“
S: „… es ist neckisch, es sich anzueignen.“

#30 (siehe hier)

S: „Der Stein ist ein Dada der Gertrude …“
J:  „… und damit ist alles beisammen, was die Welt der rose is a rose is a rose is a rose zusammenhält.“

#29 (siehe hier)

S: „Der Kalender neben meinem iMac zeigt Freitag, nicht den 13., und ich habe Hunger, was mich dazu veranlasst …“
J: „… eine der Druckplatten abzulecken –  nämlich die mit dem Hummermotiv.“

#28 (siehe hier)

J: Wir baten Oma sehr oft, wirklich sehr oft,  ihre zweiten Zähne in den Mund zu nehmen  …
S: … und waren jedesmal überrascht, dass sie ihre eigenen Zähne zeigen konnte. Wem gehörten also die zweiten Zähne?

#27 (siehe hier)

S: Simple und einfach ist nichts auf dieser Welt, weil …
J: …immer irgendwas in der Landschaft herumsteht und stört.

#26 (siehe hier)

J: Mir gefällt, dass …
S: … immer wieder Zeichnen von Linien!

#25 (siehe hier)

S: Natura naturata und natura naturans“ sind zwei ästhetische Begriffe, die …
J: … die mir etwas von der Trias „Gott, Natur und Mensch“ erzählt haben, die aber beim intuitiven Bogenschießen keine Rolle spielen.

#24 (siehe hier)

J: Die Weltenseele ist mir noch nicht begegnet, …
S: … während sie Susanne in dem kleinsten Blatt, selbst im Ion entdeckt.

#23 (siehe hier bei Jürgen und hier bei Susanne)

S: Inhaltsverzeichnisse sind Wissensquellen, die ….
J: …die das Rhizom fressen wird!“

#22 (siehe hier)

J: Und während ich hier in meinem kleinen Atelier sitze…
S: … schaue ich aus meinem Atelierfenster und imaginiere die Erhabenheit der Berge.

#21 (siehe hier)

S: Ein neuer Anfang bedeutet …
J: … Reset, und die alten Einstellungen werden in der Maschine gespeichert

#20 (siehe hier)

J: Der Himmel wartet, doch die Erde verlangt …
S: Liebe, Respekt und Verantwortung.

#19 (siehe hier)

S: „Durst wird nicht immer durch Wasser gelöscht, sondern …“
J: “ … auch mit Erdöl!“

#18 (siehe hier)

J: „Wenn ich mit dem Finger schnipse, …“
S:  „… passiert nichts weiter außer ein Schnipsen.“

#17 (siehe hier)
S: „Eine Linie biegt sich nach links nach rechts, um dann…“
J: „… an den Rändern des Blattes zu verschwinden.“

#16 (siehe hier)

J:  „Mein Engelchen, ich sage Dir …“
S:  „… nichts ist perfekt aber alles ist möglich!“

#15 (siehe hier)
S: „Wörter sind immer …“
J: „… gut oder böse.“

#15.1 (siehe hier)
J: „Worte, die den Raum fülleun und als ewiges Licht bleiben.“

#14 (siehe hier)
J: „Ich konnte zuerst den Weg nicht finden, …“
S: „… aber dann sah ich es: Am Ende des Weges war alles voller Bücher, Papier und Tinte.“

#13 (siehe hier)
S: „Wie Schneeflocken werden die Pappelsamen durch die Luft getragen und …“
J:  „… sind wie Worte, die die Erde lockern werden.“ (aus Enzensberger, Windgriff, 1964)

#12 (siehe hier)
J: „Ich schaue mich im Spiegel an und denke: …“
S: „… Nichts!“

#11 (siehe hier)
S: Die Ferne lockt mit fremden Geruechen, Farben und Tönen …
J:  …, doch mein Herz schlägt nur für dich.

#10 (siehe hier)
J: „Ich war jung und töricht, naiv und unbedarft …“
S: „… und dabei sehr fröhlich und sorglos.“

#9 (siehe hier)
S: Der Mensch blickt zurück in sich selbst und findet in der Zukunft …..
J: … den „loving cup“.

#8 (siehe hier)
J: „Der, der alleine ins Wasser geht, das ist „der Alleineinswassergeher“ und die, die zu mehreren gehen …“
S: „…werden sich selbst vergessen, fröhlich sein und planschen.“

#7 (siehe hier)
S: „Kalte Hände sind ein kritisches….“
J: „… Phänomen, denn wie sagte Christoph Ernst Freiherr von Houwald, so ungefähr: „Nimm noch einmal in Deine kalten Hände des warmen Herzens Signatur. Und ist Dein Herzensspiel noch nicht zu Ende, und kommt ein neuer Akt: so klingle nur.“ ( frei übertragen aus: Christoph Ernst Freiherr von Houwald, die Freistatt, vierte Szene, Leipzig 1820)

#6 (siehe hier)
J: „Wenn sie losgelassen werden und durch die offenen Tore fegen …“
S: „… können nicht die größten Drollerien sie aufhalten.“

#5 (siehe hier)
S: „Das perfekte Ding ist …“
J: „… das momentane Ding“

#4 (siehe hier)
J: „Ich höre die schweren Maschinen in der Ferne und ahne …“
S: „… dass sie an ihrer Last zerbrechen.“

#3 (siehe hier)
S: „Es ist schwer vorstellbar, dass der hoch in den Himmel aufragende Turm …!“
J: „… tatsächlich ein Raumschiff darstellt.“

#2 (siehe hier):
J: „Heute ist heute, morgen wird übermorgen und  …“
S: „… gestern ist nicht gewesen sondern wird Erinnerung.“

#1 Projektauftakt (siehe hier):
S: „In der Nacht verschwimmen die Gegenstände zu schwarzen verwischten Flächen, deshalb ……“.
J:  „… versucht der Abfalleimer ein verzweifeltes Glühen“.

 

 

8 Antworten

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  1. wildgans said, on 8. Januar 2020 at 18:05

    Da steckt so Vieles drin, das werde ich mir nochmal und nochmal anschauen, jetzt erstmal Rührei machen 🙂

    • Susanne Haun said, on 10. Januar 2020 at 07:08

      Ich hoffe, dein Rührei hat geschmeckt, Heide. Ich esse auch sehr gerne Rührei, vorzugsweise mit Schafskäse und Tomaten. LG Susanne

  2. Black Hawk said, on 8. Januar 2020 at 20:26

    Wundervoll, wenn sich Menschen gegenseitig anregen und ergänzen.

    Van Gogh soll sich ja im Absinth-Rausch ein Ohrläppchen abgeschnitten haben, aber er hat es wohl eher in einem Duell mit einem Nebenbuhler verloren. Wiedermal war eine Frau im Spiel 😉

    Das Kraut im Absinth ist wohl auch eher nicht dafür verantwortlich, dass die Trinker ausflippen, eher der hohe Alkohlgehalt. Ich hab die grüne Fee mal ne Zeit lang goutiert und wäre wohl übergeschnappt, wenn ich nicht damit aufgehört hätte. Hatte wirklich Wahnvorstellungen. 80 Prozent Alk ist kein Pappenstiel.

    Bilder übermalen: Weiß ich nicht, wie ich darüber denken soll. Hab disparate Gefühle. Ob es dem ursprünglichen Inhaber der Rechte an seinem Werk gefallen würde? Vielleicht fühlt er sich geehrt, vielleicht auch brüskiert. Ich hab Respekt auch vor dem unbekannten Verfasser.

    Man kann natürlich in Paris wunderschöne „Olgemälde“ kaufen, die auf Halde produziert wurden und wo es keinen stört, was daraus wird und auch die „Zigeunerin“ bei Otto-Versand, die Enzensberger eins erwähnte
    und in der Nachkriegszeit in jedem Haushalt irgendwo abhing ..

    Lange Rede, kurzer Sinn: Du regst mich zum Reden an,

    Lass es dir gut gehen, dein Sven 🙂

    • Susanne Haun said, on 10. Januar 2020 at 07:15

      Da Julian Schnabel selber mit appropriated Art gearbeitet hat, kann er schlecht etwas dagegen haben, wenn Künstlerinnen und Künstler sich seine Kunst aneignen. Denke ich zumindestens.
      Mich behindert Alkohol in meiner Kreativität, ich werde müde und unkonzentriert. Ich ziehe den Rausch aus dem Kunst machen selber 🙂
      Laß es dir auch gut gehen, liebe Grüße von Susanne

      • Black Hawk said, on 10. Januar 2020 at 10:29

        Baudelaire hat mal gesagt, dass er immer berauscht ist von Kunst, von Literatur und der Liebe .. Obwohl er selbst ein Hohelied auf Haschisch sang. Tatsächlich kann Hasch eine beruhigende und schmerzlindernde Wirkung haben, die auch Hesse kennen gelernt hatte.

        Alkohol gilt als der Treibstoff der Poeten, weil er die Seele öffnet, aber nicht für jeden geeignet. Man kann sich auch zugrunde richten damit. Ich trink keine harten Sachen mehr. Wenn ich trinke, dann Apfelwein und der hat nur 5 Umdrehungen und ist eigentlich der gesündeste Stoff.

        Es kommen durch die Rauschmittel meist auch nur gute Ideen, die man notieren kann. In der Umsetzung muss der Geist klar sein. Im Suff geschriebene Texte muss ich meist nachbearbeiten.

        Stefan King hat mal ein ganzes Buch unter Alk-Einfluss geschrieben und wusste zuletzt nichts mehr davon, aber er schrieb auch mit Tempos in der Nase, weil er ständig zugekokst war.

        Die großen amerikanischen Autoren waren fast alle dem Alkohol verfallen, vorneweg Hemingway, der mit 60 Jahren nicht mehr trinken durfte und dadurch nicht mehr schreiben konnte. Er hat sich dann erschossen.

        Man könnte ein Buch mit sieben Siegeln schreiben über Dichter und Alkohol. Von Poe über Fallada bis zu Bukowski und darüber hinaus.

        Beim Zeichnen aber braucht man ein ruhiges Händchen wie ein Chirurg. Dr. Adams war der beste Chirurg im Stadtkrankenhaus Offenbach, aber war für seine Tablettensucht bekannt .. Ohne Tabletten hätt er keinen geraden Schnitt hinbekommen ^^

        Dein Rausch ist die Kunst selbst. Wundervoll. Kann dich nur bestärken und deine Werke zeugen von dem richtigen Weg.

        Wäre Jimi Hendrix und all die anderen leider allzu jung dahin gegangenen Musiker deinen Weg gegangen, würden sie heute noch leben und wirken. Und was in der Seele brennt, muss raus und sucht sich einen Weg der Darstellung auch ohne den Türöffner Alkohol und all die anderen Drogen. Früher oder später.

        Ich hab dich wieder aufgehalten, hab dir deine Zeit gestohlen. Verzeih mir.

        Mach so weiter und bleib dir treu, Sven 😉

        • Susanne Haun said, on 14. Januar 2020 at 07:37

          Danke für deinen Kommentar, Sven.
          Über Kunst und Drogen gibt es ja auch eine Menge zu schreiben.
          Ich bin froh, in meiner Kunst ohne Rauschmittel in einen Rausch zu geraten. Es hebt mich in eine andere Sphäre, in der dann die besten Werke entstehen. Wie du schon schreibst, berauscht durch die Kunst selber!
          Einen schönen Tag von Susanne

  3. juergenkuester said, on 9. Januar 2020 at 09:07

    Liebe Susanne!
    Es ist schon seltsam: immer, wenn Dein Beitrag zu unserem Projekt erscheint – auch diesmal finde ich ihn sehr gelungen, wenn auch ein wenig ernsthaft – dann fängt meine Denkmaschine kräftig an zu laufen. Und am Frühstückstisch findet morgens dann immer mit Mechthild das erste Brainstorming statt. So auch heute. Perfekt! Und mit einem Ergebnis, dass sich im Atelier wohl umsetzen lässt. Alles Gute, Liebe Grüße
    Juergen
    P.S. Und die Suche nach Ausstellungsorten oder Räumen rückt auf der Liste der wichtigen Dinge bei mir nun nach oben. Spontane Idee: wie wäre es mit einem Account auf Instagram als Ausstellungsfenster?

    • Susanne Haun said, on 10. Januar 2020 at 07:20

      Lieber Jürgen,
      das ist doch wirklich perfekt! Ich bin auf dein Ergebnis gespannt.
      Ich schaffe es schon kaum mein Instagram Account in einem passenden Tournus zu pflegen … aber wenn du Zeit und Lust dazu hast, unsere Arbeiten auf Instagram einzustellen, dann freue ich mich.
      Natürlich geht nichts über einen reelen Ausstellungsort.
      Mein Ausstellungsvorschlag per WhatsApp können wir leider doch wieder verwerfen, da die Künstler die Aufsicht während der Ausstellungszeit führen müssen.


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