Der Plötzensee im Wedding – Zeichnungen von Susanne Haun

 

Berlin Wedding Plötzensee (c) Foto von Michael Fanke
Berlin Wedding Plötzensee (c) Foto von Michael Fanke

 

Ende der 70ger Jahre, ich zählte ca. 14 Lenze, war das Strandbad Plötzensee fast meine zweite Heimat.

Mein Onkel lebte mit seiner Familie als Haus- und Bademeister in dem vom See aus zu sehenden rechten Gebäudeteil der Anlage und meine Cousine war nur ein Jahr älter als ich. Wir hatten viel Spaß in der Zeit, so sind wir nach Badeschluss in den See gesprungen und genossen die Leere und Freiheit, ein ganzes Schwimmbad bespielen zu dürfen. Mein Onkel war an die 30 Jahre dort Bademeister, als er vor inzwischen über 20 Jahren in Rente ging, musste er auch seine Dienstwohnung verlassen.

Ich habe mich sehr gefreut, im Tagesspiegel (siehe hier) im Juni von den Plänen des neuen Pächters des Strandbads zu lesen und so wollte ich unbedingt schauen, welche Fortschritte die Pläne des neuen Betreibers machen. Auch der Weddingweiser berichtete mit aktuellen Fotos (siehe hier).

Interessant finde ich, wie sehr meinen Zeichnungen die Aufregung anzusehen ist, die mich beim Anblick des Wohlvertrauten und doch wieder ganz Neuem befiel. Ich erinnere mich nicht an diese wilde wunderschöne Natur, die an den Uferzonen zu betrachten ist. Liegt es vielleicht daran, dass ich das Strandbad immer nur familiär als kleinen Mikrokosmus um die Wohnung meines Onkels sah? Vermutlich!

Natürlich habe ich beim Zeichnen nicht mit dem Treten aufgehört, schliesslich wollten wir in der Stunde, die wir das Tretboot miteten sowei wie möglich auf den See hinaus.

 

 

 

Bis zum Strandbad sind Micha und ich nicht gekommen, wir sind der Versuchung erlegen, uns am frühen Morgen für eine Stunde ein Tretboot zu mieten und uns das Freibad vom See aus anzuschauen. Die Natur, der frühe Morgen und das schwelgen in alten Erinnerungen machte die Stunde treten zu einem gelungenen Tageseinstieg.

 

 

13 comments

  1. Es ist erstaunlich, daß man nach so vielen Jahren Vertrautes vorfindet.
    Der Bauernhof, wo ich als Kind 2x Ferien machte, den gibt es nicht mehr. Schade, daß der Ort für mich nicht mehr zur Verfügung steht.

    1. Ja, das ist schade! Der Plötzensee liegt so gesehen keine 20 Minuten von meinem Atelier entfernt, er liegt in einem Park und Naturschutzgebiet. Auf der einen Seite die Seestraße, die zur Autobahn wird, auf der anderen Seite der Westhafen, der Friedhof liegt an der anderen Seite und wenn man ein wenig läuft, Laubenkolonien am Kanal, der zur Schleuse und zum Hafen führt.
      Kein Gelände, mit dem spekuliert wird. Und trotz der doch etwas schrägen Nachbarschaft ist im Freibad und auf dem See nichts davon zu merken. 🙂

    1. Lieber Jürgen,
      meine Eltern sind maximal einmal im Jahr für drei Wochen mit uns Kindern verreist. Das war finanziell nicht anders möglich. Und wenn eben ein elektrisches Gerät ersetzt werden musste, dann wurde das Urlaubsgeld dafür verwendet. Vielleicht reise ich deshalb jetzt so gerne.
      Liebe Grüße von Susanne

  2. Hallo Susanne,
    was für ein schön bebilderter und gezeichneter Urlaubstag!
    Betreffend Erinnerungen und Natur: womöglich hat sich über die Jahre am See etwas erholt und renaturiert?
    Wiederum ist unser Gedächtnis einesteils geprägt und andererseits selbstständig wirkend zwischen „Dichtung und Wahrheit“.
    Gute Sommerzeit, Bernd

    1. Sagen wir mal so, lieber Bernd, heute werden die Seen einfach besser gepflegt, aber der Plötzensee liegt an so einer Stelle, die sich wirtschaftlich für nichts anderes eignet (siehe Kommentar bei Jürgen) und ich denke, so konnte er die Zeiten gut überstehen. Es hat sich tatsächlich nichts geändert, es ist als ob ich eine Zeitmaschine betrete. Jedenfalls vom See aus. Das Freibad selber wird ja zur Gastronomie- und Eventstätte ausgebaut. Ich bin jedoch froh über die Nutzung, denn so verfallen die schönen Bauwerke nicht und werden Restauriert. 🙂
      Mein Gedächtnis wird von Fotos unterstützt. Ich bin gerade dabei die Dias meines Vaters zu sortieren.
      Du hast mit der Dichtung und Wahrheit recht. Da kann die Erinnerung viel vermischen. Besonders zwischen erzähltem und erlebten.
      Einen schönen Gruß nach Nürnberg von Susanne

      1. Ja, Susanne,
        danke schön, „es ist als ob ich eine Zeitmaschine betrete“. Die Fotos unterstützen – und sie prägen. Von den väterlichen oder elterlichen sowie den eigenen Foto-Archiven können wir Lieder singen, wie es Jim Croce tat: „Photographs and Memories“.
        Herzlich grüßt in den Wedding, Bernd

    1. Ja, Rolf, da hast du recht, der Plötzensee hat so unglaublich gut die Jahre überstanden, dass ich selber erstaunt bin. Vielleicht liegt es an seiner Lage, die ihn ja generell für eine Umbauung ausschliesst.
      Inzwischen scheint uns der Sommer ja zurück zu haben.
      Viele Grüße von Susanne

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