Actionpainting und ein Notenbuch – Zeichnungen von Susanne Haun

Peggy Gugenheim beauftragte den Fotografen Hans Namuth, Pollock beim Zeichnen seiner „dripping paints“ zu fotografieren.

Diese Fotos trugen maßgeblich zur Definition des Actionpaintings bei.

Spuren verwischen (c) Foto von Susanne Haun
Spuren verwischen (c) Foto von Susanne Haun

Beim Actionpainting ist der Körper des Künstlers wichtig. Der Akt der Schaffung des Werks will etwas zum Ausdruck bringen. Das bewusste Denken soll ausgeschaltet werden und damit soll das Werk „blind entstehen“ – nicht physikalisch sondern mental blind. Das Gemälde als Akt ist mit der Biografie des Künstlers verbunden. Dabei ist die eigene Bewegung und die Eigendynamik des Materials wichtig. Das Actionpainting fängt oft mit einer Kritzelei an.

Franz Kline, ein weiterer Vertreter des abstrakten Expressionismus, zu dem das Actionpainting gehört, drückte seine Arbeit wie folgt aus „Ich male nicht die Dinge, die ich sehe, sondern die Gefühle, die sie auslösen“. Sehr interessant fand ich auch folgende seiner Gedanken, die ich nur dem Sinn nach wiedergeben kann: Dinge sind zu disorganisieren und das wiederum ist eine Form der Organisation. Es ist eine Brechung der Linie, der Formation.

Cy Twombly zählt ebenfalls wie Pollock und Kline zu den wichtigsten Vertretern des amerikanischen abstrakten Expressionismus. Er arbeitet mit nicht lesbaren Texten und zeichnete nachts blind dem Lauf der Hand folgend.

Interessant finde ich auch das Auslöschen von Spuren und Erinnerungen. Rauschenberg radierte eine Arbeit von de Koenig aus.

Ich zeichne sehr überlegt und konzentriert. Wie kann ich also das Actionpainting verstehen und in meiner Arbeit nutzbar machen? Sicher, ich kann mich in einen dunklen Raum setzen und zeichnen. Gut. Das ist wirklich unkontrolliert.

Die Gedanken, die ich hier zum Actionpainting geschrieben habe sind aus der letzten Sitzung der Vorlesungen „Die Zugkraft der Linie“.

Ohne vorher das wöchentliche Thema zu wissen, nahm ich mir ein altes Notenbuch, dass ich auf dem Buchtrödel gekauft hatte mit zur Vorlesung. Mein Plan war, wie immer zu zeichnen aber dieses Mal wollte ich bewusst ein Notenbuch überzeichnen. Ich habe gleich bei den ersten zwei Arbeiten bemerkt, dass der Füller zu fein und zart für die dicke gedruckte Schrift des Heftes ist. So habe ich den Pitt artist pen von Faber-Castell in der Stärke bold mit wasserfester, lichtbeständiger Tusche benutzt. Dieses Material ist auch auf den dunklen Noten sichtbar.

Während der Vorlesung letzte Woche habe ich eine Studentin immer und immer wieder auf jeweils einer Seite gezeichnet und das Notenbuch war „voll“. Zufrieden war ich nicht.

Als zweiten Arbeitsdurchgang benutze ich weiße Acrylfarbe, um Spuren auszuwischen. Aber auch hier bin ich noch nicht zufrieden und ich werde weiter an dem kleinen Buch arbeiten.

Gestern habe ich während der Vorlesung das mittels der Powerpoint Projektion an der Wand geworfene auf die Seiten gezeichnet. Ich benutzte dazu meinen Füller mit grüner Tinte und wiederholte die Linien. Ich bin nun zufriedener aber noch lange nicht mit meiner Arbeit fertig.

Es haben sich einige Ideen in meinem Kopf zur Weiterarbeit entwickelt. So zeige ich auch heute nur einige der Arbeiten, die im Notenheft entstanden sind. Ich werde aus allen eine Animation erstellen. Aber dazu werde ich die Seiten des Notenheftes noch einige Male bearbeiten.

For my english reader:
I heard last week in my course a lot about actionpainting. It was great and I was inspired to draw into an old music box. In the first passing I wasn’t satisfacted but in the third I found slowly a way and I have now a plan in my head. So I will show only a few drawings from the book.

9 comments

  1. Sehr interessant, liebe Susanne, vielen Dank für deine Erläuterungen, ich hatte mir etwas anderes unter Actionpainting vorgestellt. Hochchtung vor deinem Einsatz, auch mit diesem Artikel ,der so genau alles dokumentiert und bildlich festhällt. Bin gerade ganz ko nach einem langen Arbeitstag im Garten, Hecken schneiden ist anstrengend, puuuh. 🙂 habe lange nihct so geschwitzt. Obwohl wir hochsommerliche Temperaturen haben, gehen wir gleich in der Sauna vor der Körperpflege… Einen schönen Sommerabend in Berlin wünsche ich dir mit ganz lieben Grüßen aus Cley
    Dina

    1. Liebe Hanne,
      danke für dein Lob, es hat mir Spaß gemacht, darüber zu schreiben und das Notenheft macht mir so oder so Spaß!
      Ich war bis eben im Atelier und hatte netten Besuch. Nun werde ich den Tag mit leckerem Essen ausklingen lassen.
      Es war auch in Berlin warm, so habe ich in der Sonne gesessen und gelesen.
      Liebe Grüße sendet Susanne

  2. Liebe Susanne, obwohl ich Idee und Umsetzung sehr interessant finde – um das kleine Blockflötennotenbüchlein tut es mir ein bisschen leid…
    Liebe Grüße
    Elke

    1. Liebe Elke,
      es ist ja noch da, das kleine Notenbüchlein. Das ist das, was es für mich so eindrucksvoll macht.
      Immer wieder Spuren auf die Arbeit aufsetzen und wieder ausradieren.
      Ich wünsche dir einen schönen Tag, liebe Grüße von Susanne

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