Susanne Haun

Narzissen, Kunst und die Geisteswissenschaft – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Blumen und Pflanzen, Kunstgeschichte, Zeichnung by Susanne Haun on 17. Januar 2013

Narzissen sind gelb, meine habe ich aber mit Tusche der Farbe Caput mortuum gezeichnet.

Es ist eine meiner Lieblingstuschen und wer mich kennt weiß, ich benutze sie oft und gerne. Nicht nur, weil ich das warme Rotbraun mag, sondern auch, weil ich die Bezeichnung der Tusche atmosphärisch finde. Die Tusche soll die gleiche Farbe besitzen wie das Blut, das aus den abgeschlagenen Köpfen von der Guillotine der Französischen Revolution tropfte.

Narzissen 18 x 26 cm Tusche auf Hahnemühle Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun Vers. 2

Narzissen 18 x 26 cm Tusche auf Hahnemühle Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun Vers. 2

Bei den Zeichnungen von heute kam es mir darauf an, die Narzisse ganz nah heranzuholen und ihre Linien, Helligkeit und Dunkelheit auf das Papier zu bringen. Damit ich die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die einzelnen Elemente der Narzisse lenken kann und sie Die Narzisse nicht als ganzes wahrnehmen lasse, habe ich sie in Teilen gezeichnet. Ich werde sie aber für die Ausstellung „Der Sommer trägt weiss“ in der Bahnhofshalle Friedenau (siehe hier) in einem Rahmen präsentieren.

Die Narzissen sind auf Hahnemühle Burgund Papier gezeichnet. Ich benutze sehr gerne verschiedene Arten Hahnemühle Papier, wie Leonardo, Callygraphie oder Zeichenpapier. Auf der Paperworld in Frankfurt präsentiert sich die Hahnemühle auf einen der Messestände. Schade das Frankfurt so weit weg ist und ich schon mehr Termine angenommen habe als ich eigentlich bewältigen kann, sonst würde ich die Paperworld nicht verpassen. Es gibt hier auf dem Blog der Hahnemühle Eintrittskarten zur Paperworld zu gewinnen.

Narzissen 18 x 26 cm Tusche auf Hahnemühle Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun Vers. 3

Narzissen 18 x 26 cm Tusche auf Hahnemühle Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun Vers. 3

Mich beschäftigt gerade das Buch „Sinn und Deutung in der bildenden Kunst“ von Erwin Panofsky. Das Buch ist ein Klassiker und ich habe mich gefreut, es in unserer Bücherei zu bekommen. Die Seiten sind vom vielen Lesen schon ganz lose, das Buch ist von 1978. Panofsky war einer der bekanntesten Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts und begründete die Ikonologie.

Panofsky entwickelte die drei Phasen der Untersuchung eines Kunstwerkes.
Die erste Phase (Vor-Ikonographische Beschreibung) beruht auf praktische Erfahrung.
Die zweite Phase (Ikonographische Analyse) auf die Kenntnis literarischer Quellen und Vertrautheit mit der Zeit, in der das Kunstwerk entstand.
Die dritte Phase (Ikonologische Interpretation) beruht auf die Vertrautheit mit den wesentlichen Tendenzen des menschlichen Geistes, geprägt durch persönliche Psychologie und Weltanschauung.

Ich finde diese Herangehensweise an Bildanalysen sehr interessant und ich wundere mich immer wieder, was es nach der ersten Phase, die ich ein Bild betrachte, noch alles zu entdecken gibt. Es mach mit großen Spaß, zu versuchen, den Bildern ihre Geheimnisse zu entlocken!

Eigentlich wollte ich heute zu einem ganz anderen Thema schreiben, denn schon die Einleitung des Buches von Panofsky hat mich inspiriert und angeregt. Aber nun gut, morgen ist auch noch ein Tag!

Narzissen auf dem Ceranfeld (c) Foto von Susanne Haun

Narzissen auf dem Ceranfeld (c) Foto von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
Daffodils are yellow, but I choised my the color Caput mortuum.
It is one of my favorite ink and who knows me well, know I use them quite often. Not only because I like the warm reddish brown, but also because I think the name of the ink has atmosphere. The ink should have the same color as the blood that dripped from the severed heads of the guillotine of the French Revolution.
By the drawings of today it was important for me to zoom in on the daffodil close and get their lines, sanctities and darks on the paper. I cut the paper in 4 sheets, so I can get the viewer’s attention on the individual elements of the daffodil and narcissus.

________________________________________________
Panofsky, Erwin. Sinn und Deutung in der bildenden Kunst (Meaning in the Visual Arts). Köln 1978.

9 Antworten

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  1. Coco Niehoff Kunst/Malerei/Gedanken said, on 17. Januar 2013 at 18:37

    ich bin immer wieder angetan von deinen nahtlosen übergängen von zum bsp der freude an einem farbton zum heuchlerischen mord……“Nicht nur, weil ich das warme Rotbraun mag, sondern auch, weil ich die Bezeichnung der Tusche atmosphärisch finde. Die Tusche soll die gleiche Farbe besitzen wie das Blut, das aus den abgeschlagenen Köpfen von der Guillotine der Französischen Revolution tropfte.“
    du solltest nebenbei krimis schreiben.
    hast du das buch noch wenn ich in berlin bin? aber ich bin sicher schon beim vorwort überfordert…..lass es mir dann lieber von dir erklären 🙂 gruß coco

    • Susanne Haun said, on 18. Januar 2013 at 11:52

      Danke, Cocolinchen ….. Ich habe es – schätze ich – noch nicht. Ich bekomme meine Belegexemplare erst am 28.1. nach dem Hängen der Arbeiten in der Botschaft, denn Diramuid kommt erst an diesem Tag aus Bonn an und wir müssen ja alle 100 Exemplare beide unterschreiben. Das machen wir nach dem Hängen…. ich hoffe, ich verschreibe mich nicht.
      Der Übersetzer, Dr. Peter Busse, wird zur Ausstellugn eine Einleitung zur irischen Lyrik halten und auch ein paar Worte zu meinen Bildern erzählen.
      Ich mag besonders das gällische neben dem deutschen, es vermittelt dem Buch eine besondere Atmosphäre.
      Ich muss heute die Grafiken liefern und dann werde ich den Andruck des Buches sehen. Ich bin schon neugierig.
      Wenn du deine Arbeiten vom Bahnhof Friedenau wieder abholst, dann kannst du das Buch auf jeden Fall sehen… 🙂 Ein Exemplar, das meinige behalte ich natürlich…….
      Liebe Grüße nach Colbitz in dein TanzhallenAtelier sendet dir Susanne

  2. Jennifer Flint ~ The Aura Reader said, on 17. Januar 2013 at 21:41

    Oh, lovely, these are my favorite flowers. I love the color too! Wonderful details! 🙂

    • Susanne Haun said, on 18. Januar 2013 at 12:00

      Thank you, Jennifer. I like to walk to the flower shops looking for special kinds of blossums. But I like the famous blossums, too.
      Have a nice day greetings from the cold and grey Berlin sends you Susanne

  3. annaschueler said, on 18. Januar 2013 at 09:19

    Ohja…. es wird Zeit für Narzissen…..
    Einen herzlichen Gruß
    Anna

    • Susanne Haun said, on 18. Januar 2013 at 12:04

      Danke, liebe Anna, schön von dir zu hören. Ich hoffe, dir geht es gut im fernen Selm. Einen schönen Freitag wünscht dir Susanne

  4. emhaeu said, on 18. Januar 2013 at 15:08

    „Caput mortuum“ – der Kopf der Toten, Dead Head …. französische Revolution? Kam mir komisch vor, habe ich mal nachgeschaut: Der Begriff als Bezeichnung für dieses synthetisch hergestellte Pigment scheint von den Alchemisten des 15. Jahrhunderts zu stammen. Soll weniger etwas mit Blut zu tun haben,als einfach „wertlos“ bedeuten, weil die Alchemisten mit dem Produkt nichts anfangen konnten. Die Geschichte mit der Französischen Revolution steht auch in der Wikipedia, allerdings ohne jeden Beleg. In der englischen Wikipedia steht gar nichts von der Französischen Revolution, in dem sehr genauen Artikel bei Kremer-Pigmente (http://kremer-pigmente.de/caput-mortuum.htm) auch nicht.
    Wie dem auch sei – ist doch auch schöner, wenn man nicht die Assoziation mit dem Blut der Ermordeten haben braucht!

    • Susanne Haun said, on 18. Januar 2013 at 16:15

      Asche über mein Haupt! Das habe ich schlecht recherchiert!
      Das liegt bestimmt auch daran, dass ich die Geschichte so schaurig schön fand und daran glauben wollte!
      Danke, Martin, dass du besser geschaut und uns aufgeklärt hast. Ich werde es heute in meinem Blogbeitrag gleich richtig stellen!
      Einen schönen Tag wünscht Susanne

  5. […] mit einer einfachen Bildbeschreibung an. Erinnert ihr euch, ich sprach vom Kunsthistoriker Panofsky (siehe meinen Artikel hier), ich befinde mich mit der heutigen Beschreibung des Amors in der von ihm beschriebenen Stufe 1, der […]


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