Susanne Haun

Ocker, braun, schwarz, wie nähere ich mich einem Künstler – Bericht und Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Landschaft, Zeichnung by Susanne Haun on 15. August 2012

Ich war im Hamburger Bahnhof und Anselm Kiefers Raum hat mich schlichtweg „umgehauen“.

Kein Foto kann das, was ich empfunden habe als ich in Kiefers Reich eintratt, wiedergeben.
Es muss erlebt sein. Trotzdem möchte ich darüber schreiben.
Kiefer füllt den gesamten Raum, den er im Hamburger Bahnhof hat, aus. Die Größe und Eindringlichkeit seiner Gemälde und Objekte sind enorm.

Einen Ausschnitt von Kiefers Raum im Hamburger Bahnhof (c) fotografiert von S.Haun

Einen Ausschnitt von Kiefers Raum im Hamburger Bahnhof (c) fotografiert von S.Haun

Natürlich sagte mir der Namen Anselm Kiefer etwas. Aber ich bin nicht wegen Kiefer in den Hamburger Bahnhof gegangen, ich wollte die Ausstellung von Cy Twombly & The School of Fontainebleau und ein bißchen Karl André und Sol LeWitt schauen. Das habe ich auch getan und auch das war beeindruckend, ich berichte später darüber. Das besonderer an Kiefer ist einfach, dass er so unerwartet auf mich einwirkte.

Der trockene Mohn am Flugzeug, die Babykleidung an der Leinwand und alles ocker, schwarz, grau, weiß.

Es ist klar, dass ich heute in ocker, schwarz, grau zeichnete. Ich hatte noch mein Schlüsselbund, dass ich gestern zeichnete (siehe hier) im Kopf. Ich begann, meine Schlüssel zu zeichnen, um mich dann in den Formen und Linien zu verlieren, klein in klein auf 17 x 22 cm.

Nach dieser ersten „Entladung“ habe ich in der arte-Mediathek ein sehr interessantes und aussagekräftiges Interview gefunden – siehe hier. Es ist sehr empfehlenswert.

Die Auflösung der Schlüssel 17 x 22 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun (3)

Die Auflösung der Schlüssel 17 x 22 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun (3)

Nachdenkenswert finde ich folgende Sätze von Kiefer: „Ich gebe keine Interpretationen.“ und „Die Kunst ist eine andere Welt als die Reale.“

For my english speaking readers:

Today I wrote about ocer, brown and black and how to near an artist. I saw works of Anselm Kiefer in the museum “Hamburger Bahnhof”, Berlin. It was great and Kiefer fills his room in the museum with a presence. I like two sentences from him: “I give no interpretations.” and “The art is a other world as the real.”

 

Ocker, braun, schwarz, wie nähere ich mich einem Künstler – Bericht und Zeichnung von Susanne Haun

6 Antworten

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  1. ute schätzmüller said, on 15. August 2012 at 18:26

    Liebe Susanne,

    ich liebe die Arbeiten von Anselm Kiefer. Ich habe vor einigen Jahren einiger seiner Werke im Museum Küppersmühle in Duisburg gesehen und mir erging es genau so wie dir! Kein Wunder, dass ich mich wahnsinnig gefreut habe, als der Galerist in München gestern fragte, ob ich mich in meiner Malerei an Anselm Kiefer orientiere…

    Deinen Text nehme ich mir vor, wenn die Atelier Soirée vorbei ist. Dann aber wirklich!

    Viele liebe Grüße Ute

    PS: Ich finde deiner Zeichnung steht auch das ocker, schwarz, grau!

    • susannehaun said, on 16. August 2012 at 09:06

      Liebe Ute,

      lass dir Zeit und mache dir keinen Streß. Es läuft uns ja nicht weg.

      Ja, ich werde das Ocker nicht alzu weit weg stellen und auch das schwarz vielleicht wieder öfter benutzen. Veränderungen sind immer gut und bringen einen nach vorne!

      Liebe Grüße sendet dir Susanne

  2. Mathilda said, on 15. August 2012 at 21:03

    Solche Farben gefallen mir sehr, sind so sanft und ruhig 😉

  3. Armin said, on 16. August 2012 at 08:28

    Die ersten Arbeiten von Anselm Kiefer sah ich 1987 auf der Documenta. Damals war ich auch noch beeindruckt. mit den Jahren beschlichen mich mehr & mehr Zeifel. Aber spätestens, als ich den Film „Over Your Cities Grass Will Grow“ über Kiefer von Sophie Fiennes im Kino sah, war es vorbei mit meiner Beeindrucktheit. Eine Endlosschleife in Stroh, Blei, Staub & Dreck, angereichert mit sog. archaischer Symbolik von Büchern, Flugzeugen & Schiffchen. Je monumentaler, desto leerer. Just my two cents. Anbei ein Artikel aus der taz, der in etwa beschreibt, was ich meine. http://www.taz.de/!80677/

    • susannehaun said, on 16. August 2012 at 09:19

      Vielleicht braucht man den ersten Eindruck, um beeindruckt zu sein, Armin.

      Ich habe ja in dem Arte Interview schon die Betontürme gesehen. Ich möchte dieses Areal schon life sehen, sie beeindruckten mich auch schon im Interviewfilm.
      Ich werde auch sehen, dass ich irgendwo den Film von Sophie Fiennes anschauen kann. Vielleicht gibt es ihn ja als dvd.

      Sicher ist jede Kunst auch eine Frage des Geldes. Es ist auch Teil unsere Kunst, mit dem was wir zur Verfügung haben zu gestalten und Kunst zu kreieren.
      Jeder muss dort seinen Weg finden. Und seine Zufriedenheit. Und ich finde schon, dass es Anselm Kiefer und seine Kunst ist, die wir in den Betontürmen sehen.

      Und wenn ich persönlich mehr Geld hätte, dann hätte ich auch ein größeres Atelier etc. etc. Wenn wir ehrlich zu uns selber sind, würden wir nicht auch mit mehr Geld größer und mit anderem Material arbeiten?

      Ich habe lange nachgedacht, mit welchen erstklassigen Materialien ich mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln arbeiten kann. Und wenn ich neue Projekte habe, ja dann muss ich sehen, dass ich mir Sponsoren suche, wie selbst Beuys für seine 7.000 Eichen…


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